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Anthroposophie
aus skeptizistischer Sicht II
Hat sich Helmut
Zander Verdienste erworben?*
Günter Röschert
Fortsetzung von Heft I0/07
Im ersten Teil dieses Aufsatzes1
wurde versucht, die thematischen Hauptpunkte von Helmut Zanders Kritik an Rudolf
Steiner und der Anthroposophie zu sichten und antikritisch zu bewerten.
Gegenüber Zanders Steiner-Lektüre konnte sich die Philippusfrage an den
äthiopischen Kämmerer aus Acta 8,26 f. aufdrängen: »Verstehst du auch, was du
liesest?« Die von Zander in Anschlag gebrachten analytischen Methoden erwiesen
sich als unzureichend, um Rudolf Steiners Werk immanent-kritisch, d.h. nach den
werksinternen Bedingungen und Eigentümlichkeiten, zu begreifen. Über die
Merkmale des Studiums der Anthroposophie liegt eine ganze Anzahl von
Untersuchungen vor, die Zander nicht berücksichtigt hat.2
Er bezweifelt die Originalität von Steiners Werk, die Möglichkeit der
Geistesschau, die Widerspruchsfreiheit von Steiners Werdegang und die
Erfahrungsgrundlage seiner Christologie. Natürlich ist ihm bekannt, dass der
Skeptizismus als Forschungsmethode oder gar als Philosophie auf brüchigem Grunde
errichtet ist, weil sich der Zweifel stets auch selbst bezweifeln kann. Dieser
Brüchigkeit ist Zanders Arbeit in weiten Teilen nicht entgangen. Im Geiste des
Kirchenvaters Augustinus dürfen gleichwohl Zanders Zweifel auch als Ausdruck
berechtigter Selbstsicherheit des Denkens gewertet werden und damit als Anstöße
zu fortschreitender Prüfung und Vertiefung der Forschungsergebnisse Steiners und
seiner Schüler und zugleich Anlass geben zu neuer Besinnung auf die Position der
Anthroposophie in der Gegenwart. Der Zweifel wächst aus der Relativität aller
religiösen, philosophischen und allgemein weltanschaulichen Aussagen; er ist
Teil des Erkenntnisweges und daher auch möglicher Anlass zur Selbstkritik.
Nachfolgend werden in fünf thematischen Schwerpunkten
Aussagen des ersten Aufsatzteils weitergeführt unter dem Gesichtspunkt der
Förderung der anthroposophischen Arbeit durch Zanders Bedenken und Einwände.
Autorität und Personenkult
Nach den Urereignissen bei der Entstehung einer geistigen
Bewegung kommt es - wenn die Bewegung Bestand hat - gewöhnlich zu einer Phase
der Konsolidierung und der Abwehr externer Kritik. Für die Anthroposophische
Gesellschaft begann die Phase der Apologie (Verteidigung, Rechtfertigung)
noch zu Lebzeiten Rudolf Steiners und hielt - sich abschwächend - bis heute an.
Das apologetische Schrifttum aus dem Schülerkreis Steiners arbeitete an der
Verstärkung der Plausibilität des anthroposophischen Lehrgutes und setzte dabei
auf das Ansehen und die Autorität des Lehrers und Gründungsvorsitzenden.3
Steiner wandte sich zwar mit Nachdruck gegen Autoritätshörigkeit und
Personenkult in der Mitgliedschaft und verglich sie sogar mit dem Alkoholismus.4
Freilich ist nicht zu verkennen, dass Steiner in der Notsituation von 1923, nach
dem Goethean-umbrand, die Neugründung der Anthroposophischen Gesellschaft mit
autoritären Mitteln vorantrieb. Zanders Hinweis auf die Autoritätspflege in der
Gesellschaft, die nach Steiners Tod auch die späteren Vorstände erfasste, ist
daher nur insoweit zurückzuweisen, als sich der Autoritarismus aus dem
anthroposophischen Erkenntnisweg ableiten lassen soll, ja durch den
Erkenntnisweg systematisch unterstützt worden sei.
