Die Drei 11/2008

 

Editorial

 

 

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Die Finanzkrise bringt auch ungewohnte Töne mit sich, selbst in einer Zeitung wie der Frankfurter Allgemeinen. Da wird im Wirtschaftsteil von der Bankmanagern mehr Demut gefordert. Herausgeber Frank Schirrmacher fordert auf der Titelseite, man müsse »über die Spaltung unserer Gesellschaft in diejenigen reden, die Konsequenzen erleiden, und diejenigen, die von ihnen verschont werden oder gar profitieren« und spricht gar von einem »weltbürgerkriegsähnlichen Zustand«. Und im Feuilleton sinniert der emeritierte Professor für öffentliches Recht und Rechtsphilosophie, Gerd Roellecke, über die Funktion des Geldes: »Es ist eine Art Sprache der Wirtschaft, mit der man Kommunikation schaffen, aber auch vergleichgültigen kann. Dass eine Krankenschwester für ihre Arbeit bezahlt wird, macht es unerheblich, ob sie vor allem Kranken helfen oder Geld verdienen will.«

Auch wenn es im Moment nicht gerade die Krankenschwestern sind, die am Pranger stehen, trifft er mit diesem Satz ins Schwarze, allerdings ohne entsprechende Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Liegt doch genau in der nicht vollzogenen Trennung von Arbeit und Einkommen der eigentliche Grund für die Verselbständigung der Geldwirtschaft mit den derzeit spürbaren Folgen.

Diese Trennung lässt sich natürlich nicht einfach von oben organisieren, auch nicht durch ein bedingungsloses Grundeinkommen. Denn sie setzt eine innere Haltung voraus: »Leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen im Verständnisse des fremden Wollens ist die Grundmaxime der freien Menschen« (Rudolf Steiner, Philosophie der Freiheit). Da sind nicht nur richtige Ideen gefragt, sondern auch moralische Phantasie im eigenen Tun.

Wenn ich Ute Hallaschka folge, gehört zu einer lebensgemäßen Entfaltung von Kreativität die Erfahrung des Todes dazu: »Menschheitlich gesehen nicht anders als in jedem persönlichen Lebenlauf, ist es der Tod, der Verlust von Leben, der die Geburtsstunde des Schöpferischen darstellt. Schon deshalb ist jeder Mensch ein Künstler …« Unter diesem Gesichtpunkte schauen wir mit diesem Heft auf den Tod und die Verstorbenen. Wolfgang Schad geht am Beispiel einiger Landschaftmaler einer Äußerung Rudolf Steiners nach, dass in dem Licht, das uns umgibt, die Verstorbenen wirksam an der Erde mitarbeiten. Und Johannes W. Schneider beschreibt den Tod selbst als souverän handelndes Wesen, durch das »die Wahrheit des Menschen, wie sie aus dem Schöpferwort hervorgeht, von der Zukunft in die Gegenwart hereinwirkt«.


 

Ihr Stephan Stockmar