| |
Der Oberegoist und seine Gefolgschaft
Oder: Wie es zur
Weltfinanzkrise kommen konnte
Stephan Eisenhut
Die Weltwirtschaft steckt in einer Krise, die sich in den
nächsten Monaten zunehmend verschärfen wird. Der New Yorker Ökonom Nouriel
Roubini hat auf diese nun einsetzende Krise schon vor Jahren hingewiesen.1 Und
er hat auch mit klaren Gedanken dargelegt, dass diese Krise mit dem Zerplatzen
der Spekulationsblase am amerikanischen Immobilienmarkt beginnen wird. Roubini
hat sich mit seinen Thesen bei den Verantwortlichen des Federal Reserve Board
(Fed) - dem Zentralbank-System der Vereinigten Staaten - nie beliebt gemacht.
Das ist verständlich, denn es gibt keinen Bereich in der Wirtschaft, der so sehr
von Erwartungen abhängt wie die Geldpolitik. Es geht hier um die Erwartungen von
Menschen, die täglich riesige Summen von Geld bewegen, also vor allem von
Börsenbrokern und Investmentfondmanagern usw. Ein falscher Satz kann panikartige
Verkäufe zur Folge haben, die das sensible Kartenhaus der Finanzspekulation
zusammenbrechen lassen können. Von Verantwortlichen der Zentralbanken kann man
daher auch keine objektive Analyse der Verhältnisse erwarten. Das kryptische
Nuscheln eines Alan Greenspan war in dieser Hinsicht legendär.2 Es traf das
Bedürfnis einer Menschengruppe, die ihre Wirtschaftsentscheidungen lieber an der
Auslegung von Orakelsprüchen als an nüchternen ökonomischen Analysen
orientierte.Zumal eine wirklich nüchterne Analyse dem amerikanischen
Wirtschaftssystem ein denkbar schlechtes Zeugnis ausstellen muss. Genau in diese
Wunde legte Roubini aber seinen Finger. Wie war es möglich, dass die
US-Immobilien immer höher bewertet wurden? Woher stammt die Liquidität, durch
die ein solcher Preisanstieg im Immobilienbereich möglich wurde? Folgt man
Roubini, dann trägt daran die Politik des billigen Geldes die Schuld, die Alan
Greenspan über Jahre verfolgt hat und die gegenwärtig von seinem Nachfolger beim
Fed, Ben Bernanke, weitergeführt wird. Der Fed ermöglichte den Geschäftsbanken,
sich zu sehr günstigen Konditionen zu refinanzieren. Dadurch waren die Banken in
der Lage, ein hohes Kreditvolumen zu günstigen Zinsen zu vergeben. Niedrige
Zinsen heizen den Konsum an; das war auch erklärte Absicht dieser auf
Ankurbelung der Konjunktur ausgerichteten Politik. Wer z.B. ein Eigenheim
erwerben will, für den ist nicht so sehr entscheidend, wie viel Geld er sich
ausleiht, sondern wie hoch die Rate aus Zins und Tilgung ist, die er monatlich
zu bewältigen hat. Ist der Zins niedrig, so kann er sich bei gleicher Rate mehr
Geld leihen, als wenn der Zins hoch ist. Bei niedrigen Zinsen steigt somit die
Nachfrage nach Immobilien. Da aber Immobilien nicht beliebig vermehrt werden
können, beginnen die Preise für die Immobilien anzusteigen.
Der Preisanstieg wurde verstärkt durch die spekulative Nachfrage von Investoren,
die auf den Wertzuwachs setzen, und durch extrem laxe Kreditvergabe der Banken.
