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Liebe Leserin, lieber
Leser,
zum neuen Jahr präsentieren wir Ihnen
einem bunten Strauß von Beiträgen, nachdem wir im vergangenen Herbst
zwei gewichtige Themenhefte hatten (September: »Stellt Euch nicht dem
Bösen entgegen«, November: Die Erde im Zeichen des Klimawandels). Er
enthält Gedanken aus Asien und Europa zum Thema Wiederverkörperung, ein
Gespräch mit dem Filmemacher Volker Schlön-dorff auch über
Schicksalsfragen und eine plastische Auseinandersetzung mit dem
Fische-Tierkreis. Auch blicken wir auf die documenta 12 zurück – nach
vorn, auf die Geburt einer neuen Idee.
Damit sind wir auch schon beim Thema Entwicklung angelangt, das uns das
ganze Jahr über beschäftigen wird und seinen Beginn eigentlich schon im
Dezember-Heft hatte, mit dem ersten Teil von Andreas Suchantkes großem
Aufsatz über Evolution und die tätige Intelligenz im Bereich des
Lebendigen. Ausgehend von dem unfruchtbaren Gegensatz von
zufallsgläubigem Darwinismus und plangläubigem »Intelligent Design«
entwirft er ein anderes Bild der Evolution aufgrund von am Organischen
selbst gewonnenen Begriffen.
Von Entwicklung im eigentlichen Sinne – in welchem Bereich auch immer –
lässt sich sinnvoll nur sprechen, wenn man von einer in der (sinnlichen)
Erscheinung selbst tätigen, hervorbringenden Kraft ausgeht, die sich zum
Ausdruck bringt und in der Auseinandersetzung mit dem Mittel oder
Material ihres Ausdrucks dieses ebenso wie sich selbst verändert und
verwandelt. Eine solche Anschauung führt schließlich zu einem neuen
Verständnis von Zeit, die dann nicht mehr ein bloßes Kontinuum
darstellt, das Anfang und Ende miteinander verbindet. Sie erscheint als
Doppelstrom, in dem Vergangenheit und Zukunft sich in einer ständig neu
entstehenden schöpferischen Mitte treffen.
Aus einem solchen Ansatz ergeben sich ganz neue Perspektiven nicht nur
für die biologische Evolution, sondern auch für ein Verstehen der
seelischen Entwicklung des Menschen, der Geschichte als
Kulturentwicklung und des Wiederverkörperungsgeschehens (vgl. den
Artikel von Johannes W. Schneider in diesem Heft). Ja, selbst die
»Gottesentwicklung« wird Thema dieser losen Folge von Beiträgen zum
Entwicklungsbegriff sein. – Das Bild des schlupfreifen Schmetterlings
auf der Titelseite steht so nicht nur allgemein für einen Neubeginn,
sondern auch und vor allem für eine radikale Verwandlung der Erscheinung
als Ausdruck einer tätigen Intelligenz. Es liegt also auch an uns,
welche Verwandlungskräfte im Neuen Jahr ihren Ausdruck finden!
Ihr
Stephan Stockmar
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