Die Drei 8-9/ 2007

 

 

 

 

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Vom Entgleiten der Wirklichkeit oder: Die Wirklichkeit des Bösen

Aphoristische Bemerkungen

Stephan Stockmar
 

Die Wirklichkeit des Bösen scheint - zunächst - wirksamer zu sein als die des »Wahren, Schönen und Guten«. Der ersteren bin ich - zunächst - ausgeliefert, während mich letztere freilässt. Sie will nichts von mir, sondern ist einfach. Doch was will das Böse von mir, und wie will es etwas? Ist es vielleicht gar nichts aus sich heraus, sondern will gerade durch mich etwas sein? Das hieße, es täuscht mir etwas als Wirklichkeit vor, was keine ist. Dann bin ich es, der ihm Sein und Wirklichkeit und damit Wirksamkeit verleiht.

Ende Oktober bin ich in Weimar. Und auch in Buchenwald. Beides gehört zusammen. Doch gegenüber der fortwirkenden Wirklichkeit von Buchenwald wird Goethes Weimar, wie es heute dort lebt, zunächst zur Kulisse - zur bloßen Attrappe von etwas, das nahezu tödlich verletzt wurde. »Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!«: Von welchem äußeren oder inneren Ort kann ich das heute noch sagen? Goethes Welt kann sehr gegenwärtig werden und hat dann auch eine Zukunft. Doch ich muss sie mir aktiv erschließen.

Buchenwald macht mich sprachlos. Ein großes leeres Gelände unterhalb der sich rund 300 Meter über Weimar erhebenden Kuppe des Ettersberges, auf der stadtabgewandten Seite. Feiner grauer Schotter, in dem die Umrisse und Fundamente der Lagerbaracken zu erkennen sind. Nur an der Peripherie sind noch kleine oder größere Gebäudekomplexe erhalten, die es allerdings in sich haben: Das Torgebäude (»Jedem das Seine« steht nach wie vor auf dem Gitter) mit dem Gefängnis, das Krematorium, die Desinfektion, die mehrstöckige Effektenkammer, eine wieder aufgebaute Baracke, die Häftlingskantine sowie zwei Wachtürme. Unmittelbar vor dem ehemaligen Zaun Reste des Bärengeheges, das zum Vergnügungspark für die SS-Soldaten und ihre Angehörigen gehörte. Hier haben Mütter ihre Kinder spazieren gefahren: auf der einen Seite Bären und anderes possierliches Getier, auf der anderen Seite, hinter dem mit 380 Volt geladenen Zaun, diverses abschäumiges Gemensch ... Ringsherum schöner, jetzt gerade herbstlich-goldener Buchenwald. Und über allem - damals - der Rauch und Gestank des Krematoriums, der selbst die Vögel verstummen ließ. Heute fliegen unter dem herbstgrauen Himmel kleine Trupps von Staren etwas verloren über die Leere - ein Hoffnungsschimmer? Die Wirklichkeit dieser Anwesenden Leere< - sachlich, nüchtern und hart - zwingt mich in eine Imagination, die nicht nur das Grauen dieses einen Lagers umfasst, sondern die ganz Europa erfassende menschenverachtende Gewalt, den tödlichen Überlebenskampf, die tödliche Angst und Gleichgültigkeit einer ganzen Epoche (ein im Hinblick auf die Folgen wohl gerechtfertigter Begriff). Für diese bestenfalls angstvolle Gleichgültigkeit stehen hier die Weimarer, die die stinkenden Schwaden, die Tag und Nacht dem Krematorium entwichen sind, die die täglich durch ihre Stadt zum Arbeitseinsatz marschierenden Häftlingskolonnen und die massenhafte Anwesenheit der Totenkopfba-taillone mit Stillschweigen übergangen haben - und nachher nichts gewusst haben wollten.

Ich hätte vermutlich auch geschwiegen, wenn ich mich nicht mehr bequem und folgenlos vom Schreibtisch aus hätte äußern oder auf eine mehr oder weniger behütete Demonstration hätte gehen können. Ich wäre vielleicht auch Parteimitglied geworden - in der Hoffnung, dadurch mich und meine Angehörigen, aber auch meinen inneren Freiraum zu schützen - Mitläufer wider Willen. Hätte ich die durch mein Verhalten entstehende Wirklichkeit erkannt?

