Die Drei 1/ 2008

 

Editorial

 

 

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Liebe Leserin, lieber Leser,

zum neuen Jahr präsentieren wir Ihnen einem bunten Strauß von Beiträgen, nachdem wir im vergangenen Herbst zwei gewichtige Themenhefte hatten (September: »Stellt Euch nicht dem Bösen entgegen«, November: Die Erde im Zeichen des Klimawandels). Er enthält Gedanken aus Asien und Europa zum Thema Wiederverkörperung, ein Gespräch mit dem Filmemacher Volker Schlön-dorff auch über Schicksalsfragen und eine plastische Auseinandersetzung mit dem Fische-Tierkreis. Auch blicken wir auf die documenta 12 zurück – nach vorn, auf die Geburt einer neuen Idee.
Damit sind wir auch schon beim Thema Entwicklung angelangt, das uns das ganze Jahr über beschäftigen wird und seinen Beginn eigentlich schon im Dezember-Heft hatte, mit dem ersten Teil von Andreas Suchantkes großem Aufsatz über Evolution und die tätige Intelligenz im Bereich des Lebendigen. Ausgehend von dem unfruchtbaren Gegensatz von zufallsgläubigem Darwinismus und plangläubigem »Intelligent Design« entwirft er ein anderes Bild der Evolution aufgrund von am Organischen selbst gewonnenen Begriffen.
Von Entwicklung im eigentlichen Sinne – in welchem Bereich auch immer – lässt sich sinnvoll nur sprechen, wenn man von einer in der (sinnlichen) Erscheinung selbst tätigen, hervorbringenden Kraft ausgeht, die sich zum Ausdruck bringt und in der Auseinandersetzung mit dem Mittel oder Material ihres Ausdrucks dieses ebenso wie sich selbst verändert und verwandelt. Eine solche Anschauung führt schließlich zu einem neuen Verständnis von Zeit, die dann nicht mehr ein bloßes Kontinuum darstellt, das Anfang und Ende miteinander verbindet. Sie erscheint als Doppelstrom, in dem Vergangenheit und Zukunft sich in einer ständig neu entstehenden schöpferischen Mitte treffen.
Aus einem solchen Ansatz ergeben sich ganz neue Perspektiven nicht nur für die biologische Evolution, sondern auch für ein Verstehen der seelischen Entwicklung des Menschen, der Geschichte als Kulturentwicklung und des Wiederverkörperungsgeschehens (vgl. den Artikel von Johannes W. Schneider in diesem Heft). Ja, selbst die »Gottesentwicklung« wird Thema dieser losen Folge von Beiträgen zum Entwicklungsbegriff sein. – Das Bild des schlupfreifen Schmetterlings auf der Titelseite steht so nicht nur allgemein für einen Neubeginn, sondern auch und vor allem für eine radikale Verwandlung der Erscheinung als Ausdruck einer tätigen Intelligenz. Es liegt also auch an uns, welche Verwandlungskräfte im Neuen Jahr ihren Ausdruck finden!


 

Ihr Stephan Stockmar