Die Drei 6/ 2008

 

Editorial

 

 

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Liebe Leserin, lieber Leser,

»Aber das Schlimmste ist, wenn man mit eigenen Augen sieht, wie seine Heimat, sein Haus vom Erdboden verschwindet«, schreibt Lia Abuladse in ihrem Artikel »Heimat«. In dieser Situation befinden sich jetzt viele Menschen nach den schweren Naturkatastrophen in Südostasien. Turbulenzen in der Luft haben weite Landstriche von Burma unter Wasser gesetzt, die bebende Erde hat in Sichuan/China ganze Städte einstürzen lassen. Zigtausende Menschen sind dabei umgekommen, Millionen wurden obdachlos. Doch nicht nur die Natur rührte sich wieder auf zerstörerische Weise; mindestens ebenso schlimm ist der menschenverachtende Umgang der burmesischen Junta mit »ihrem« Volk: Trotz Hilfsangeboten überlässt sie es zunächst einfach ihrem Elend und führt unbeirrt das umstrittene Verfassungsreferendum durch. Eine neue Form von Genozid?
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In diesem Heft geht es um Übergänge der verschiedensten Art. Eckart Förster untersucht, wie es Goethe gelingt, die Kluft zwischen Idee und Erfahrung zu überwinden: dadurch, dass er seine Aufmerksamkeit auf die Übergänge zwischen den einzelnen Teilen bzw. Phänomenen richtet, die zunächst nur im geistigen Nachvollzug wahrnehmbar werden. Auch Renatus Ziegler berührt in der zweiten Folge seines Beitrags zur Entwicklung die Frage: »Wie gehen verschiedene Einzelerscheinungen auseinander hervor?« Mit dieser Frage vollzieht er den Übergang von der Erscheinungsentwicklung zur Wesensentwicklung, die ersterer Sinn und Ziel gibt.
Reinhart Bode geht Schwellenmotiven in Peter Handkes Roman »Die morawische Nacht« nach. Was der Protagonist in dieser Nacht erlebt, sei »das Festhalten der zittrigen Sekunde, der zitternden Stimme des Geistes, … die zitternde Stunde der Unterredung mit sich selbst, mit seinem Wesen.« Offensichtlich liegt hierin für Bode das Erlebnis der inneren Heimat des Dichters, womit wir wieder bei dem Thema von Lia Abuladse wären.

– Anlässlich des kürzlich erschienenen Buches von Sabine Doering-Manteuffel mit dem provozierenden Titel »Das Okkulte. Eine Erfolgsgeschichte im Schatten der Aufklärung« verfolgen wir mit dem Beitrag von Johannes Kiersch die aktuelle Entwicklung der akademischen Esoterikforschung (vgl. Heft 3/2008) weiter.
 

Ihr Stephan Stockmar