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Liebe Leserin, lieber
Leser,
Renatus Ziegler
hat den Versuch unternommen, den Entwicklungsgedanken in seiner
Komplexität ganz aus dem eigenen Denken und seiner Beobachtung zu
begründen und von dem so gewonnenen, radikal anthropomorphen Standpunkt
aus auf die organische Evolution des Menschen zu schauen; die letzte
Folge erscheint in diesem Heft. – Nun kommt mit
Susanna Kümmell
wieder die Naturwissenschaft zu Wort, die zunächst ganz an die
Erscheinungswelt hingegeben ist. Kümmells Untersuchungen an Fossilien
aus aller Welt zeigen nicht nur die hohe Komplexität des
Evolutionsprozesses, sondern auch, dass sich bei der auf das Ganze
gerichteten gedanklichen Durchdringung der Details eine sinnhafte
Ordnung ergibt. Diese erscheint nicht als eine Art geheime Vorgabe,
sondern ringt sich in der Auseinandersetzung mit der Materie (im Sinne
von Material) stufenweise hervor, bis sie schließlich in der
dreigliedrigen Organisation der menschlichen Gestalt zur Harmonie
gelangt.
Beide Beiträge sind für den Leser eine durchaus sportliche
Herausforderung. Nach überstandener Europameisterschaft im Fußball und
im Blick auf die bevorstehende Olympiade im fernen Peking mag dies einen
gesunden Ausgleich bilden. Die Verbindung zwischen beiden Polen schlägt
Eugen Meier,
wenn er einen Zusammenhang zwischen den Kerndisziplinen der antiken
Spiele, die die Ertüchtigung des Leibes zum Fest für die Götter
gestalteten, und den seelenhygienischen sogenannten Nebenübungen Rudolf
Steiners entdeckt: Aus einer Verwandlung der Seele durch Schulung des
physischen Leibes ist eine innere Selbstführung geworden, die auf das
gesamte Leben zurückwirkt – bis in den Leib hinein.
Damit wirft auch das Anfang September erscheinende
Themen-Doppelheft seinen Schatten voraus, das dem
Leib als Offenbarung des Ich
gewidmet ist: Durch seinen Leib tritt der Mensch in die Beziehung zur
Welt, ja der Leib erst schafft dem Ich die Möglichkeit, sich seiner
Selbst in dieser bewusst zu werden. Das Leibverständnis in diesem Sinne
ermöglicht eine Leibverwandlung, die den Gegensatz von Geist und Leib
überwindet. Von einer Betrachtung der sinnlich-übersinnlichen
Leibesgestalt ausgehend werden Fragen der Embryologie ebenso berührt wie
die der Pflege und Heilung des Leibes, der Ernährung und der Pädagogik.
Hiermit verabschieden wir uns in die Sommerzeit und
wünschen eine gute Erholung von Leib, Seele und Geist!
Ihr
Stephan Stockmar
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