Die Drei 3/ 2008

 

 

 

 

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Der Oberegoist und seine Gefolgschaft

Oder: Wie es zur Weltfinanzkrise kommen konnte

Stephan Eisenhut

 

Die Weltwirtschaft steckt in einer Krise, die sich in den nächsten Monaten zunehmend verschärfen wird. Der New Yorker Ökonom Nouriel Roubini hat auf diese nun einsetzende Krise schon vor Jahren hingewiesen.1 Und er hat auch mit klaren Gedanken dargelegt, dass diese Krise mit dem Zerplatzen der Spekulationsblase am amerikanischen Immobilienmarkt beginnen wird. Roubini hat sich mit seinen Thesen bei den Verantwortlichen des Federal Reserve Board (Fed) - dem Zentralbank-System der Vereinigten Staaten - nie beliebt gemacht. Das ist verständlich, denn es gibt keinen Bereich in der Wirtschaft, der so sehr von Erwartungen abhängt wie die Geldpolitik. Es geht hier um die Erwartungen von Menschen, die täglich riesige Summen von Geld bewegen, also vor allem von Börsenbrokern und Investmentfondmanagern usw. Ein falscher Satz kann panikartige Verkäufe zur Folge haben, die das sensible Kartenhaus der Finanzspekulation zusammenbrechen lassen können. Von Verantwortlichen der Zentralbanken kann man daher auch keine objektive Analyse der Verhältnisse erwarten. Das kryptische Nuscheln eines Alan Greenspan war in dieser Hinsicht legendär.2 Es traf das Bedürfnis einer Menschengruppe, die ihre Wirtschaftsentscheidungen lieber an der Auslegung von Orakelsprüchen als an nüchternen ökonomischen Analysen orientierte.Zumal eine wirklich nüchterne Analyse dem amerikanischen Wirtschaftssystem ein denkbar schlechtes Zeugnis ausstellen muss. Genau in diese Wunde legte Roubini aber seinen Finger. Wie war es möglich, dass die US-Immobilien immer höher bewertet wurden? Woher stammt die Liquidität, durch die ein solcher Preisanstieg im Immobilienbereich möglich wurde? Folgt man Roubini, dann trägt daran die Politik des billigen Geldes die Schuld, die Alan Greenspan über Jahre verfolgt hat und die gegenwärtig von seinem Nachfolger beim Fed, Ben Bernanke, weitergeführt wird. Der Fed ermöglichte den Geschäftsbanken, sich zu sehr günstigen Konditionen zu refinanzieren. Dadurch waren die Banken in der Lage, ein hohes Kreditvolumen zu günstigen Zinsen zu vergeben. Niedrige Zinsen heizen den Konsum an; das war auch erklärte Absicht dieser auf Ankurbelung der Konjunktur ausgerichteten Politik. Wer z.B. ein Eigenheim erwerben will, für den ist nicht so sehr entscheidend, wie viel Geld er sich ausleiht, sondern wie hoch die Rate aus Zins und Tilgung ist, die er monatlich zu bewältigen hat. Ist der Zins niedrig, so kann er sich bei gleicher Rate mehr Geld leihen, als wenn der Zins hoch ist. Bei niedrigen Zinsen steigt somit die Nachfrage nach Immobilien. Da aber Immobilien nicht beliebig vermehrt werden können, beginnen die Preise für die Immobilien anzusteigen.
Der Preisanstieg wurde verstärkt durch die spekulative Nachfrage von Investoren, die auf den Wertzuwachs setzen, und durch extrem laxe Kreditvergabe der Banken. Es bekamen selbst Menschen Kredite, deren ökonomische Verhältnisse es gar nicht zuließen, dass sie diese je zurückzahlen können. Aber die Banken hatten ein Finanzinstrument erfunden, mit dem sie ihre Kreditausfallrisiken elegant an andere weiterreichen konnten.3 Steigen aber die Immobilienpreise, dann fühlen sich die Alt-Immobilienbesitzer reicher. Sie können ihre Immobilie stärker beleihen und für das aufgenommen Geld Konsumgüter kaufen. Die private Verschuldung in den USA ist in den letzten 20 Jahren, wie die Grafik belegt, rasant angestiegen. Woher hat aber der Fed das Geld genommen, das er den Geschäftsbanken ausgeliehen hat? Die Frage ist einfach zu beantworten: Er hat es drucken lassen. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, denn eine Zentralbank hat die Aufgabe, die Wirtschaft mit Notenbankgeld zu versorgen. Nach heutigem Verständnis hat sich die Notenbankgeldmenge dem wirtschaftlichen Leistungsprozess so anzupassen, dass das Preisniveau stabil bleibt. Eine wachsende Wirtschaft hat mehr Geldbedarf als eine stagnierende. Die Notenbank kann die Geldmenge ausdehnen, wenn sie in einer Boomphase z.B. staatliche Wertpapiere, die die Banken in ihren Beständen haben, aufkauft. Die Banken kommen dadurch an Notenbankgeld und können ihre Kreditvergabe an die Unternehmen ausdehnen. Geht die Nachfrage nach wirtschaftlichen Leistungen zurück, so verkauft die Notenbank wieder Wertpapiere und entzieht dadurch dem Wirtschaftskreislauf Notenbankgeld.4 - Soweit, natürlich stark verkürzt, die Theorie.


