| |
Liebe Leserin, lieber
Leser,
Rüdiger Safranski spricht in seinem
neuen Werk mit Enthusiasmus vom geistigen Impuls der Romantik, von der
immensen Schöpferkraft seiner Vertreter. Seine weit reichenden
Kenntnisse vermittelt er in einer anschaulichen, leicht verständlichen
Sprache einer breiten Öffentlichkeit, die sich davon anstecken lässt.
Unser Interview gibt einen Einblick in Safranskis einzigartigen Zugriff
auf die Besonderheit der romantischen Denkart und ihre Auswirkungen bis
heute.
Trotzdem ist Reinhard Bode als Leser von Safranski enttäuscht. Was haben
die Romantiker eigentlich erlebt, welche Motive standen hinter ihrer
Suche nach dem Unvergänglichen, dem »Weltfremden«, dem Irrationalen? Wer
in ihre Gedanken so empathisch eindringt, ihre intimen spirituellen Wege
so fein beschreibt, der müsste eigentlich bereit sein, das, was sie
berichten, auch als Realität ernst zu nehmen. Ihre Einblicke in eine
nicht-sichtbare Welt bleiben aber für Safranski, wie für die meisten
unserer Zeitgenossen, Schall und Rauch – Wunschträume, subjektive
Visionen, »Verrücktheiten«.
Beide Beiträge im Dialog gesehen zeichnen ein deutliches Bild der
Gegenwart: In der Realität des Geistes liegt ein Gefährliches; die
Berührung mit der Schwelle wird einerseits sehnsuchtsvoll gesucht,
andererseits zuckt man vor dem Blick in den Abgrund zurück. Wir alle
kennen das. Die Setzung und Anerkennung konkreter Geistigkeit verlangt
Mut – auch gegen den allgemeinen Strom der Begeisterung anzusprechen.
Konkrete Geistigkeit ist zuerst eine Selbsterfahrung: »Ich erfasse
mich«. Diese in die Vergangenheit greifende Ich-Geste der sich in den
Schwanz beißenden Schlange liegt der anthroposophischen
Geisteswissenschaft zugrunde und unterscheidet sie von der »normalen«
Wissenschaft ebenso wie von der »normalen« Esoterik. Als eine
historische Vorstufe seiner eigenen geistigen Forschung bezeichnet
Rudolf Steiner das Rosenkreuzertum. Diesem Zusammenhang geht Andreas
Neider in seinem Beitrag bis in die Biographie Steiners hinein nach und
endet mit einem Ausblick auf eine zukünftige Erinnerungskultur:
»… Und als strahlendes Erinnerungsleben
Wird der Christus leuchten
in jede unmittelbar gegenwärtige Finsternis.« (R. Steiner)
Wir wünschen Ihnen eine frohe und gesegnete Weihnachtszeit!
Ihr
Stephan Stockmar
|
|