Die Überwindung der Autoritätshörigkeit, auf Rudolf Steiner
und sekundär auf andere signifikante Führungspersönlichkeiten oder
Führungsgremien bezogen, ist nur möglich, wenn die vorurteilsfreie, individuelle
oder in Forschungsgemeinschaften betriebene Rekonstruktion von
Steiners Werk auf der Grundlage des intuitiven Denkens in der
Anthroposophischen Gesellschaft Allgemeingut geworden ist.5
Dies würde das Ende der Apologie als Ausdrucksform anthroposophischer
Arbeit bedeuten, den Beginn der von Steiner gewünschten Prüfung aller
geisteswissenschaftlichen Aussagen6 und den Übergang
zu einer freien Beziehung zu Rudolf Steiner selbst.7
Die von Steiner für nötig gehaltene immer wieder geforderte und keineswegs
undurchführbare (Zander 946) Prüfung seiner Forschungsergebnisse ist selber
Geistesforschung, welche die Entwicklung des geistigen Menschen unterstützt,
weil sachgemäße Prüfung den Sinn für den Geist und für geistige Impulse in
Mensch, Geschichte und Kosmos weckt.8 Zanders
Versuche, Steiners Ausführungen durch Aufweis widersprüchlicher Aussagen in der
Wrksentwicklung zu dekonstruieren, können nicht zu gültigen Ergebnissen führen,
solange sie weder die Möglichkeit einer seelischen Entwicklung des Forschers,
noch die Möglichkeit eines nachschöpferischen Umgangs durch intuitives Denken
anerkennen. Die Hingabe des Autoritätsprinzips ist schmerzhaft, wenngleich
unumgänglich als Teil anthroposophischer Selbstkritik. Die Opferung eines für
die anthroposophische Plausibilitätsstruktur9 hoch
wirksamen, gewöhnlich unreflek-tierten Verhaltens macht auch nicht Halt vor
sakrosankten Gewissheiten: Ohne Umstände spricht Zander von einer Atheismusphase
in Steiners Entwicklung in den Jahren um 1899 (883) und zieht wenig beachtete
Texte im Umkreis dieser Jahre heran.10 Den
Wahrheitswillen Steiners zieht Zander in Zweifel, z.B. anhand des Briefwechsels
mit Josef Kürschner der Jahre 1883 bis 1893 und mit der J.G. Cotta'schen
Buchhandlung in Stuttgart zwischen 1892 und 1897.11
Vor allem aber kritisiert Zander Steiners anhaltende
Versuche, Widersprüche und Überzeugungsänderungen in der Werksentwicklung in
Abrede zu stellen (454, 463, 514, 554 u.a.). Diese und weitere Einwände Zanders,
die teilweise sogar die moralische Integrität Rudolf Steiners tangieren, lassen
sich nicht einfach mit angewiderter Miene beiseite schieben. Wahrheitsliebe und
anthroposophische Selbstkritik erfordern - auch über Christoph Lindenbergs
Biografie hinaus - sich um ein von jedem Personenkult freies Verhältnis zu
Rudolf Steiner zu bemühen.12
Pluralismus und Universalismus
Auf der Linie des von Zander eingenommenen historistischen
Standpunktes liegen nicht nur die geschichtlichen Bedingtheiten aller
kulturellen Bewegungen Europas, sondern auch die mehr und mehr im westlichen
Bewusstsein auftauchenden außereuropäischen Kulturkreise, deren Religionen,
Künste und Sozialverhältnisse. Jeder Angehörige einer kognitiven oder
weltanschaulichen Minderheitengruppe ist darauf angewiesen, sein
Selbstbewusstsein, seine Werte und Ziele innerhalb der Gruppenüberzeugungen zu
begründen und sich immer wieder bestätigen zu lassen. Parallel zu der
fortdauernden, teilweise auch nur halbbewussten Arbeit an der eigenen Position
innerhalb der Plausibilitätsstruktur der Gruppe wird jedes Mitglied der Vielzahl
anderer Gruppen außerhalb seiner eigenen inne. Auf Universalisierung angelegte
Gruppenideale treten in Konkurrenz mit den Idealen anderer Gruppen.
Universalismus der Idee und die Pluralität konkurrierender Gruppen stehen
weltweit einander gegenüber.13 Zanders energische
Betonung des europäischen Historismus des 19. und 20. Jahrhunderts ist nur die
halbe Wahrheit. Sein eigener Skeptizismus, Agnostizismus und Anti-Spiritualismus
ist ebenso partikular und hat daher keinen anderen Realitätsstatus als das Werk
Steiners, das er kritisiert. Der Historismus in der ihm von Zander zuteil
gewordenen Verkürzung kann aber als Stufe in der von Siegmund Freud namhaft
gemachten Kränkungen der menschlichen Eigenliebe betrachtet werden:14
das kopernikanische Weltsystem, die natürliche Schöpfungstheorie, die
Psychoanalyse. Hinzu treten, Freuds Gedanken folgend, der Historismus, die
Wissenssoziologie15 und - in neuester Zeit - die
Hirnforschung.16
Die stufenweisen Reduktionen des Ideals geistigen
Schöpfertums des Menschen lassen sich deuten als Teil eines zeitgeschichtlichen
Prozesses der Konzentration auf das Entscheidende, Nicht-Reduzierbare, auf das
Erleben selbstgefasster spiritueller Ideen.17 Das
Geisterleben in den Ideen ist der Kern des Kontinuitätsfaktors und damit der
Originalität in Steiners Lebensgang und Lebenswerk, den Zander nicht zu finden
vermochte (1686 f.). In dem von Steiner für erreichbar gehaltenen und daher von
seinen Schülern zu praktizierenden Ideenerleben ist der Empirieanteil in der
Rezeption der Schriften Steiners zu sehen. Zander, der dies nicht zuzugestehen
vermag, versucht stattdessen, Steiner eine geheime Abhängigkeit von
spiritistischen Machinationen nachzuweisen, aufgrund einer Sehnsucht nach