Der Dollar und sein Machtpotential

Die Praxis sieht hingegen etwas anders aus. Das erste Grundproblem ist, dass im gegenwärtigen Weltwirtschaftssystem nicht nur Leistungen, sondern auch Eigentumsrechte ausgetauscht werden. Leistungen werden erbracht und verbraucht. Eigentumsrechte werden lediglich bewertet. Und zwar umso höher, je mehr Geld vorhanden ist. Die Warenkörbe, durch die die Inflationsrate bestimmt wird, richten sich aber nach der Preisentwicklung von Gütern und Dienstleistungen und nicht nach der Wertentwicklung von Aktien oder Immobilien.5 Das zweite Grundproblem ist, dass die USA es mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges verstanden haben, den Dollar als Weltleitwährung zu etablieren. Dadurch können sich die USA einer Gesetzmäßigkeit entziehen, der jedes andere Währungsgebiet unterworfen ist. Die Währung einer jeden anderen Volkswirtschaft, die langfristig ein Leistungsbilanzdefizit hat, gerät unter Druck und muss abgewertet werden. Der Dollar wurde in der Vergangenheit zwar auch immer wieder abgewertet, jedoch längst nicht in dem Maße, wie es den wirtschaftlichen Fundamentaldaten entsprochen hätte. Zeitweise hat er sogar gegen den Trend aufgewertet. Das war und ist nur möglich, weil die USA den größten Teil (ca. 70%) des in der Welt vorhanden anlagesuchenden Kapitals importieren. Praktisch sieht das so aus: Die OPEC-Staaten z.B. liefern Öl in die USA und erhalten dafür Dollar. Für diese Dollar kaufen sie entweder US-Staatspapiere - dadurch finanzieren sie das US-Haushaltsdefizit -, oder sie investieren es in den privaten Sektor, z.B. in Immobilien (sic!), Hedgefonds usw. innerhalb der USA. Dafür erhalten sie Zinsen - natürlich in Dollar -, die sie wiederum weitgehend in den USA anlegen können. Vor allem die asiatischen und arabischen Länder haben auf diesem Wege riesige Dollarguthaben aufgebaut. Würden diese Länder nun anfangen, diese Guthaben in andere Währungen umzuschichten, würde der Dollarkurs ins Bodenlose fallen. Das würde aber die noch bestehenden Guthaben entwerten. Dadurch sind sie genötigt, weitere Guthaben in Dollar aufzubauen. Es bewahrheitet sich der Spruch eines amerikanischen Industriellen: »Schuldest du der Bank 100 Dollar, ist das dein Problem. Schuldest du der Bank 100 Millionen Dollar, ist es das Problem der Bank.« Die Gläubigerländer sitzen auf einem Berg von Dollar, dem eigentlich längst kein Gegenwert mehr entspricht. Nun mag der Dollar in Wirklichkeit wertlos sein; solange sich alle so verhalten, als ob er einen Wert hat, begründen die riesigen Dollarguthaben jedoch ein Machtpotential. Dieses Machtpotential bildet die Grundlage für die weltweite Finanzspekulation. Finanzexperten der Unternehmensberatung McKinsey haben errechnet, dass im Jahr 2006 der Wert des globalen Finanzvermögens um beinahe ein Fünftel auf 167 Billionen Dollar gewachsen ist. Dem steht ein weltweites Bruttoinlandsprodukt von gerade einmal 48,3 Billionen Dollar gegenüber. Das ist ein Überhang von nahezu 120 Billionen Dollar. Oder anders ausgedrückt: Das Weltfinanzvermögen übersteigt somit den Wert aller in 2006 erzeugten Güter und Dienstleistungen um das 3,5-fache. 1980 lagen beide etwa gleich-auf und betrugen wenig mehr als zehn Billionen Dollar.6