Es bekamen selbst Menschen Kredite, deren ökonomische Verhältnisse es gar nicht
zuließen, dass sie diese je zurückzahlen können. Aber die Banken hatten ein
Finanzinstrument erfunden, mit dem sie ihre Kreditausfallrisiken elegant an
andere weiterreichen konnten.3 Steigen aber die Immobilienpreise, dann fühlen
sich die Alt-Immobilienbesitzer reicher. Sie können ihre Immobilie stärker
beleihen und für das aufgenommen Geld Konsumgüter kaufen. Die private
Verschuldung in den USA ist in den letzten 20 Jahren, wie die Grafik belegt,
rasant angestiegen. Woher hat aber der Fed das Geld genommen, das er den
Geschäftsbanken ausgeliehen hat? Die Frage ist einfach zu beantworten: Er hat es
drucken lassen. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, denn eine Zentralbank hat
die Aufgabe, die Wirtschaft mit Notenbankgeld zu versorgen. Nach heutigem
Verständnis hat sich die Notenbankgeldmenge dem wirtschaftlichen
Leistungsprozess so anzupassen, dass das Preisniveau stabil bleibt. Eine
wachsende Wirtschaft hat mehr Geldbedarf als eine stagnierende. Die Notenbank
kann die Geldmenge ausdehnen, wenn sie in einer Boomphase z.B. staatliche
Wertpapiere, die die Banken in ihren Beständen haben, aufkauft. Die Banken
kommen dadurch an Notenbankgeld und können ihre Kreditvergabe an die Unternehmen
ausdehnen. Geht die Nachfrage nach wirtschaftlichen Leistungen zurück, so
verkauft die Notenbank wieder Wertpapiere und entzieht dadurch dem
Wirtschaftskreislauf Notenbankgeld.4 - Soweit, natürlich stark verkürzt, die
Theorie.
Der Dollar und sein
Machtpotential
Die Praxis sieht hingegen etwas anders aus. Das erste Grundproblem ist, dass im
gegenwärtigen Weltwirtschaftssystem nicht nur Leistungen, sondern auch
Eigentumsrechte ausgetauscht werden. Leistungen werden erbracht und verbraucht.
Eigentumsrechte werden lediglich bewertet. Und zwar umso höher, je mehr Geld
vorhanden ist. Die Warenkörbe, durch die die Inflationsrate bestimmt wird,
richten sich aber nach der Preisentwicklung von Gütern und Dienstleistungen und
nicht nach der Wertentwicklung von Aktien oder Immobilien.5 Das zweite
Grundproblem ist, dass die USA es mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges
verstanden haben, den Dollar als Weltleitwährung zu etablieren. Dadurch können
sich die USA einer Gesetzmäßigkeit entziehen, der jedes andere Währungsgebiet
unterworfen ist. Die Währung einer jeden anderen Volkswirtschaft, die
langfristig ein Leistungsbilanzdefizit hat, gerät unter Druck und muss
abgewertet werden. Der Dollar wurde in der Vergangenheit zwar auch immer wieder
abgewertet, jedoch längst nicht in dem Maße, wie es den wirtschaftlichen
Fundamentaldaten entsprochen hätte. Zeitweise hat er sogar gegen den Trend
aufgewertet. Das war und ist nur möglich, weil die USA den größten Teil (ca.
70%) des in der Welt vorhanden anlagesuchenden Kapitals importieren. Praktisch
sieht das so aus: Die OPEC-Staaten z.B. liefern Öl in die USA und erhalten dafür
Dollar. Für diese Dollar kaufen sie entweder US-Staatspapiere - dadurch
finanzieren sie das US-Haushaltsdefizit -, oder sie investieren es in den
privaten Sektor, z.B. in Immobilien (sic!), Hedgefonds usw. innerhalb der USA.
Dafür erhalten sie Zinsen - natürlich in Dollar -, die sie wiederum weitgehend
in den USA anlegen können. Vor allem die asiatischen und arabischen Länder haben
auf diesem Wege riesige Dollarguthaben aufgebaut. Würden diese Länder nun
anfangen, diese Guthaben in andere Währungen umzuschichten, würde der Dollarkurs
ins Bodenlose fallen. Das würde aber die noch bestehenden Guthaben entwerten.
Dadurch sind sie genötigt, weitere Guthaben in Dollar aufzubauen. Es
bewahrheitet sich der Spruch eines amerikanischen Industriellen: »Schuldest du
der Bank 100 Dollar, ist das dein Problem. Schuldest du der Bank 100 Millionen
Dollar, ist es das Problem der Bank.« Die Gläubigerländer sitzen auf einem Berg
von Dollar, dem eigentlich längst kein Gegenwert mehr entspricht. Nun mag der
Dollar in Wirklichkeit wertlos sein; solange sich alle so verhalten, als ob er
einen Wert hat, begründen die riesigen Dollarguthaben jedoch ein Machtpotential.
Dieses Machtpotential bildet die Grundlage für die weltweite Finanzspekulation.
