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Liebe Leserin, lieber
Leser,
im vergangenen Jahr wurde der 100.
Geburtstag zweier gro-ßer Frauen gefeiert, wie sie unterschiedlicher
kaum sein können: -Astrid Lindgren und Frida Kahlo. –- -Astrid Lindgren
legte in ihre Protagonistin Pippi Langstrumpf »ihre ganze mütterliche
Sorge um die Kinder dieser Welt« und hat mit ihren Büchern
»heilignüchtern für die Gegenwart des Kindlichen in der Welt gekämpft«
(Jens Göken). Sie wurden seit 1944, wo inmitten dunkler Zeiten als
erstes »Britt-Mari erleichtert ihr Herz« erschien, von einer riesigen
Zahl von Kindern gelesen, die daraus auch in ihrem späteren Leben
Phantasiekräfte, Mut und Zuversicht bezogen haben. So verwirklichte sich
etwas, was Rudolf Steiner geradezu als eine Erziehungsaufgabe der
Gegenwart bezeichnet: Erinnerungen an die Jugendzeit zu veranlagen, die
die – erwachsenen – Menschen dann »gerne haben, die sie glücklich
machen«.
Während Astrid Lindgren so von Schweden aus bis ins hohe Alter – sie
starb 2002, 94jährig – in die Kinderwelt hereinwirkte (und noch immer
weiter wirkt),- schuf die Malerin Frida Kahlo in Mexiko ihr Werk,
vielleicht zutreffender: ihr Leben als Werk, in dem sie das Trauma eines
schweren Verkehrsunfalles mit 18 Jahren und die schwierige Beziehung zu
dem Revolutionsmaler Diego Rivera bewältigte. Barbara Hoos de Jokisch
zeigt an dem eigentümlichen Gemälde »Die Liebsumarmung des Universums,
die Erde (Mexiko), ich, Diego und Herr Xólotl« eindrücklich das »›Ecce
Homo‹ einer Frau«, die in den letzten Monaten ihres Lebens – sie starb
bereits 1954 – dagegen ankämpfte, vergessen zu werden.
Wie bunt es in diesem Heft zugeht wird spätestens dann deutlich, wenn
man auf den schwergewichtigen Essay über »Die Gottesentwicklung« von
Jörg Ewertowsi stößt, dem es gelingt, das göttliche Sein, »über dem dem
nichts Größeres gedacht werden kann« (Anselm von Canterbury) mit dem in
der menschlichen Erfahrung gründenden Entwicklungsgedanken so zu
vernüpfen, dass sich die Vorstellung von Anfang und Ende hin zur
verwandelnden Kraft der Mitte entwickelt.
Auch Meister Mathis, der zur Zeit in Karlruhe und Colmar mit
Ausstellungen gefeiert wird, vereinigt durch seine Kunst scheinbar
Unvereinbares, wenn er selbst in seinen Graumalereien »die eigentliche
Aktivität von Licht, die flutende Farbigkeit als Mittler zwischen Form
und Bewegung, … wesentlich in ihrer Dynamik erfasst« (Ute Hallaschka). –
Solches versuchen wir, natürlich im übertragenen Sinne, auch immer
wieder in dieser Zeitschrift zu leisten.
Ihr
Stephan Stockmar
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