Warum führt dieser riesige Geldüberhang nicht zu einer viel stärkeren Inflation? Es ist doch evident, dass einem solchen Vermögen kein wirklicher Wert mehr entgegensteht. Auf der anderen Seite sind die Dollarguthaben im Umlauf und verfallen auch nicht, wenn die Spekulationsblasen platzen. Denn das Dollarguthaben hat ja dann der, der zuletzt verkauft hat. Die auf dem Handel von Eigentumsrechten aufgebaute Ökonomie hat die Eigenschaft, eine finanzielle Kunstwelt hervorzubringen. Die Geld- und Wirtschaftspolitik der USA hat dazu geführt, dass diese Kunstwelt exorbitant wachsen konnte. Die überschüssigen Dollarguthaben werden innerhalb dieser Kunstwelt durch die täglichen Spekulationsgeschäfte gebunden. Bricht diese Kunstwelt in einem Bereich zusammen, so drängt das Geld in andere Bereiche. Das erste, was sich mit Beginn der Finanzkrise 2007 massiv verteuerte, war das Öl. Zugleich ging durch die Medien, dass die Ölreserven wesentlich knapper sind, als man bisher dachte. Der Geldüberhang schwappt gewissermaßen von den Immobilien- und Firmenfusionsspekulationen in die Rohstoffe.7 Steigen die Rohstoffpreise, insbesondere die Energiekosten, so führt das notwendig zu einer höheren Inflationsrate. Der Dollarüberhang schlägt dann spürbarer in die Realwirtschaft durch.
Die Ölpreisschocks der siebziger Jahre folgten ebenfalls auf das Ende des in Bretton Woods beschlossenen Weltwährungssystems (1973). Damals hatten die USA die Finanzierung ihrer Kriege (Vietnam, Korea) und den weltweiten Ausbau ihrer Militärbasen ebenfalls über die Notenpresse finanziert und konnten sehr schnell die Garantie, den Dollar jederzeit zu einem festgelegten Kurs in Gold zu wechseln, nicht mehr einhalten. Böse Zungen behaupten, dass die Nixon-Adminstration 1974 Saudi-Arabien die Zusicherung abrang, Öl ausschließlich in Dollar zu berechnen und ihre Überschüsse in US-Schatzanleihen anzulegen.8 Als Gegenleistung hätten sie dem Saudischen Herrscherhaus umfassende Schutzleistungen gewährt. Damit hätte die USA die Weltleitwährungsrolle des Dollars erhalten; denn außer den USA sei von da an jedes Land darauf angewiesen, Dollar nachzufragen, um seine Ölrechnung bezahlen zu können. Länder wie Iran und Venezuela wollen dieses Dollarmonopol brechen und gehen derzeit dazu über, ihr Öl in Euro oder Yen anzubieten. Die ökonomische Fachwelt bezweifelt allerdings, dass dieses einen Einfluss auf den Dollar haben könnte. Bei einem täglichen Devisenhandel von ca. 3. Billionen Dollar wären die Transaktionen, die das Ölgeschäft beträfen - die OPEC-Länder verkaufen täglich Öl im Wert von ca. 1,5 Mrd. Dollar - einfach zu gering. Viel gefährlicher wäre es, wenn die Gläubigerländer begännen, ihre Dollar-Guthaben in andere Währungen umzuschichten.9 Der Vergleich hinkt allerdings, denn der größte Teil der täglichen Devisentransaktionen bewegt sich in der beschriebenen Finanzkunstwelt und ist rein spekulativ. Beim Öl wird hingegen die realwirtschaftliche Sphäre direkt betroffen. Dennoch ist richtig, dass Länder wie Venezuela und Iran allein nicht in der Lage sein werden, den Dollar zu gefährden. Dem steht entgegen, dass, wie oben schon angedeutet, selbst Länder wie China zurzeit kein Interesse daran haben können, dass der Dollar verfällt. Es ziehen zu viele am gleichen Strang.