Finanzexperten der Unternehmensberatung McKinsey haben errechnet, dass im Jahr
2006 der Wert des globalen Finanzvermögens um beinahe ein Fünftel auf 167
Billionen Dollar gewachsen ist. Dem steht ein weltweites Bruttoinlandsprodukt
von gerade einmal 48,3 Billionen Dollar gegenüber. Das ist ein Überhang von
nahezu 120 Billionen Dollar. Oder anders ausgedrückt: Das Weltfinanzvermögen
übersteigt somit den Wert aller in 2006 erzeugten Güter und Dienstleistungen um
das 3,5-fache. 1980 lagen beide etwa gleich-auf und betrugen wenig mehr als zehn
Billionen Dollar.6
Warum führt dieser riesige Geldüberhang nicht zu einer viel stärkeren Inflation?
Es ist doch evident, dass einem solchen Vermögen kein wirklicher Wert mehr
entgegensteht. Auf der anderen Seite sind die Dollarguthaben im Umlauf und
verfallen auch nicht, wenn die Spekulationsblasen platzen. Denn das
Dollarguthaben hat ja dann der, der zuletzt verkauft hat. Die auf dem Handel von
Eigentumsrechten aufgebaute Ökonomie hat die Eigenschaft, eine finanzielle
Kunstwelt hervorzubringen. Die Geld- und Wirtschaftspolitik der USA hat dazu
geführt, dass diese Kunstwelt exorbitant wachsen konnte. Die überschüssigen
Dollarguthaben werden innerhalb dieser Kunstwelt durch die täglichen
Spekulationsgeschäfte gebunden. Bricht diese Kunstwelt in einem Bereich
zusammen, so drängt das Geld in andere Bereiche. Das erste, was sich mit Beginn
der Finanzkrise 2007 massiv verteuerte, war das Öl. Zugleich ging durch die
Medien, dass die Ölreserven wesentlich knapper sind, als man bisher dachte. Der
Geldüberhang schwappt gewissermaßen von den Immobilien- und
Firmenfusionsspekulationen in die Rohstoffe.7 Steigen die Rohstoffpreise,
insbesondere die Energiekosten, so führt das notwendig zu einer höheren
Inflationsrate. Der Dollarüberhang schlägt dann spürbarer in die Realwirtschaft
durch.
Die Ölpreisschocks der siebziger Jahre folgten ebenfalls auf das Ende des in
Bretton Woods beschlossenen Weltwährungssystems (1973). Damals hatten die USA
die Finanzierung ihrer Kriege (Vietnam, Korea) und den weltweiten Ausbau ihrer
Militärbasen ebenfalls über die Notenpresse finanziert und konnten sehr schnell
die Garantie, den Dollar jederzeit zu einem festgelegten Kurs in Gold zu
wechseln, nicht mehr einhalten. Böse Zungen behaupten, dass die
Nixon-Adminstration 1974 Saudi-Arabien die Zusicherung abrang, Öl ausschließlich
in Dollar zu berechnen und ihre Überschüsse in US-Schatzanleihen anzulegen.8 Als
Gegenleistung hätten sie dem Saudischen Herrscherhaus umfassende
Schutzleistungen gewährt. Damit hätte die USA die Weltleitwährungsrolle des
Dollars erhalten; denn außer den USA sei von da an jedes Land darauf angewiesen,
Dollar nachzufragen, um seine Ölrechnung bezahlen zu können. Länder wie Iran und
Venezuela wollen dieses Dollarmonopol brechen und gehen derzeit dazu über, ihr
Öl in Euro oder Yen anzubieten. Die ökonomische Fachwelt bezweifelt allerdings,
dass dieses einen Einfluss auf den Dollar haben könnte. Bei einem täglichen
Devisenhandel von ca. 3. Billionen Dollar wären die Transaktionen, die das
Ölgeschäft beträfen - die OPEC-Länder verkaufen täglich Öl im Wert von ca. 1,5
Mrd. Dollar - einfach zu gering. Viel gefährlicher wäre es, wenn die
Gläubigerländer begännen, ihre Dollar-Guthaben in andere Währungen
umzuschichten.9 Der Vergleich hinkt allerdings, denn der größte Teil der
täglichen Devisentransaktionen bewegt sich in der beschriebenen
Finanzkunstwelt und ist rein spekulativ. Beim Öl wird hingegen die
realwirtschaftliche Sphäre direkt betroffen. Dennoch ist richtig, dass Länder
wie Venezuela und Iran allein nicht in der Lage sein werden, den Dollar zu
gefährden. Dem steht entgegen, dass, wie oben schon angedeutet, selbst Länder
wie China zurzeit kein Interesse daran haben können, dass der Dollar verfällt.