«Erfahrung« (78, 86, 120, 340f., 861, 928-936). Das von Zander als Zeitschicksal
bewertete Auftauchen eines weltanschaulichen Pluralismus ist unvermeidlich und
karmisch begründet. In der Schülerschaft Rudolf Steiners ist infolge der Arbeit
an der eigenen Plausibilitätsstruktur das Pluralismusproblem in seinen
Konsequenzen und in seinem weltgeschichtlichen Gewicht bisher noch wenig
wahrgenommen.18 Der Gegensatz zwischen dem
Skeptizismus und Universalismus der Aufklärung einerseits und dem Pluralismus
eigenständiger Kulturen und kultureller Minderheiten andererseits könnte
dialektisch zu einer auf ideelle Empirie gestützten vermittelnden Position
führen.19 Zanders Vorhalt, Steiner habe der
Einsicht in die Relativität der Geschichte durch Proklamation ewiger Wahrheiten
entkommen wollen, verkennt die wahre Natur sowohl des eben benannten
Spannungsverhältnisses wie auch seiner dialektischen Lösung. Unbeabsichtigt
könnte Zanders Kritik allerdings zu einem Erkenntnisschub auf anthroposophischer
Seite führen: Die eigene Gewissheit lässt sich nicht auf dem Wege der
Beschwörung stärken - oder retten -, sondern als Gewissheit unter anderen
Gewissheiten auf dem Pfade einer neuen intellektualen Empirie. Die Annahme einer
exklusiven, überragenden und einmaligen Bedeutung von Steiners Werk a-priori ist
zu erweitern in ein Bewusstsein der Vielfalt des Geisteslebens der ganzen
Menschheit hinein. Innerhalb dieser Weite wird das Werk Rudolf Steiners in all
seiner Originalität seinen Platz finden.
Das relative Absolute
Die Grundzüge der Anthroposophie als eines Erkenntnisweges
und einer Anschauung von Mensch und Kosmos sind von Rudolf Steiner in einer
Reihe von Büchern, in Tausenden von Vorträgen und auf künstlerischem Wege
dargestellt worden.20 Zander findet, die
wichtigsten anthroposophischen Lehren seien mit Anthroposophen nicht
verhandelbar, obwohl ein großer Teil dieser Lehren zweifelhafter Herkunft sei.
Steiner habe unbeirrbar seine eigenen partikularen Interessen verfolgt, unter
heimlicher Vereinnahmung theosophischer und anderer Inhalte aus fremden Quellen.
Dem derart entstandenen synkretistischen Gebilde habe Steiner überlegene
(exklusive) Bedeutung zugeschrieben; seine Schüler seien ihm in dieser
exklusivistischen Haltung gefolgt.21 Dieser Vorhalt
ist ernst zu nehmen, auch dort, wo er unbegründet erscheint. Trifft es zu, dass
Rudolf Steiner selbst für die Inhalte seiner Geistesforschung, insbesondere auf
den Gebieten der Menschenkunde, der Weltentwicklung und der Christologie
absolute Wahrheit beansprucht hat? Zweierlei ist zu unterscheiden: Zunächst
impliziert der Begriff der Geistesforschung die Möglichkeit von Fortschritten in
der Erkenntnis der Wahrheit, darauf wurde im ersten Teil dieses Aufsatzes
bereits aufmerksam gemacht. Irrtums- und Täuschungsmöglichkeiten auf der Bahn
der Forschung hat Steiner eingeräumt, was Zander bekannt ist (612, 848f.). Die
sogenannte Akasha-Chronik22 darf nicht als
Reservoire abrufbereiter, vollständig ausgebildeter höherer Wahrheiten
mißverstanden werden.23 Daraus folgt, dass der
Anthroposophie in keinem Stadium ihrer Entwicklung und für keinen ihrer Inhalte
absolute Wahrheit zugeschrieben werden kann.24
Steiners Werk orientiert sich allerdings an der ewigen Wahrheit des Logos,
strebt nach ihr, begründet sich aus ihr, wenn auch die Fassungskraft
menschlicher Bewusst-seine und der Sprache die Epiphanie des Logos niemals
vollständig durchzutragen vermag. Zweitens erhebt sich die Frage, welche
Position dem Werke Steiners und seiner Schüler im Verhältnis zu anderen,
konkurrierenden Anschauungen zugesprochen werden kann. Wie steht Steiners Werk,
das ja keine Religion ist, aber in breitem Umfange glaubensrelevante Aussagen
enthält, zu den nichtchristlichen monotheistischen Religionen Westasiens und zu
den Religionen Indiens und des Fernen Ostens? Was ist anthroposophischerseits zu
der großartigen Weisheit der nordamerikanischen Ureinwohner zu sagen, von der zu
Rudolf Steiners Lebenszeit noch viel weniger bekannt war als heute? Kann die
geisteswissenschaftliche, gnostische und mystische Weltliteratur angemessen
integriert werden?25 Jede Tradition besitzt ihr
eigenes Absolutes26 und entwickelt ihre eigene
Exklusivität. Den mit jedem Absolutheitsanspruch verbundenen geistigen Hochmut
hat Helmut Zander an Anthroposophen zu spüren bekommen, wenngleich er selbst
einer exklusivisti-schen Überschätzung seiner reduktionistischen Methoden zum
Opfer gefallen ist. Das Dilemma der vielen Exklusivitäten ist zu lösen durch die
Idee des relativen Absoluten, die vor allem von traditionalen Denkern wie
Frithjof Schuon oder Seyyed Hossein Nasr vertreten wird. Für das Christentum ist
perspektivisch entscheidend, dass sich der Christus als der ewige Sohn in einen
menschlichen Leibeszusammenhang inkarnierte und damit in die Welt der Vielheit
und der Relativität einging.27 Die christlichen
Glaubenssätze werden damit nicht schlechthin relativ, sie enthalten wirkliche,
aber eben keine abgeschlossene und exklusive Wahrheit.