Erfolgsblasen

Betrachtet man solche weltökonomischen Zusammenhänge, so ist man geneigt, die USA als den Hauptverantwortlichen für alles Schlimme in der Welt an den Pranger zu stellen. Die Vereinigten Staaten sind das mächtigste Land der Welt und verstehen es sehr gut, ihre eigenen ökonomischen Interessen zu wahren. Ihnen kommt daher in der Tat auch für viele Missstände in der Welt eine zentrale Verantwortung zu. Nur darf man nicht verkennen, dass sich die anderen Länder im Prinzip ganz genauso verhalten. Sie haben nur nicht die Macht, ihre Interessen derart zu verteidigen, wie es die USA vermögen. Der Bereitschaft der Vereinigten Staaten zu einer hemmungslosen öffentlichen Verschuldung bei gleichzeitiger Förderung der privaten Verschuldung steht die Bereitschaft der anderen Länder entgegen, diese Verschuldung aus eigenen wirtschaftspolitischen Motiven zu finanzieren. Deutschland freut sich seit Jahren über den Titel des Exportweltmeisters.10 Bei einer Abwertung des Dollars sieht man die lukrativen amerikanischen Exportmärkte schwinden. China hat seine Währung aus gleichen Gründen direkt an den Dollar gebunden und verhindert durch die Intervention der Zentralbank eine Aufwertung des Renminbi. Diesem Beispiel folgen viele andere asiatische Schwellenländer. Jeder sieht Gefahren für die eigene wirtschaftliche Konjunktur und alle hoffen aus egoistischen Motiven, dass der Dollar stabil bleibt. Es wird toleriert, dass die USA die Kosten ihres verschwenderischen Konsums zu einem großen Teil auf das Ausland abwälzen. Natürlich wäre jeder froh, wenn er selbst in die Fußstapfen der USA treten könnte, aber das geht in der gegenwärtigen Machtba

lance nicht. Insofern hat der amerikanische Notenbankchef Bernanke noch nicht einmal ganz unrecht, wenn er eine in vielen Ländern der Welt und in den asiatischen Schwellenländern sogar staatlich verordnete »Sparwut« als den Grund für das entstehen der Spekulationsblasen in der Welt ausfindig macht. Um die Weltkonjunktur zu retten, übernehmen in dieser Theorie die armen USA für den Preis einer immer höheren Verschuldung die Aufgabe, für den ausgleichenden Konsum zu sorgen.11 Natürlich wird bei dieser Theorie unterschlagen, dass die USA der Welt selbst die Bedingungen diktiert haben, die zu diesem Verhalten führen. Wenn man keine Rücksicht darauf nehmen muss, ob man die Schulden jemals zurückzahlen kann, ist es auch keine sehr opfervolle Aufgabe, das überschüssige Geld mit vollen Händen für die eigenen Bedürfnisse auszugeben. Wenn die Grundlage der ökonomischen Weltanschauung das egoistische Handeln des Menschen ist, dann muss es eben einen Oberegoisten geben, der den anderen zeigt, wo es lang geht. Der Oberegoist wird natürlich alles daran setzen, sein Handeln so darzustellen, dass es doch eigentlich das Beste für alle ist. Alan Green-span verstieg sich in diesem Sinne in einem Zeitinterview zur Rechtfertigung seiner Politik der niedrigen Zinsen zu folgender Behauptung: »Zu den Kosten einer stabilen Volkswirtschaft gehört es, dass sie oft Blasen hervorruft. Solche negativen Folgen begleiten sie, wenn wir auf die Vorteile dieser stabilen Perioden mit ihren steigenden Wertpapierpreisen und ihrer Schaffung von Wohlstand nicht verzichten wollen. (...) Die große Ironie lautet also, dass die Förderung von Blasen eine Folgeerscheinung erfolgreicher Finanz- und Geldpolitik ist.«12 Greenspan übersieht geflissentlich, dass der Wohlstand, der auf dieser Grundlage geschaffen wird, nur einer relativ kleinen Anzahl von Menschen in der Welt zu Gute kommt. Die Spanne zwischen Arm und Reich als Ergebnis dieser Politik klafft immer weiter auseinander. Der Egoismus im Wirtschaftsleben fördert nicht den Gesamtwohlstand, sondern nur Wohlstandsinseln, während das Gesamtelend in der Welt zunimmt.

