Die Drei 7/ 2008

 

Editorial

 

 

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Renatus Ziegler hat den Versuch unternommen, den Entwicklungsgedanken in seiner Komplexität ganz aus dem eigenen Denken und seiner Beobachtung zu begründen und von dem so gewonnenen, radikal anthropomorphen Standpunkt aus auf die organische Evolution des Menschen zu schauen; die letzte Folge erscheint in diesem Heft. – Nun kommt mit Susanna Kümmell wieder die Naturwissenschaft zu Wort, die zunächst ganz an die Erscheinungswelt hingegeben ist. Kümmells Untersuchungen an Fossilien aus aller Welt zeigen nicht nur die hohe Komplexität des Evolutionsprozesses, sondern auch, dass sich bei der auf das Ganze gerichteten gedanklichen Durchdringung der Details eine sinnhafte Ordnung ergibt. Diese erscheint nicht als eine Art geheime Vorgabe, sondern ringt sich in der Auseinandersetzung mit der Materie (im Sinne von Material) stufenweise hervor, bis sie schließlich in der dreigliedrigen Organisation der menschlichen Gestalt zur Harmonie gelangt.

Beide Beiträge sind für den Leser eine durchaus sportliche Herausforderung. Nach überstandener Europameisterschaft im Fußball und im Blick auf die bevorstehende Olympiade im fernen Peking mag dies einen gesunden Ausgleich bilden. Die Verbindung zwischen beiden Polen schlägt Eugen Meier, wenn er einen Zusammenhang zwischen den Kerndisziplinen der antiken Spiele, die die Ertüchtigung des Leibes zum Fest für die Götter gestalteten, und den seelenhygienischen sogenannten Nebenübungen Rudolf Steiners entdeckt: Aus einer Verwandlung der Seele durch Schulung des physischen Leibes ist eine innere Selbstführung geworden, die auf das gesamte Leben zurückwirkt – bis in den Leib hinein.

Damit wirft auch das Anfang September erscheinende Themen-Doppelheft seinen Schatten voraus, das dem Leib als Offenbarung des Ich gewidmet ist: Durch seinen Leib tritt der Mensch in die Beziehung zur Welt, ja der Leib erst schafft dem Ich die Möglichkeit, sich seiner Selbst in dieser bewusst zu werden.  Das Leibverständnis in diesem Sinne ermöglicht eine Leibverwandlung, die den Gegensatz von Geist und Leib überwindet. Von einer Betrachtung der sinnlich-übersinnlichen Leibesgestalt ausgehend werden Fragen der Embryologie ebenso berührt wie die der Pflege und Heilung des Leibes, der Ernährung und der Pädagogik.

Hiermit verabschieden wir uns in die Sommerzeit und wünschen eine gute Erholung von Leib, Seele und Geist!


 

Ihr Stephan Stockmar