»Doch das wirklich Böse ist das, was bei uns sprachloses Entsetzen verursacht, wenn wir nichts anderes mehr sagen können als: Das hätte nie geschehen dürfen1

»Dies hätte nicht geschehen dürfen. Und damit meine ich nicht die Zahl der Opfer. Ich meine die Fabrikation der Leichen ...«1a

Hannah Arendt meint nicht Goethes »Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft«. Nicht den produktiven Widerstand, an dem ich mich abarbeite und der mich zum Selbstbewusstsein führt; nicht das Wesen, dem ich meine Freiheit und Schöpfungskraft verdanke, das es zu erkennen gilt, um es zu besiegen. Auch nicht den umzuwandelnden Doppelgänger, der mir im Ringen um Selbsterkenntnis begegnet.

- Dem »wirklich Bösen« kann ich mich nicht >einfach< durch Schulung und Entwicklung entwinden, es überwindend. - Hannah Arendt schaut nicht auf die tragischen Folgen einer egoistischen Hybris von einzelnen Mächtigen oder auf irgendwelche Kollateralschäden. Es geht nicht um etwas, das nie wieder vorkommen darf.

Sie sagt: »Dieses hätte nicht geschehen dürfen.« Es geht um ein Vergangenes mit unauslöschlichen, nicht wieder gut zu machenden Folgen. Es geht um eine absolute Täterschaft, für die ein Verstehen im Sinne des Nachvollziehens eines individuellen Handelns unmöglich erscheint. Zu dieser Täterschaft, die gar nichts mit »bösem Willen« im üblichen Sinne zu tun hat, die kaum noch moralisch zu bewerten ist, gehört nahezu gleichrangig ihre Duldung - und sei es durch Schweigen. Dieses massenhafte Schweigen ist mit Angst kaum noch zu erklären. Ich behaupte, dass wir mit einem solchen Geschehen nach wie vor konfrontiert sind, und zwar jeder von uns, egal ob man es will oder nicht. Ein Sich-Entziehen in die Unschuldigkeit ist nicht (mehr) möglich. Und so wird uns zu diesem Sündenfall auch kein künftiger Schiller mehr gratulieren. Die »Fabrikation der Leichen« hat nicht aufgehört. Damit meine ich nicht nur Vietnam, Ruanda, Tschetschenien, Irak und Dafur oder moderne Euthanasiepraktiken rund um den Hirntod. Ich meine, dass z.B. um das Menschenbild des Neodarwinismus sowie mancher Genetiker und Hirnforscher zwar noch - und heute vielleicht sogar wieder vehementer - gestritten wird, es aber längst in weiten Teilen Lebenspraxis geworden ist. Lebenspraxis auf eine Art und Weise, dass ich mich ihr als Individuum kaum mehr entziehen kann: in der globalisierten Wirtschaft, im Umgang mit Medientechnologien, in Gesundheits- und Bildungssystemen, im alltäglichen Leben. Dem Ich wird durch dieses Menschenbild systematisch seine Grundlage entzogen, und zwar nicht nur durch bestimmte Inhalte oder einzelnes Tun und Lassen, sondern dadurch, dass zunehmend eine Unwirklichkeit

- der Mensch ohne Ich - zur wirksamen Wirklichkeit wird.2 Deren Glied bin ich allein schon dadurch, dass ich am Leben teilhabe; dass ich täglich telefoniere und am Computer sitze, dass ich meine Bio-Banane esse oder mich Zeitung lesend über die »überalternde Gesellschaft«, in der ich lebe, und über mehr oder weniger zutreffende Klima-Szenarien informiere; dass ich Gesamtausgaben studiere, auf Schnäppchenjagd gehe oder für Kunstausstellungen anstehe. - Das soll keine Kulturkritik sein und auch kein Aufruf zum Ausstieg. Es geht um die innere Aufmerksamkeit für das Wirkliche auf dem Schulungsweg wie im Alltag. Diese Aufmerksamkeit bedeutet zuallererst Interesse und Hingabe für das Andere, das Gegenüber. Meine Erfahrung zeigt mir: Ohne Interesse und Hingabe werde ich nicht nur gleichgültig gegenüber dem, was ist (und verschweige es schließlich), sondern verdamme ich auch das, was ist, zur Unwirklichkeit, die dadurch nur immer wirksamer wird. Ich drohe die Welt mit mir selbst auszulöschen, so guten Willens ich auch zu sein meine. - Aufmerksam bin nur ich, niemand sonst. Und ich werde durch Aufmerksamkeit zum Ich.