Auf der anderen Seite ist es eine notwendige Entwicklungsbedingung für den Menschen, dass er seinen Egoismus ausleben kann. Es wäre unsinnig zu fordern, den Egoismus abzuschaffen. Es ist lediglich möglich, Bedingungen zu schaffen, unter denen der Egoismus sich nicht schädlich auswirkt. Man kann natürlich nicht erwarten, dass der Oberegoist sich daran macht, diese Bedingungen herzustellen. Sie könnten auch nicht rein machtmäßig etwa von europäischer Seite durchgesetzt werden. Um solche Dinge anzugehen, bedarf es eines tief greifenden Bewusstseinswandels. Dieser kann aber nur von einem Geistesleben bewirkt werden, welches den Menschen nicht bloß hinsichtlich seiner materiellen Lebensbedingungen erfasst, sondern ebenso die geistigen Lebensbedingungen begreifen lernt. Erst dann wird ein anderer Blick auf die Frage des Eigentums an Grund und Boden und an Produktionsmitteln möglich sein. Es werden dann Eigentumsformen entstehen können, die auf der einen Seite dem Eigner die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten bei dessen Nutzung lassen, die auf der anderen Seite aber ausschließen, dass das Eigentumsrecht selbst zum Spekulationsobjekt wird und damit der Gemeinschaft, wie die gegenwärtige Krise zeigt, einen hohen Schaden zufügt. Es wird dann auch eine Geldmengensteuerung möglich werden, die nicht auf dem An- und Verkauf von Staatsanleihen und den bei wachsender Verschuldung der Staatshaushalte verbundenen »Zwangsschenkungen« beruht, sondern die auf einem echten Verständnis des wirtschaftlichen Leistungsprozesses und seiner wertbildenden Faktoren erfolgt. Eine solche Volkswirtschaft wird, wenn sie erfolgreich ist, eben keine Blasen - also Kapitalaufstauungen durch Bewertung von Eigentumsrechten - erzeugen, sondern sie wird erkennen, an welchem Punkt Kapital sein Organisationspotential für das Wirtschaftsleben verloren hat und dadurch - als Schenkungsgeld - einem endgültigen Verbrauch zugefügt werden muss. Der hier geäußerte Schlussgedanke mag vielen als eine etwas idealistische, weltfremde Perspektive und angesichts des großen Elends, das durch die gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Machenschaften erzeugt wird, als sehr unbefriedigend erscheinen. Es ist ja auch unbefriedigend! Doch erfordert die Entwicklung hin zu einer Lösung einen Bewusstseinswandel der Menschen. Denn diese Menschheitskrise ist lediglich der Ausdruck der Unfähigkeit, eine Bewusstseinsform zu verwandeln, die an der Betrachtung des äußern Sinnessleben gewonnen wurde. Wer meint, ohne eine Verwandlung dieser Bewusstseinsform Lösungsansätze durchsetzen zu können, wird sich - was gewöhnlich jedoch verschlafen wird - sehr bald selbst dabei ertappen können, wie seine egoistischen Ziele sich mit seinen idealistischen vermischen. Man gerät schneller in die Gefolgschaft des Oberegoisten, als man denkt.
 

1 Vgl. z.B. Die Unwetterwarnung, in: Der Tagesspiegel vom 9.12.2006, http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-Dritte-Seite;art705,1989064.

2 »Seit ich ein Zentralbanker bin, habe ich gelernt, bedeutungsvoll zu nuscheln«, gab Greenspan 1987 selbst zu Protokoll. Zitiert nach Abschied von Mr. Dollar, in: Die Welt vom 30.1.2006.