Rudolf Steiner selbst hat innerhalb eines seiner bedeutendsten Vortragszyklen
davon gesprochen, dass manches von ihm nur als halbe Wahrheit »angedeutet«
werden konnte.28 Es war ihm selbstverständlich,
dass die kommenden Kulturepochen immer neue und tiefere Einsichten vor allem
über das Mysterium von Golgatha ermöglichen werden. Das Geheimnis des relativen
Absoluten besteht darin, dass in jeder echten Manifestation des Göttlichen
dieses sich wirklich ganz zum Ausdruck bringt (vertikal) und doch im Blick auf
die vielen Manifestationen nur relative Aussagekraft besitzt (horizontal). Dies
vorausgesetzt, erledigen sich die Vorwürfe, Rudolf Steiner habe ewige
unveränderliche Wahrheiten verkündigen wollen, ganz von selbst. Freilich sollten
nicht von Schülerseite gerade diese Vorwürfe bestätigt werden. Das in der
Offenbarung enthaltene Absolute bricht sich im Prisma der Geschichte; es passt
sich den historischen Situationen an. Die Aufgabe des Empfängers ist es dann,
sich diese Relativität in der intellektualen Liebe zu Gott bewusst zu machen,
worin der einzig sichere Schutz vor Fanatismus und Fundamentalismus besteht.
Freiheit und Weltentwicklung
Helmut Zanders Bekundung, er halte objektive Erkenntnisse für
eine philosophische Utopie, wird von ihm historistisch zu begründen versucht. Es
gebe keine Erkenntnis außerhalb anthropologischer und sozialer Bedingungen.29
Das mag für menschliche Erkenntnis innerhalb bestimmter Grenzen gelten, jedoch
gilt auch, dass die anthropologischen und sozialen Bedingungen die Erlangung
objektiver Erkenntnisse nicht hindern - was der Wortsinn von Zanders Aussage
auch einräumt. Mit seiner Erkenntniskompetenz dringt der Mensch, auch in der
Hypothesenbildung, an einen objektiven geistigen Zusammenhang des Kosmos heran.30
Erkenntnisse dieses Zusammenhanges lassen sich keinesfalls auf kontingente
historische Gegebenheiten reduzieren, das zeigt schon die Alltagserfahrung, das
zeigt die essentiale Erkenntnistheorie,31 und es
bestätigen dies die Biografien der führenden Denker der Menschheit. Auch an das
Problem von Freiheit und Weltentwicklung darf mit Erkenntnisoptimismus
herangetreten werden. Das Werk Rudolf Steiners enthält Aussagen nicht nur über
Vergangenheit und Gegenwart der Menschheit, sondern auch über deren Zukunft. Vom
Gesichtspunkt des Historismus, wie Zander ihn versteht, wären die zuletzt
genannten Aussagen divinatorisch und nur für kurze Zeitabschnitte möglich. Auch
nach dem Einsetzen des Historismus als Wissenschaftsparadigma sind
geschichtsphilosophische und prognostische Arbeiten ernsthafter Autoren
weiterhin entstanden, was auf verbreitete Bedenken gegen die auch von Zander
betriebene Engführung des Historismus schließen lässt.32
Steiners Geschichtsentwurf gründet auf einer geisteswissenschaftlichen (angelologischen)
Kosmogonie und enthält damit im Einklang Elemente individueller und universaler
Eschatologie; er besitzt auch heilsgeschichtliche Charakterzüge.33
Im anthroposophischen Sprachgebrauch ist in diesem Zusammenhang verschiedentlich
von einem »Weltenplan« die Rede gewesen; Kritiker sprechen von der »Exekution«
dieses Weltenplanes als Prognose. Diese terminologische Beobachtung weist auf
mögliche schwere Missverständnisse durch allzu sorglose Sprechweisen. Schon die
ersten Stufen der Weltentwicklung werden von Steiner so geschildert, dass in
ihnen fernste zukünftige Möglichkeiten veranlagt sind. Das Zukünftige ruht im
Schoße des Vergangenen nicht in einem trivialen Sinne kontingenter
Selbstorganisation, sondern in den konkreten Vorkehrungen der Gottheit für eine
mögliche Zukunft. Prognostische Aussagen sind daher keine Wahrsagerei, sondern
gründen auf der Anschauung der gegenwärtigen Entwicklungsbedingungen und deren
Wandlungschancen für die Zukunft. Der »Weltenplan« hat ein konkretes Ziel, den
freien Menschen, der sich vom Empfangenden zum Opfernden erhebt. Die
Ermöglichung menschlicher Freiheit ist heilsgeschichtlich ein vom Scheitern
bedrohtes Unternehmen Gottes, weshalb der »Weltenplan« nur ein Entwurf ist und
kein deterministisches Ungetüm. Der Gesamtverlauf des kosmischen Werdens in
Evolution und Involution34 ist strukturiert durch
die Vorstufen und die Folgewirkungen des Mysteriums von Golgatha. Die