Es ziehen zu viele am gleichen Strang.
Erfolgsblasen
Betrachtet man solche
weltökonomischen Zusammenhänge, so ist man geneigt, die USA als den
Hauptverantwortlichen für alles Schlimme in der Welt an den Pranger zu stellen.
Die Vereinigten Staaten sind das mächtigste Land der Welt und verstehen es sehr
gut, ihre eigenen ökonomischen Interessen zu wahren. Ihnen kommt daher in der
Tat auch für viele Missstände in der Welt eine zentrale Verantwortung zu. Nur
darf man nicht verkennen, dass sich die anderen Länder im Prinzip ganz genauso
verhalten. Sie haben nur nicht die Macht, ihre Interessen derart zu verteidigen,
wie es die USA vermögen. Der Bereitschaft der Vereinigten Staaten zu einer
hemmungslosen öffentlichen Verschuldung bei gleichzeitiger Förderung der
privaten Verschuldung steht die Bereitschaft der anderen Länder entgegen, diese
Verschuldung aus eigenen wirtschaftspolitischen Motiven zu finanzieren.
Deutschland freut sich seit Jahren über den Titel des Exportweltmeisters.10 Bei
einer Abwertung des Dollars sieht man die lukrativen amerikanischen Exportmärkte
schwinden. China hat seine Währung aus gleichen Gründen direkt an den Dollar
gebunden und verhindert durch die Intervention der Zentralbank eine Aufwertung
des Renminbi. Diesem Beispiel folgen viele andere asiatische Schwellenländer.
Jeder sieht Gefahren für die eigene wirtschaftliche Konjunktur und alle hoffen
aus egoistischen Motiven, dass der Dollar stabil bleibt. Es wird toleriert, dass
die USA die Kosten ihres verschwenderischen Konsums zu einem großen Teil auf das
Ausland abwälzen. Natürlich wäre jeder froh, wenn er selbst in die Fußstapfen
der USA treten könnte, aber das geht in der gegenwärtigen Machtba
lance nicht. Insofern hat der amerikanische Notenbankchef
Bernanke noch nicht einmal ganz unrecht, wenn er eine in vielen Ländern der Welt
und in den asiatischen Schwellenländern sogar staatlich verordnete »Sparwut« als
den Grund für das entstehen der Spekulationsblasen in der Welt ausfindig macht.
Um die Weltkonjunktur zu retten, übernehmen in dieser Theorie die armen USA für
den Preis einer immer höheren Verschuldung die Aufgabe, für den ausgleichenden
Konsum zu sorgen.11 Natürlich wird bei dieser Theorie unterschlagen,
dass die USA der Welt selbst die Bedingungen diktiert haben, die zu diesem
Verhalten führen. Wenn man keine Rücksicht darauf nehmen muss, ob man die
Schulden jemals zurückzahlen kann, ist es auch keine sehr opfervolle Aufgabe,
das überschüssige Geld mit vollen Händen für die eigenen Bedürfnisse auszugeben.
Wenn die Grundlage der ökonomischen Weltanschauung das egoistische Handeln des
Menschen ist, dann muss es eben einen Oberegoisten geben, der den anderen zeigt,
wo es lang geht. Der Oberegoist wird natürlich alles daran setzen, sein Handeln
so darzustellen, dass es doch eigentlich das Beste für alle ist. Alan Green-span
verstieg sich in diesem Sinne in einem Zeitinterview zur Rechtfertigung seiner
Politik der niedrigen Zinsen zu folgender Behauptung: »Zu den Kosten einer
stabilen Volkswirtschaft gehört es, dass sie oft Blasen hervorruft. Solche
negativen Folgen begleiten sie, wenn wir auf die Vorteile dieser stabilen
Perioden mit ihren steigenden Wertpapierpreisen und ihrer Schaffung von
Wohlstand nicht verzichten wollen. (...) Die große Ironie lautet also, dass die
Förderung von Blasen eine Folgeerscheinung erfolgreicher Finanz- und Geldpolitik
ist.«12 Greenspan übersieht geflissentlich, dass der Wohlstand, der auf
dieser Grundlage geschaffen wird, nur einer relativ kleinen Anzahl von Menschen
in der Welt zu Gute kommt. Die Spanne zwischen Arm und Reich als Ergebnis dieser
Politik klafft immer weiter auseinander. Der Egoismus im Wirtschaftsleben
fördert nicht den Gesamtwohlstand, sondern nur Wohlstandsinseln, während das
Gesamtelend in der Welt zunimmt.
