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Die Drei 02/ 2007
Editorial
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Liebe Leserin, lieber Leser,
»Wenn alle
Nationen dem Staat Zügel anlegen und sich der unsichtbaren Hand des Marktes
anvertrauen; wenn sie Steuern senken, … öffentliche Güter privatisieren und
Kapitalinvestoren mit offenen Armen empfangen – dann werden alle Menschen auf
der Erde ihr trauriges Los verbessern. Ihr Wohlstand wird wachsen und sich
mehren im Laufe der Zeit. Völker, hört die Signale: ›Mehr Markt, weniger
Staat‹«. So charakterisiert Thomas Assheuer in der »Zeit« vom 18.1.2007 unter
der Überschrift »Wer erlöst uns vom Kapital?« kritisch das Manifest des
Neoliberalismus.
Assheuer diagnostiziert dann, dass die Wirtschaftswissenschaft »eigentlich gar
keine« Vorstellungen vom menschlichen Glück hat. Doch darf bzw. will man solche
– wieder? -– vom Staat erwarten? Führt die Alternative »mehr Markt« oder »mehr
Staat« überhaupt weiter? Stephan Eisenhut, der dieses Heft auch konzipiert hat,
kommt zu einer anderen Auffassung: »Das wildgewordene Kapital kann nicht einfach
dadurch gebändigt werden, dass man versucht ein abstraktes System zu etablieren.
Die Bändigung setzt voraus, dass eine ganz neue Ichkraft entwickelt wird. Diese
Ichkraft (für die der Wagenlenker auf dem Titel stehen mag) hängt mit der
Fähigkeit zusammen, das wahrhaft Individuelle im anderen Menschen wahrzunehmen.«
Damit weist er auf einen dritten Bereich hin, den des menschlichen Geistes, aus
dem auch die Ideen für das Wirtschaften stammen. Thomas Brunner- führt diesen
Gedanken weiter, wenn er eine »Kapitalverwaltung aus der Unmittelbarkeit der
Begegnung« von Mensch zu Mensch für möglich hält.
Das dafür notwendige Vertrauen muss bewusst erübt werden, z.B. in konkreten
Projekten und Initiativen, wie sie in diesem Heft ebenfalls zur Sprache kommen –
von der Förderung von persönlichem Unternehmertum durch Kleinstkredite bis hin
zu einer Pensionskasse, die durch die Art der Verwendung der Gelder wieder neue
reale Beziehungen schafft. Doch auch diese praxisbezogene Seite muss immer
wieder von Ideen durchdrungen werden, um zu einer grundsätzlichen Neuordnung des
Umgangs mit Eigentum – siehe der Beitrag von Heidjer Reetz – in einer
wirtschaftlich globalisierten Welt zu gelangen. So setzt der hier entwickelte
Ansatz zunächst vor allem auf Bewusstseinsbildung.
Ihr Stephan Stockmar