Insofern stellt sich Jacques Lusseyrans aus der KZ-Erfahrung entstandene Frage nach dem Ich als einer Überlebensfrage3 heute noch einmal neu und vielleicht auch etwas anders: Es geht nicht um die Frage des individuellen Überlebens in Zeiten, in denen ich von außen sämtlicher Würde beraubt werde. Es geht um die Wirksamkeit des Ich in der Welt und für die Welt. Dem von Hannah Arendt charakterisierten Bösen kann ich letztlich nur noch mit Liebe, die dem Ich entströmt, wirksam begegnen. So utopisch das vielleicht auch klingt: Nur die Liebe, der ein Verzicht auf das eigene Überlebenwollen vorausgeht, schafft eine neue - menschliche - Wirklichkeit, die der wirklich werdenden Unwirklichkeit entgegentritt. »Liebt das Böse gut«, heißt es bei Christian Morgenstern. Vielleicht ist dies eine Menschheitsaufgabe, wie sie ursprünglich erst für die 6. Kulturepoche vorgesehen war, nachdem die 5. das Erkennen des Bösen geleistet hat. Doch vielleicht ist hier durch Auschwitz und Buchenwald auch ein neuer Anachronismus, eine notwendige Verfrühung eingetreten ...

Was sich verändert hat, ist vielleicht Folgendes: Stand in den 1930er/40er Jahren (oder im Stalinismus auch noch später) eine offensichtliche und meist als solche erkennbare Ideologie im Vordergrund, so bewegen wir uns heute vielfach in einem anonymen System sogenannter Sachzwänge, von denen Einzelne bzw. Gruppen prima profitieren. Einen sichtbaren Diktator braucht es da kaum noch. Diese Einschnürung durch ein nicht personalisierbares System wird vielleicht erst jetzt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, mit voller Wucht deutlich - als Folge des massenhaften Schweigens? Das System ist derweil so mächtig geworden, dass es sich jeder Reform und vielleicht sogar jeder Revolution entzieht; auch diese sind von ihm bereits vereinnahmt. Die Veränderung als echte Entwicklung bedarf mehr denn je der Metamorphose vieler Einzelner, die sich vollständig neu, unabhängig von allen gewordenen Gruppierungen und Institutionen, zusammentun, ohne sich erneut aufzugeben.

Es ist schon sehr merkwürdig, sich solche Gedanken zu machen. Ich bewege mich mit ihnen zwischen Hochmut und Ohnmacht, zwischen Beschwörung und Flucht, indem ich mich selbst aus dem Zusammenhang doch immer wieder herausnehme, ohne es zu bemerken. Es ist unendlich schwer, das Erkennen der angedeuteten Zusammenhänge in ein schöpferisches Aufmichnehmen zu verwandeln. Schon diese Formulierung hat es wieder in sich. Ich muss zuallererst mich selbst auf mich nehmen. Also, ich muss in doppelter Weise zu einem Täter werden, indem ich mich als Glied einer Täterschaft erkenne und zugleich dieser mit Zuwendung begegne. Dann erst entsteht so etwas wie Gerechtigkeit. Diese Art von Gerechtigkeit geht über die Aufarbeitung von individuellem Karma weit hinaus. Nachdem etwas geschehen ist, was nie hätte geschehen dürfen, ist ein neuer Entwicklungseinschlag notwendig, der nur vom Gegenwartsmenschen aus zu leisten ist, der sein Menschsein zur Erscheinung bringt.

»Wenn ich schreibe, selbst jetzt, kreist die Welt mich nicht ein, wird nicht immer enger: Sie weist auch auf Öffnung und Zukunft hin. Ich schreibe, ich ersinne. Der Akt des Ersinnens an sich belebt mich. Ich bin nicht starr und gelähmt ob des Verfolgers. Ich erfinde Figuren. Manchmal meine ich, Menschen aus dem Eis auszugraben, in das die Wirklichkeit sie eingefroren hat, aber vielleicht grabe ich mich nun vor allem selbst aus4

»Wenn Bilder die Netzhaut scheinbar körperlich bombardieren, dann sind Bilder nicht mehr losgelöste Dinge; vielmehr haben besonders markante Bilder dieselbe Kraft wie Schwerthiebe oder Faustschläge5

