Die Drei 2/ 2008

 

Editorial

 

 

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Liebe Leserin, lieber Leser,

im vergangenen Jahr wurde der 100. Geburtstag zweier gro-ßer Frauen gefeiert, wie sie unterschiedlicher kaum sein können: -Astrid Lindgren und Frida Kahlo. –- -Astrid Lindgren legte in ihre Protagonistin Pippi Langstrumpf »ihre ganze mütterliche Sorge um die Kinder dieser Welt« und hat mit ihren Büchern »heilignüchtern für die Gegenwart des Kindlichen in der Welt gekämpft« (Jens Göken). Sie wurden seit 1944, wo inmitten dunkler Zeiten als erstes »Britt-Mari erleichtert ihr Herz« erschien, von einer riesigen Zahl von Kindern gelesen, die daraus auch in ihrem späteren Leben Phantasiekräfte, Mut und Zuversicht bezogen haben. So verwirklichte sich etwas, was Rudolf Steiner geradezu als eine Erziehungsaufgabe der Gegenwart bezeichnet: Erinnerungen an die Jugendzeit zu veranlagen, die die – erwachsenen – Menschen dann »gerne haben, die sie glücklich machen«.
Während Astrid Lindgren so von Schweden aus bis ins hohe Alter – sie starb 2002, 94jährig – in die Kinderwelt hereinwirkte (und noch immer weiter wirkt),- schuf die Malerin Frida Kahlo in Mexiko ihr Werk, vielleicht zutreffender: ihr Leben als Werk, in dem sie das Trauma eines schweren Verkehrsunfalles mit 18 Jahren und die schwierige Beziehung zu dem Revolutionsmaler Diego Rivera bewältigte. Barbara Hoos de Jokisch zeigt an dem eigentümlichen Gemälde »Die Liebsumarmung des Universums, die Erde (Mexiko), ich, Diego und Herr Xólotl« eindrücklich das »›Ecce Homo‹ einer Frau«, die in den letzten Monaten ihres Lebens – sie starb bereits 1954 – dagegen ankämpfte, vergessen zu werden.
Wie bunt es in diesem Heft zugeht wird spätestens dann deutlich, wenn man auf den schwergewichtigen Essay über »Die Gottesentwicklung« von Jörg Ewertowsi stößt, dem es gelingt, das göttliche Sein, »über dem dem nichts Größeres gedacht werden kann« (Anselm von Canterbury) mit dem in der menschlichen Erfahrung gründenden Entwicklungsgedanken so zu vernüpfen, dass sich die Vorstellung von Anfang und Ende hin zur verwandelnden Kraft der Mitte entwickelt.
Auch Meister Mathis, der zur Zeit in Karlruhe und Colmar mit Ausstellungen gefeiert wird, vereinigt durch seine Kunst scheinbar Unvereinbares, wenn er selbst in seinen Graumalereien »die eigentliche Aktivität von Licht, die flutende Farbigkeit als Mittler zwischen Form und Bewegung, … wesentlich in ihrer Dynamik erfasst« (Ute Hallaschka). – Solches versuchen wir, natürlich im übertragenen Sinne, auch immer wieder in dieser Zeitschrift zu leisten.



 

Ihr Stephan Stockmar