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Die Drei 06/ 2007
Editorial
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Liebe Leserin, lieber Leser, um Pfingsten herum blüht es überall – auch wenn in diesem Jahr durch den warmen April alles früher dran ist als sonst. Während die Frühlingsblüte noch wie ein Geschenk des Himmels daherkommt, so ist das jetzige Blühen doch mehr eine Frucht der Erde. Die Pflanzen haben sich Blatt für Blatt stufenweise entwickelt und entfalten nun als Krönung ihre Blüten im Glanz der Sonne. Auf den Wiesen wogt es mit den Gräsern goldgelb, strahlend weiß, rosa, schwarzrot oder lila. Am Ackerrand »klatscht« der rote Mohn und in den Gärten stehen die Rosen in voller Blüte. »Schöner Teppich, trage mich / trage mich hinweg … unter den Wolken entlang / zusammen mit dem Wind«, singt Heide Künzel im »Juni« angesichts dieser Pracht.
Der Tod scheint dieser Stimmung ganz fern zu liegen. Und doch geht es in diesem Juni-Heft auch um den Tod. Johannes Sturm schildert unter dem Bild des »Tränenden Herzens« seine Begegnung mit einem verstorbenen Freund, in der sich Erinnerungen und gegenwärtiges Erleben miteinander verweben. Iris Paxino-Gresser berichtet von Erlebnissen Sterbender, für die das Drüben schon spürbar in das hiesige Dasein hereinragt. – Kann es sein, dass die durch die sommerliche Schönheit der Blumen sich weitende Seele besonderen Anteil nimmt an einer Sphäre, in der auch die Verstorbenen leben? »Der Toten wegen liebe die Blumen«, schreibt Albert Steffen. »Sich von dem Duft einer Rose geläutert durchströmen zu lassen, ist eine soziale Tat, wenn man dabei an die Toten denkt und sein Verhältnis zu ihnen von Rosendüften erfüllen lässt.«
Während des Sommers hat »Zeitvergessenheit« vielleicht tatsächlich ein gewisses Recht – im Sinne eines Eintauchens in das Sein, wobei die Schwelle zwischen Hüben und Drüben durchlässig wird. Die Zeitvergessenheit, gegen die sich Franz Bischoff wendet, hat damit allerdings nichts zu tun. Er beschreibt das Gefangensein im gegenständlichen Raum, das von Vergangenheit und Zukunft nichts mehr weiß. Nur ein »zeitigendes Denken«, das sich in ein leibfreies Erleben erhebt und die »Dimensionen der Zeit als einheitliches Ganzes« gegenwärtigt, führt aus dieser Gefangenschaft heraus. Womit wir wieder bei Albert Steffen wären: »Ich möchte ein Kunstwerk vom Grad einer Pflanze bilden. Das tust du, wenn du als Seele im Licht lebst: Da bringst du Wachstum hervor. Aber dann bist Du nicht mehr im toten Leibe.«
Ihr Stephan Stockmar
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