Auf der anderen Seite ist es eine notwendige
Entwicklungsbedingung für den Menschen, dass er seinen Egoismus ausleben kann.
Es wäre unsinnig zu fordern, den Egoismus abzuschaffen. Es ist lediglich
möglich, Bedingungen zu schaffen, unter denen der Egoismus sich nicht schädlich
auswirkt. Man kann natürlich nicht erwarten, dass der Oberegoist sich daran
macht, diese Bedingungen herzustellen. Sie könnten auch nicht rein machtmäßig
etwa von europäischer Seite durchgesetzt werden. Um solche Dinge anzugehen,
bedarf es eines tief greifenden Bewusstseinswandels. Dieser kann aber nur von
einem Geistesleben bewirkt werden, welches den Menschen nicht bloß hinsichtlich
seiner materiellen Lebensbedingungen erfasst, sondern ebenso die geistigen
Lebensbedingungen begreifen lernt. Erst dann wird ein anderer Blick auf die
Frage des Eigentums an Grund und Boden und an Produktionsmitteln möglich sein.
Es werden dann Eigentumsformen entstehen können, die auf der einen Seite dem
Eigner die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten bei dessen Nutzung lassen, die
auf der anderen Seite aber ausschließen, dass das Eigentumsrecht selbst zum
Spekulationsobjekt wird und damit der Gemeinschaft, wie die gegenwärtige Krise
zeigt, einen hohen Schaden zufügt. Es wird dann auch eine Geldmengensteuerung
möglich werden, die nicht auf dem An- und Verkauf von Staatsanleihen und den bei
wachsender Verschuldung der Staatshaushalte verbundenen »Zwangsschenkungen«
beruht, sondern die auf einem echten Verständnis des wirtschaftlichen
Leistungsprozesses und seiner wertbildenden Faktoren erfolgt. Eine solche
Volkswirtschaft wird, wenn sie erfolgreich ist, eben keine Blasen - also
Kapitalaufstauungen durch Bewertung von Eigentumsrechten - erzeugen, sondern sie
wird erkennen, an welchem Punkt Kapital sein Organisationspotential für das
Wirtschaftsleben verloren hat und dadurch - als Schenkungsgeld - einem
endgültigen Verbrauch zugefügt werden muss. Der hier geäußerte Schlussgedanke
mag vielen als eine etwas idealistische, weltfremde Perspektive und angesichts
des großen Elends, das durch die gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen
Machenschaften erzeugt wird, als sehr unbefriedigend erscheinen. Es ist ja auch
unbefriedigend! Doch erfordert die Entwicklung hin zu einer Lösung einen
Bewusstseinswandel der Menschen. Denn diese Menschheitskrise ist lediglich der
Ausdruck der Unfähigkeit, eine Bewusstseinsform zu verwandeln, die an der
Betrachtung des äußern Sinnessleben gewonnen wurde. Wer meint, ohne eine
Verwandlung dieser Bewusstseinsform Lösungsansätze durchsetzen zu können, wird
sich - was gewöhnlich jedoch verschlafen wird - sehr bald selbst dabei ertappen
können, wie seine egoistischen Ziele sich mit seinen idealistischen vermischen.
Man gerät schneller in die Gefolgschaft des Oberegoisten, als man denkt.
1 Vgl. z.B. Die Unwetterwarnung, in: Der Tagesspiegel vom
9.12.2006,
http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-Dritte-Seite;art705,1989064.
2 »Seit ich ein Zentralbanker bin, habe ich gelernt, bedeutungsvoll zu
nuscheln«, gab Greenspan 1987 selbst zu Protokoll. Zitiert nach Abschied von
Mr. Dollar, in: Die Welt vom 30.1.2006.