Inkarnation des Logos bedeutet das Eintauchen in den Bereich der Kontingenz und
ist zugleich ein normatives Geschehen auf der höchsten Stufe. Die »konstitutive
Bindung des Christentums an die Geschichte« (751) war Steiner deshalb nicht
»suspekt«, sondern er betonte sie bei jeder Gelegenheit. In der 2. Auflage des
Buches »Das Christentum als mystische Tatsache und die Mysterien des Altertums 35
findet sich folgender Fundamentalsatz: »Vereinigung der Seele mit ihren höchsten
Kräften ist zugleich Vereinigung mit dem geschichtlichen Christus.« Diesen Satz
von der doppelten Vereinigung hat Zander nicht diskutiert; seinem Buch ist auch
nicht zu entnehmen, dass er sich der durchgreifenden Realdialektik von Freiheit
und Weltentwicklung bewusst geworden ist. Des Autors Schweigen ist aber nicht
nur mit Bedauern zu registrieren, sondern darf anthroposophisch selbstkritisch
zum Anlass genommen werden, sich mit der spirituellen Tiefe und Großartigkeit
des Welttableaus immer intensiver zu beschäftigen. Die Dynamik des göttlichen
Entwurfes unter dem Einfluss menschlicher Willkür drückt sich schließlich in der
Erwartungsdoppelheit des Zieles aus: Ist das Ziel das letzte Gericht mit der
Scheidung der Geister oder die Allversöhnung (Apokatastasis panton), die
Origenes erhoffte?
Christologie und Trinitätslehre
Als Rudolf Steiner damit begann, seine Christologie zu
entwickeln, war die historisch-kritische Erforschung der biblischen Schriften
bereits einhundertvierzig Jahre in Gang gewesen36
und hatte in dieser Zeit enorme methodische Schwierigkeiten zu überwinden,
besonders in den Arbeiten am Neuen Testament. Albert Schweitzer, in seinem
klassischen Werk »Geschichte der Leben-Jesu-Forschung«, vermerkte 1913: »Die
Erforschung des Lebens Jesu war für die Theologie die Schule der Wahrhaftigkeit.
Ein so schmerzliches und entsagungsvolles Ringen um die Wahrheit, wie es in den
>Leben Jesu< der letzten 100 Jahre liegt, hatte die Welt noch nicht gesehen und
wird sie nie mehr sehen.« Das Ergebnis war deprimierend. Es gelang nicht, ein
konsensfähiges Bild des Lebens Jesu zustande zu bringen. Und dennoch: Die
Leben-Jesu-Forschung mit historisch-kritischen und allgemein philologischen
Methoden ist nach Schweitzers Schlussbetrachtung »eine einzigartige große
Wahrhaftigkeitstat, eines der bedeutendsten Ereignisse im gesamten Geistesleben
der Menschheit«.37
Die Leben-Jesu-Forschung kam dann unter dem Einfluss der sogenannten
formgeschichtlichen Schule zum Erliegen und fand erst nach dem 2. Weltkrieg zu
einem modifizierten Neuanfang. Heute ist die historisch-kritische Forschung als
Teil einer umfassenden biblischen Hermeneutik so gut wie unumstritten, wenn auch
von fundamentaltheologischer Seite die Prüfung der exegetischen Ergebnisse auf
theologische Plausibilität energisch eingefordert wird. Rudolf Steiner hielt
nicht viel vom historischkritischen Umgang mit den Evangelien und kritisierte
scharf das Jesusbild der liberalen protestantischen Theologie der
Jahrhundertwende, die Vorstellung vom »schlichten Mann aus Nazareth«. Schon vor
1900 hatte er sich von der Jenseitsorientierung des kirchlichen Christentums
abgesetzt. Seine eigene Christusanschauung entwickelte sich selbständig auf
geistiger Erfahrungsgrundlage und erst sekundär im Hinblick auf die biblischen
Schriften. Steiners exegetische Versuche führten nicht immer zu akzeptablen
Ergebnissen.38 Zander vermutet, Steiners
Erfahrungen als Goethe-Herausgeber in Weimar seien ursächlich für seine Polemik
gegen Philologie und historisch-kritisches Arbeiten (472). An späterer Stelle
bemüht sich Zander überraschend um eine vermittelnde Haltung zwischen Philologie
und Geistesanschauung. Unter Bezug auf Äußerungen der Religionshistoriker Mircea
Eliade und Gershom Scholem hält er für möglich, dass gerade die vermeintlich
destruktive Wirkung historisch-kritischer Erforschung der Offenbarungsschriften
zur Epiphanie des Heiligen führen könne: »Die historische Kritik wird in dieser
Perspektive zu einer Bedingung religiöser Erfahrung auf dem Boden philologischer
Destruktion.« (752) Diese durchaus zutreffende Beobachtung Zanders sollte in der
Schülerschaft Steiners, soweit sie in einer unangebrachten Gefolgschaftshaltung
dessen Philologieabneigung weiter pflegt, zur Überprüfung bisheriger Positionen
führen.
