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Liebe Leserin, lieber
Leser,
Die
Finanzkrise bringt auch ungewohnte Töne mit sich, selbst in einer
Zeitung wie der
Frankfurter Allgemeinen. Da wird im
Wirtschaftsteil von der Bankmanagern mehr Demut gefordert. Herausgeber
Frank Schirrmacher fordert auf der Titelseite, man müsse »über die
Spaltung unserer Gesellschaft in diejenigen reden, die Konsequenzen
erleiden, und diejenigen, die von ihnen verschont werden oder gar
profitieren« und spricht gar von einem »weltbürgerkriegsähnlichen
Zustand«. Und im Feuilleton sinniert der emeritierte Professor für
öffentliches Recht und Rechtsphilosophie, Gerd Roellecke, über die
Funktion des Geldes: »Es ist eine Art Sprache der Wirtschaft, mit der
man Kommunikation schaffen, aber auch vergleichgültigen kann. Dass eine
Krankenschwester für ihre Arbeit bezahlt wird, macht es unerheblich, ob
sie vor allem Kranken helfen oder Geld verdienen will.«
Auch
wenn es im Moment nicht gerade die Krankenschwestern sind, die am
Pranger stehen, trifft er mit diesem Satz ins Schwarze, allerdings ohne
entsprechende Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Liegt doch genau in
der nicht vollzogenen Trennung von Arbeit und Einkommen der eigentliche
Grund für die Verselbständigung der Geldwirtschaft mit den derzeit
spürbaren Folgen.
Diese
Trennung lässt sich natürlich nicht einfach von oben organisieren, auch
nicht durch ein bedingungsloses Grundeinkommen. Denn sie setzt eine
innere Haltung voraus: »Leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen
im Verständnisse des fremden Wollens ist die Grundmaxime der freien
Menschen« (Rudolf Steiner,
Philosophie der Freiheit). Da sind
nicht nur richtige Ideen gefragt, sondern auch moralische Phantasie im
eigenen Tun.
Wenn
ich
Ute Hallaschka folge,
gehört zu einer lebensgemäßen Entfaltung von Kreativität die Erfahrung
des Todes dazu: »Menschheitlich gesehen nicht anders als in jedem
persönlichen Lebenlauf, ist es der Tod, der Verlust von Leben, der die
Geburtsstunde des Schöpferischen darstellt. Schon deshalb ist jeder
Mensch ein Künstler …« Unter diesem Gesichtpunkte schauen wir mit diesem
Heft auf den Tod und die Verstorbenen.
Wolfgang
Schad geht am Beispiel einiger
Landschaftmaler einer Äußerung Rudolf Steiners nach, dass in dem Licht,
das uns umgibt, die Verstorbenen wirksam an der Erde mitarbeiten. Und
Johannes W. Schneider beschreibt den
Tod selbst als souverän handelndes Wesen, durch das »die Wahrheit des
Menschen, wie sie aus dem Schöpferwort hervorgeht, von der Zukunft in
die Gegenwart hereinwirkt«.
Ihr
Stephan Stockmar
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