Zurück nach Buchenwald: Was bewirken die klaren, nüchternen Fakten, die der Führungsleiter in Buchenwald zwei Stunden

lang an den einzelnen Orten erzählt, z.B. vor dem Einzelhaft-Gefängnis oder dem Krematorium? Ich schaue mir die Sachen an, die Haken an der Wand, den Seziertisch in der »Pathologie«, die Leichenrutsche, die rekonstruierte Genickschussanlage und die Öfen: das erhaltene Instrumentarium zur »Fabrikation der Leichen«. Brav interessiert, nicht zu intensiv, etwas angegruselt schon - und doch stillschweigend und scheinbar gleichgültig. Am Abend dann Mozarts c-Moll-Messe in Herders Stadtkirche, am nächsten Tag anregende Gespräche über Goethe, Anna Amalia und Frau von Stein bei Sonne und Wind im herbstlichen Ilm-Park. Dann, am Montag - eigentlich wollte ich noch durch Weimar bummeln: völlig ausgelaugt und kraftlos, fast körperlich krank, fahre ich gleich morgens zurück nach Frankfurt und lege mich den Rest des Tags ins Bett. So etwas habe ich noch nicht an mir erlebt.

Wie wäre es mir erst gegangen, wenn ich nicht Jorge Semprun im Hintergrund gehabt und auf der Hinfahrt noch einige Seiten in »Schreiben oder Leben« gelesen hätte? »Sie stehen vor mir, mit aufgerissenen Augen, und ich sehe mich plötzlich in diesem schreckensstarren Blick: ihrem Entsetzen.« So der erste Satz. Der am 11. April 1945 mitbefreite Semprun begegnet vor dem Lager drei alliierten Offizieren und realisiert erst an ihrem Blick, was mit ihm selbst, der zwei Jahre in Buchenwald ohne Spiegel gelebt hat, wirklich los ist. Sein Äußeres ist für die damaligen Verhältnisse ganz >normal<, und die Soldaten hatten sicherlich schon Schlimmeres gesehen. »Es bleibt also nur mein Blick, schließe ich daraus, der sie derart beunruhigen kann. Es ist das Grauen meines Blicks, das der ihre offenbart, von Grauen erfüllt. Wenn ihre Blicke ein Spiegel sind, dann muss ich einen irren, verwüsteten Blick haben6

Jorge Semprun verdichtet sein Erleben zum Bild - aus der Kraft des durch den Tod gegangenen Ichs. »Vielleicht hatte ich den Tod nicht einfach überlebt, sondern war von ihm auferstanden: vielleicht war ich fortan unsterblich ...« »Aber die Gewissheit, den Tod durchquert zu haben, schwand zuweilen, zeigte ihre unheilvolle Kehrseite. Dann wird diese Durchquerung zur einzig denkbaren Wirklichkeit, zur einzig wirklichen Erfahrung.« - Es geht also nicht darum, dass er als >Sieger< aus dem Grauen hervorgegangen ist, sondern sich seinem Erleben im Zentrum, im Ich selbst stellt - und sich dadurch seine Würde ebenso wie seine Scham bewahrt. Das hat Strahlkraft. Ich erlebe nicht mehr  nur die Anonymität der Schreckenszahlen und anekdotenhafte Einzelheiten, sondern ein gestaltendes Ich - auch dann noch, wenn es nur von seinem Scheitern erzählt. Das lässt mich verstehen, auch die vorgetragenen harten Fakten. Lässt mich zumindest etwas verstehen. Und es lässt mich Scham empfinden. Doch das Gesagte mit dem Gesehenen zu verbinden, die erzählte >Anekdote< mit dem Haken an der Wand: Das ist schwerer. Da tut sich ein Abgrund auf, den ich erst im Nachhinein bemerke - als Leere in mir selbst.

Das Böse wird im aus dem Zentrum des Ich heraus gestalteten Bild gebannt. Nicht klein gemacht, verniedlicht wie durch irgendwelche Siegesberichte. Das Bild selbst enthält die Begegnung von Wesen zu Wesen, d.h. den Kampf. Und da es ein >wirkliches< Bild ist, kann ich es anschauen - oder auch nicht, bin ihm nicht ausgeliefert. Kann es aber auch in mir selbst nacherstehen lassen; kann selbst zugleich Teil und Gestalter des Bildes werden. Doch muss man solche Bilder auch anschauen lernen, muss den Umgang mit ihnen lernen und pflegen, um sie als solche überhaupt wahrnehmen zu können. (Und gerade dieses wird durch die Medien mit den Faustschlagbildern, von denen Horst Bredekamp spricht, unterlaufen. Sie treffen die Seele ungeschützt, höhlen sie aus und besetzen sie zugleich.) Erst dann beginnen sie zu leuchten, durch das Dunkel hindurch. Das habe ich mit Jorge Sempruns Bildern nun erlebt. Gut, dass er Adornos Diktum nicht gefolgt ist.