Hinsichtlich der anthroposophischen Christologie im Verhältnis zur Gotteslehre
ist Zander im Ergebnis ratlos: »Ob Steiner einen regelrechten Pantheismus oder
nur einen Panentheismus oder nur einen Hylozoismus vertrat, ist ein umstrittenes
Thema ...« (766) Dabei hat Zander die wirklichen christologischen Probleme bei
Steiner kaum berührt. Steiner hat sich intensiv mit der komplexen Wesenheit Jesu
beschäftigt. Aber wer ist der Christus? Der »hohe Sonnengeist« ist nicht der
Sohn Gottes, der Messias im Sinne der Petrusperikope Mt 16,16. Der »Sohn Gottes«
nach der altorientalischen Tradition ist nicht der Logos, die zweite Person der
Trinität. Unverkennbar befindet sich Steiner mit einigen, auch wiederholten
Aussagen in der Nähe des Arius und der urchristlichen Engel-Chris-tologie. Die
Schwierigkeiten verstärken sich durch Aussagen, in welchen die drei Personen der
Trinität den drei Engel-Hierarchien zugeordnet werden.39
Trotz verschiedener sekundärer Klärungsversuche enthält die Trinitätsauffassung
Steiners noch immer Unklarheiten. Zanders Christologie-Kapitel im ersten Band
seines Werkes könnte zum Anlass genommen werden, sich den systematischen Fragen
einer anthroposophischen Gotteslehre neu zuzuwenden. Die gegen Zanders Schrift
erhobenen Einwände sind überwiegend methodischer Art. Sie gruppieren sich um ein
entscheidendes Dissens-Zentrum: Zander - und mit ihm auch andere Kritiker der
letzten 100 Jahre - halten für ausgeschlossen, zumindest für höchst
unwahrscheinlich, dass Rudolf Steiner Zugang zu einer Erkenntnisquelle außerhalb
von (sinnlicher) Wahrnehmung und Denken hatte, der übersinnlichen, mit einem
höheren Gewissheitspotential ausgestatteten Schau. 40
Daraus ergeben sich mit einer gewissen Folgerichtigkeit der Plagiatsvorwurf, die
Ablehnung objektiver Erkenntnisse überhaupt, das Historismusargument und die
Behauptung schwerwiegender Richtungsänderungen in Rudolf Steiners Werdegang. Die
übersinnliche Begegnung Steiners mit dem Mysterium von Golgatha als Erfindung zu
bezeichnen hat Zander nicht gewagt, er meint wohl, es handle sich um eine Vision
(499).
Die Möglichkeit unmittelbarer Geisterfahrung mag zwar am Einzelbeispiel Rudolf
Steiners in Frage gestellt werden, sie aber in generalisierender Form, selbst
nur in ihren Anfängen zu leugnen, entzieht dem Geistesleben der Menschheit die
Substanz. Selbst der atheistische Teil der Menschheit lebt aus den Epiphanien
des Göttlichen, je nach den bewusstseins-geschichtlichen Gegebenheiten.
Akzeptanz und praktische Verwirklichung von Steiners anthroposophischem Werk
sind nicht von der Erlangung eigener hellsichtiger Anschauungen der Schüler und
Folger abhängig. Wohl aber sind Prüfung und Erforschung des Werkes in allen
seinen Teilen durch das selbstverantwortliche reine Denken, in der Identität von
Ich und Idee, zu leisten. Auf diesem Gebiet bestehen noch bedeutende Desiderata,
die oben erwähnt wurden, und die in den Zuständigkeitsbereich der allgemeinen
anthroposophischen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am
Goetheanum fallen. Die Einrichtung der Freien Hochschule steht in einer bis auf
die Mysterien des Altertums zurückreichenden Tradition. In ihrer heutigen
Gestalt ist die Hochschule der Geistesforschung gewidmet. Ich kann daher
abschließend nur der Empfehlung von Rahel Uhlenhoff41_
zustimmen, Helmut Zanders Arbeit als Forschungsprojekt der allgemeinen Sektion
aufzugreifen. Es wäre wohl die kläglichste Reaktion auf Zanders Werk, beleidigt
zu sein und beleidigt zu polemisieren, statt die eigenen Versäumnisse
aufzuarbeiten. Dies angeregt zu haben ist Helmut Zanders Verdienst.
* Helmut Zander:
Anthroposophie in Deutschland. Theosophische Weltanschauung und
gesellschaftliche Praxis 1888-1945. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, 2.
Bde., 1884 Seiten, 246 EUR.