3 Sog. Collateralized Debt Obligations (CDOs). Man hat dazu einfach Fonds geschaffen, die Kredite mit schlechten und guten Risiken umfassen. Auf diesem Wege haben vor allem Banken in den USA ihre Kredite mit nachrangigen Sicherheiten an Investoren weitergereicht und das ganze als eine Art von Risikoverteilung vermarktet. Nun wäre ein einzelnes Bündel als solches ja noch durchschaubar gewesen. Aber dann ist man noch auf die Idee gekommen, die Fonds selbst aus CDOs zusammenzusetzen, so dass am Ende niemand mehr durchschaut hat, was so ein Paket eigentlich enthält. Die Banken konnten auf diesen Wegen die Kredite mit schlechten Risiken aus ihren Büchern herausnehmen, haben sie jedoch über den Umweg der Fonds als vermeintlich gute Risiken wieder in ihre Bücher aufgenommen. Noch im Geschäftsbericht der Deutschen Bank von 2006 wird behauptet, dass die Vielfalt der Aktiva der CDOs für die Investoren einen hohen Grad an Sicherheit bedeute. Sie war allerdings schlau genug und hatte ihre CDOs rechtzeitig an andere weitergereicht.

4 Der Fed steuert die Geldmenge vorwiegend über eine solche sogenannte »Offenmarktpolitik«. Dabei steht die Bereitstellung von Zentralbankgeld über den Ankauf von US-Wertpapieren im Mittelpunkt. Auf diesem Weg wird der Fed mit dem Geld, dass er druckt, Gläubiger des Staates!

5 Ein Anstieg der Immobilienpreise hat über die damit verbundene langfristige Steigerung der Mieten natürlich einen Einfluss auf den Warenkorb. Allerdings ist die Zusammensetzung solcher Warenkörbe sehr stark von politischen Interessen bestimmt. Würden man z.B. Warenkörbe für verschiedene Einkommensklassen aufstellen, so würden die niedrigen Einkommensgruppen eine sehr hohe Inflationsrate zeigen und die hohen Einkommensgruppen eine sehr niedrige. Die gewichtete Gesamtinflationsrate läge dann wesentlich höher, als die, die nach der heute üblichen Methode errechnet werden.

6 Frankfurter Allg. Sonntagsztg. vom 3.2.2008.

7 Ein Blick auf www.rohstoffekurse.de  zeigt, dass nahezu alle wichtigen Kurse (Gold, Silber, Kupfer, Platin, als auch Öl und Gas) 2007 in der zweiten Jahreshälfte stark angestiegen sind!

8 Vgl. hierzu William Clark: Revisited - The Real Reasons for the Upcoming War With Iraq: A Macro-economic and Geostrategic Analysis ofthe Unspoken Truth, http://www.ratical.org/ratville/CAH/RR-iraqWar.html.

9 Vgl. Die Dollar-Dämmerung, in: manager-magazin vom 21.11.2007: http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,518480,00.html .

10 Hier ist allerdings anzumerken, dass die deutschen Exportüberschüsse zum großen Teil im innergemeinschaftlichen Handel erzielt werden. Die gemeinsame Leistungsbilanz der EU-Staaten ist insgesamt ausgeglichen. Durch die deutschen Exportüberschüsse werden somit lediglich Leistungsbilanzdefizite anderer EU-Staaten ausgeglichen. Es kommt zu keinem oder nur zu einem geringen Nettokapitalimport in die USA.

11 Ben Bernanke hat 2005 die Theorie der »savings glut« (Ersparnisschwemme) populär gemacht, um zu erklären, warum die Kapitalmarktzinsen dauerhaft niedrig sind und das US-Außenhandelsdefizit immer größer wird. Vgl. Handelsblatt vom 19.3.2007, http://www.handelsblatt.com/News/Politik/%d6konomische-Nachrichten/_pv/doc_page/

1/_p/302030/_t/ft/_b/1242310/default.aspx/blasen-verlieren-ihren-schrecken.html
.

12 Vgl. Die Zeit, 31.01.2008, Nr. 06: Die große Ironie des Erfolgs, http://www.zeit.de/2008/06/Interview-Greenspan?page=all