3 Sog. Collateralized Debt Obligations (CDOs). Man hat dazu einfach Fonds
geschaffen, die Kredite mit schlechten und guten Risiken umfassen. Auf diesem
Wege haben vor allem Banken in den USA ihre Kredite mit nachrangigen
Sicherheiten an Investoren weitergereicht und das ganze als eine Art von
Risikoverteilung vermarktet. Nun wäre ein einzelnes Bündel als solches ja noch
durchschaubar gewesen. Aber dann ist man noch auf die Idee gekommen, die Fonds
selbst aus CDOs zusammenzusetzen, so dass am Ende niemand mehr durchschaut hat,
was so ein Paket eigentlich enthält. Die Banken konnten auf diesen Wegen die
Kredite mit schlechten Risiken aus ihren Büchern herausnehmen, haben sie jedoch
über den Umweg der Fonds als vermeintlich gute Risiken wieder in ihre Bücher
aufgenommen. Noch im Geschäftsbericht der Deutschen Bank von 2006 wird
behauptet, dass die Vielfalt der Aktiva der CDOs für die Investoren einen hohen
Grad an Sicherheit bedeute. Sie war allerdings schlau genug und hatte ihre CDOs
rechtzeitig an andere weitergereicht.
4 Der Fed steuert die Geldmenge vorwiegend über eine solche sogenannte
»Offenmarktpolitik«. Dabei steht die Bereitstellung von Zentralbankgeld über den
Ankauf von US-Wertpapieren im Mittelpunkt. Auf diesem Weg wird der Fed mit dem
Geld, dass er druckt, Gläubiger des Staates!
5 Ein Anstieg der Immobilienpreise hat über die damit verbundene langfristige
Steigerung der Mieten natürlich einen Einfluss auf den Warenkorb. Allerdings ist
die Zusammensetzung solcher Warenkörbe sehr stark von politischen Interessen
bestimmt. Würden man z.B. Warenkörbe für verschiedene Einkommensklassen
aufstellen, so würden die niedrigen Einkommensgruppen eine sehr hohe
Inflationsrate zeigen und die hohen Einkommensgruppen eine sehr niedrige. Die
gewichtete Gesamtinflationsrate läge dann wesentlich höher, als die, die nach
der heute üblichen Methode errechnet werden.
6 Frankfurter Allg. Sonntagsztg. vom 3.2.2008.
7 Ein Blick auf www.rohstoffekurse.de
zeigt, dass nahezu alle wichtigen Kurse (Gold, Silber, Kupfer, Platin, als auch
Öl und Gas) 2007 in der zweiten Jahreshälfte stark angestiegen sind!
8 Vgl. hierzu William Clark: Revisited - The Real Reasons for the
Upcoming War With Iraq: A Macro-economic and Geostrategic Analysis ofthe
Unspoken Truth,
http://www.ratical.org/ratville/CAH/RR-iraqWar.html.
9 Vgl. Die Dollar-Dämmerung, in: manager-magazin vom 21.11.2007:
http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,518480,00.html .
10 Hier ist allerdings anzumerken, dass die deutschen Exportüberschüsse zum
großen Teil im innergemeinschaftlichen Handel erzielt werden. Die gemeinsame
Leistungsbilanz der EU-Staaten ist insgesamt ausgeglichen. Durch die deutschen
Exportüberschüsse werden somit lediglich Leistungsbilanzdefizite anderer
EU-Staaten ausgeglichen. Es kommt zu keinem oder nur zu einem geringen
Nettokapitalimport in die USA.
11 Ben Bernanke hat 2005 die Theorie der »savings glut« (Ersparnisschwemme)
populär gemacht, um zu erklären, warum die Kapitalmarktzinsen dauerhaft niedrig
sind und das US-Außenhandelsdefizit immer größer wird. Vgl. Handelsblatt vom
19.3.2007,
http://www.handelsblatt.com/News/Politik/%d6konomische-Nachrichten/_pv/doc_page/
1/_p/302030/_t/ft/_b/1242310/default.aspx/blasen-verlieren-ihren-schrecken.html.
12 Vgl. Die Zeit, 31.01.2008, Nr. 06: Die große Ironie des Erfolgs,
http://www.zeit.de/2008/06/Interview-Greenspan?page=all
|
|