1 Die Drei, Nr. 10/2007.
2 Darunter: Herbert Witzenmann: Intuition und Beobachtung (2 Bände),
Stuttgart 1978; Erhard Fu-cke: Das anthroposophische Studium, Stuttgart
1981; Georg Kühlewind: Vom Umgang mit der Anthroposophie, Stuttgart 1991;
Günter Röschert: Anthroposophie als Aufklärung, München 1997, Teil 2;
Heinz Zimmermann, Robin Schmidt: Anthroposophie studieren, Dornach
1998; Lorenzo Ravagli: Meditationsphilosophie, München 2000, 2. Auflage.
3 Mit dieser Bewertung wird ein anderer Teil des
anthroposophischen Schrifttums gar nicht getroffen. Es entstanden im Laufe von
80 Jahren zahlreiche bedeutende, eigenständige Arbeiten; eine Aufzählung ist
nicht einmal beispielhaft möglich.
4 Vortrag Düsseldorf 4.4.1906 (GA 97). Eine Auswahl weiterer
Äußerungen gegen den Autoritätswahn: Vorträge Berlin 29.3.1907 (GA 96), Oslo
17.6.1910 (GA 121), Frankfurt a.M. 8.1.1911 (GA 127), Hamburg 17.6.1912 (GA
130); Berlin 31.10.1912 (GA 62); Berlin 21.11.1912 (GA 62); München 20.5.1917
(GA 174a), München 2.5.1918 (GA 174a), Dornach 31.8.1918 (GA 183), Dornach
7.12.1919 (GA 194), Stuttgart 23.3.1921 (GA 324); in dem zuletzt genannten
Vortrag stellt Steiner Gegner und autoritätshörige Schüler auf eine Stufe.
5 Auf die Bedeutung des intuitiven Denkens für die
Steiner-Rezeption wurde bereits im ersten Teil des Aufsatzes hingewiesen. Zander
vermag dazu im Ergebnis nur mit dem Vorwurf »vorempirischer Ontologisierung des
Denkens« zu antworten (476). Intuitives Denken im Sinne Steiners ist bereits
Empirie und keine Generalausrede für nicht vorhandenes Hellsehen. Über Intuition
vgl. von nicht-anthroposophischer Seite z.B. Winfried Weier: Das Phänomen
Geist,
Darmstadt 1995; Belá Weissmahr: Die Wirklichkeit des Geistes, Stuttgart
2006.
6 Über die notwendige Prüfung gibt es zahlreiche Hinweise
Steiners, besonders eindrucksvoll der Vortrag Stuttgart 13.11.1909 (GA 117) über
»Das rechte Verhältnis zur Anthroposophie«.
7 Abweichend Sergej Prokofieff in: Von der Beziehung zu
Rudolf Steiner,
8 Rudolf Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren
Welten?
9 Plausibilitätsstruktur ist die Summe der in einer Gruppe
oder Gemeinschaft getroffenen formalen oder informalen Vorkehrungen, um die
Gruppenüberzeugungen und Wirklichkeitsvorstellungen gegenüber einer
andersgläubigen Umgebung plausibel zu halten, vor allem durch einen möglichst
wenig unterbrochenen Strom zwischenmenschlicher Bestätigungen (Legitimierungen).
Näheres bei Peter L. Berger: Auf den Spuren der Engel,
10 Gesammelte Aufsätze zur Dramaturgie (GA 29), Methodische
Grundlagen der Anthroposophie (GA 30), Gesammelte Aufsätze zur Kultur-
und Zeitgeschichte
11 Rudolf Steiner: Briefe I. und II.
12 Als vor einigen Jahren das Friedrich von Hardenberg
Institut in Heidelberg zu einem Kolloquium über Kontinuität und Wandel in Rudolf
Steiners Biografie einlud, gab es nicht genügend Interessenten.
13 Hierzu Günter Röschert: Universalismus der Menschheit
und Partikularismus der Kulturen in: Das Goetheanum,
14 Siegmund Freud: Vorlesungen zur Einführung in die
Psychoanalyse, Vorlesung XVIII.
15 Die radikale Reduzierung aller Bewusstseinsinhalte auf
geschichtliche Bedingungen oder auf das Wissen des Alltags. Näheres bei Peter L.
Berger, Thomas Luckmann: Die soziale Konstruktion der Wirklichkeit, Frankfurt
a.M. 1970.
16 Illusionierung des Bewusstseins durch Nachweis
korrespondierender Gehirnvorgänge.
17 Aus den letzten Lebenswochen Rudolf Steiners stammt der
Satz: Zur Realität der Ideenwelt wird man gelangen, »wenn Anthroposophie den Weg
finden wird von den Ideen zu dem Geist-Erleben in den Ideen« (Hervorhebung R.
Steiner). Anthroposophische Leitsätze (GA 26), 1962 S. 247.
18 Noch vor wenigen Jahren wurden z.B. affirmative
Äußerungen über den Islam mit wütenden Protesten beantwortet.
19 Vgl. Anm. 8.
20 Dazu: »Die ganz öffentlichen Schriften sind das Ergebnis
dessen, was in mir rang und arbeitete; in den Privatdrucken (der
Mitgliedervorträge G.R.) ringt und arbeitet die Gesellschaft mit.« Rudolf
Steiner in: Mein Lebensgang (GA 28), Kap. XXXV.