Eine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Bösen trägt heute nicht mehr weit. Ihr Resultat, die Forderung des »Nie wieder«, hat wenig Nachhaltiges bewirkt, obwohl sie für viele ein echtes Ideal war und sicherlich auch noch ist. Wirksam im Hinblick auf eine Zukunft ist letztlich nur, was das Ich stärkt

- »die Gewissheit, den Tod durchquert zu haben«, von der Jorge Semprun schreibt. Oder das Annehmen des »Schmerzleibes«, von dem ein Freund spricht. Daraus entsteht die Kraft des Mitleids. - Wenn wir doch nicht immer so mit uns selbst beschäftigt wären und so ungewollt zu schweigenden Mitläufern werden!

Es beginnt zu regnen in Buchenwald. Ein leichter Landregen aus zunehmend einheitlich grauem und näher rückendem Himmel lässt alles etwas weicher und milder erscheinen, auch die Luft.

Autorennotiz:

Stephan Stockmar, geb. 1956. Besuch der Freien Waldorfschule in Hamburg-Wandsbek. Studium der Biologie und Geografie in Hannover, Promotion über ein pflanzenökologisches Thema. Referent für Umweltfragen. 1990-2000 Kulturarbeit im Rudolf Steiner Haus Frankfurt a. M. Seitdem verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift die Drei. Veröffentlichung diverser Aufsätze, u.a. über Goethe, die Entwicklungsfrage und das Spannungsfeld von Anthroposophie und Naturwissenschaft sowie zur Kunst. - Adresse: Redaktion die Drei, Alt-Niederursel 45, 60439 Frankfurt, E-mail: stockmar[at]diedrei.org.

1 Hannah Arendt: Über das Böse. Eine Vorlesung zu Fragen der Ethik. Aus dem Nach-lass herausgegeben von Je-rome Kohn, München 2006, S. 45. Text

1a Hannah Arendt im Interview mit Günter Gaus 1964, in: Hannah Arendt: Ich will verstehen: Selbstauskünfte zu Leben und Werk, München 2005; zitiert a.a.O., Anmerkung 21, S. 168. Text

2 Hans Markowitsch, Hirnforscher aus Bielefeld, sagt in einem Streitgespräch mit Jan Philipp Reemtsma: »Wir identifizieren derzeit Mechanismen im Hirn, die ein Verhalten hervorbringen können, das wir moralisch als böse, juristisch als strafbar bewerten. Neurowissenschaftlich betrachtet sind das Defekte, für die ein Delinquent nichts kann, weil sie angeboren sind oder meist in früher Kindheit erworben wurden. (...) Aber wenn jemand eine Straftat begeht, weil er gar nicht anders kann, dann muss die Gesellschaft Konsequenzen für ihr Strafrecht ziehen« (Der Spiegel Nr. 31/30.7.07). Der Philosoph Hans Blumenberg charakterisiert eine solche Haltung folgendermaßen: »In der Vollstreckung der Idee von Wissenschaft vollstreckt der Mensch an sich selbst (...) das Gesetz der Entropie. Er verliert sich als unwahrscheinliches Ereignis im physischen Universum« (Hans Blumenberg: Beschreibung des Menschen. Aus dem Nachlass herausgegeben von Manfred Sommer, Frankfurt/ M. 2006; zitiert nach: Uwe Justus Wenzel: Die Vernunft ist nur einen Steinwurf entfernt. Hans Blumenbergs nachgelassene »Beschreibung des Menschen«, NZZ 17./18. 3.2007). Text

3 Jaques Lusseyran: Gegen die Verschmutzung des Ich, in: Jaques Lusseyran: Ein neues Sehen der Welt, Stuttgart 2002, S. 86ff. Text

4 David Grossman: Die Welt wird immer enger. Rede vom 29.4.2007 in New York beim PEN Festival »World Voices« zum Thema Meinungsfreiheit, in: Die Zeit 19/2007 vom 3.5.2007. Text

5 Der Kunsthistoriker Horst Bredekamp im SZ-Inter-view zur Folterdebatte vom 27.5.2004.Text

6 Jorge Semprun: Schreiben oder Leben, Frankfurt am Main, 1997, s. 11 ff. Text