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Die Drei 04/ 2007
Editorial
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Liebe Leserin, lieber Leser,
Brüderlichkeit unter den Menschen kann »nur durch die Eroberung der übernatürlichen Kräfte, nur durch die innere Erringung und die Rechtfertigung des Guten gewonnen werden.« So charakterisiert Gerd Weidenhausen die universale Religionsphilosophie des russischen Denkers Wladimir Solowjew.
Der Münchner Philosoph Wilhelm Vossenkuhl, mit dessen Werk sich Günter Röschert auseinandersetzt, stellt lapidar fest: »Das Gute zu wollen, setzt Willensfreiheit voraus.« Von Solowjew kommend drängt sich hier die Frage auf: Ist Willensfreiheit vielleicht nur aus übernatürlichen Kräften heraus möglich, mit denen die Neurobiologie ›natürlich‹ nicht rechnet?
Weidenhausen fährt im Sinne Solowjews fort: »Erst indem der Einzelne für alle den Kreuzestod zu sterben bereit ist, ist dessen Persönlichkeit im höchsten Sinne zur Wirklichkeit geworden.« Demnach wird das Übernatürliche erst im Tod errungen – im Ablegen aller selbstbezogenen Wünsche, Begierden und Leidenschaften. »Die alte Geburt des Todes in der Finsternis, die muß durch Kreuz und Leiden getödtet werden … und der Mensch wird durchs Wort wieder zurück in den Geist geführet, in die Wiedergeburt, ins Licht, in Christo …« – so heißt es auf einer der Lehrtafeln der Rosenkreuzer (siehe Abbildung S. 22). Erst in diesem Kreuzestod als Akt reiner Hingabe gewinne ich meine eigene höhere Wirklichkeit in Christus.
Rudolf Steiner formuliert für das Leben hier auf Erden ein nüchternes »soziales Hauptgesetz«, das nichts fordert, sondern einfach einen beobachtbaren Zusammenhang beschreibt: »Das Heil einer Gesamtheit von zusammenarbeitenden Menschen ist um so größer, je weniger der einzelne die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beansprucht, das heißt, je mehr er von diesen Erträgnissen an seine Mitarbeiter abgibt, und je mehr seine eigenen Bedürfnisse nicht aus seinen Leistungen, sondern aus den Leistungen der anderen befriedigt werden.«
In diesem Spannungsfeld bewegt sich der Gedanke des bedingungslosen Grundeinkommens, dessen Debatte wir in ihren verschiedenen Facetten zu begleiten suchen. Götz Werner formuliert im Gespräch den Kern seines Anliegens: »Es geht um das Prinzip der Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben. Die Menschen müssen ein Bewusstsein entwickeln für ihren Mitmenschen.«
Ihr Stephan Stockmarr