21 Zusammenfassung des Zanderschen Argumentationsganges.
22 Der Begriff der Akasha-Chronik ist komplex, was Kritikern
wiederholt zu schaffen machte. Eine Vorstellung vom Komplexitätsgrad des
Begriffes ergibt sich z.B. aus Valentin Tomberg: Die großen Arkana des Tarot,
Freiburg i.B. 31993, Band 2, XX. Brief, wonach die Chronik der Tatsachen,
der Wahrheit und der Auferstehung zu unterscheiden ist. Steiner vertritt auf dem
Umweg über die Akasha-Chronik keineswegs eine obskure Form des Platonismus.
23 Vgl. Günter Röschert: Die Lage der Anthroposophie in der
heutigen Gesellschaft, in: Die Drei, Nr. 6/2002. Die von Schüler- bzw.
Leserseite rezipierten Steineraussagen besitzen im Bewusstsein der Empfänger zu
einem sehr großen Teil nur den Erkenntnisstatus von Vermutungen (Konjekturen).
24 R. Steiner 1899: »Davon haben heute wenige Menschen eine
Ahnung: Dass etwas wahr sein kann, auch wenn das Gegenteil davon mit nicht
geringerem Rechte behauptet werden kann. Unbedingte Wahrheiten gibt es nicht.«
in: Methodische Grundlagen der Anthroposophie (GA 30, S. 394).
25 Hierzu liegen bereits beachtliche Beiträge vor, zuletzt
von Winfried Altmann: Song of Waitaha, Dornach 2006, über die Tradition der
Maori in Neuseeland.
26 Für das Christentum ausführlich dargestellt in Reinhold
Bernhardt: Der Absolutheitsanspruch des Christentums, Von der Aufklärung bis zur
pluralistischen Religionstheologie, Gütersloh 1990, mit Literaturangaben.
27 »Die unbedingte Wahrheit findet sich nur jenseits ihrer
gesamten möglichen Ausdrucksweisen.« »Die absolute Wahrheit ist nur in der
Tiefe, nicht auf der Oberfläche des Seins.« Frithjof Schuon: Von der inneren
Einheit der Religionen, Interlaken 1981, S. 22, 27. »Es besteht die Wahl
zwischen einem Absolutismus, der alle Manifestationen des Absoluten außer der
eigenen verwirft und einem Relativismus, der die Bedeutung des Absoluten
überhaupt zerstört.« Seyyed Hossein Nasr: Die Erkenntnis und das Heilige,
München 1990, S. 384.
28 Erster Teil des Aufsatzes Anm. 12 (zu GA 131).
29 Interview in: Das Goetheanum, Nr. 27/2007.
30 Zur Frage der Objektivität vgl. Marek M. Ma-jorek:
Objektivität. Ein Erkenntnisideal auf dem Prüf stand, Tübingen und Bern 2002.
31 Vgl. Helmut Kiene: Grundlinien einer essentia-len
Wissenschaftstheorie, Stuttgart 1984.
32 Beispiele: Karl Jaspers: Vom Ursprung und Ziel der
Geschichte (1949). Jaspers Begriff der »Achsenzeit« ist historistisch
unbegründbar. Vgl. Leonhard Reinisch: Vom Sinn der Geschichte als Wissenschaft,
München 1961; Theodor Schieder: Geschichte als Wissenschaft, München 1968;
darin: »Der Historismus in seiner alten Form ist untergegangen.« (S. 152)
Schieder, der selbst eine Sturkturtheorie der Geschichte entwarf, bezeichnet es
als »Ursünde des Historismus, dass er jeden Bezug zum Normativen (d.h. hier zur
Idee G.R.) verloren habe.
33 Zander, der am überholten theosophischen Rassenbegriff
als Mittel der Steinerkritik festhält, sieht in der anthroposophischen
Kulturentwicklungslehre einen Sozialdarwinismus ohne Selektionstheorie am Werke
(1688 f.).
34 Geisteswissenschaftliche Menschenkunde (GA 117), Vortrag
Berlin 17.6.1909.
35 GA 8 (1910), Kap. Vom Wesen des Christentums.
36 Seit Hermann Salomon Reimarus (1684-1768).
37 UTB 130, S. 49, 621. Schweitzers Beurteilung ist gerade
heute von aktuellstem Interesse, insoferne z.B. der Islam eine vergleichbare
Wahrhaftigkeitstat am Koran noch nicht zustande gebracht hat.
38 Näheres bei Hellmut Haug: Geistesschau oder
Verstandeswissen, in: Die Drei, Nr. 6/2002.
39 Die theologische Trinitätslehre ist in den letzten Jahren
verschiedentlich problematisiert worden: Karl-Heinz Ohlig: Ein Gott in drei
Personen?, Mainz 1999; H.M. Kuitert: Kein zweiter Gott. Jesus und das Ende des
kirchlichen Dogmas, Düsselsdorf 2004.
40 Rudolf Steiner: Die Stufen der höheren Erkenntnis (GA
12).
41 Info 3, Nr. 10/2007, S. 28 ff.
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