Die Drei 11/ 2007

 

 

 

 

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»O Mensch, du selbst bist Erd ...«

Stephan Stockmar
 

 

»O Mensch, du selbst bist Erd und sollst zu Erde werden ...« Ist dieser Vers aus einem Gedicht des 17. Jahrhunderts (Daniel Czepko von Reigersfeld, 1605-1660) bloßer Ausdruck pietistischer Resignation gegenüber dem Tod: Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub ..? Dann stünden die modernen Wissenschaftsideologen vom Schlage eines Richard Dawkins oder Wolf Singers - trotz ihres dezidiert antireligiösen Gewandes - nahezu ungebrochen in der Tradition dieser Auffassung, nur dass sie diese auch auf den lebenden Menschen anwenden. In ihrem Weltbild ist für nichts anderes Platz als für eine abstrakte Materie, die um ihr Überleben kämpft (»Das egoistische Gen«) und merkwürdige Emergenzen hervorbringt, aufgrund derer sich der Mensch einbildet, Intuitionen und einen freien Willen zu haben. Ihre Mission, solche Illusionen endlich zu beseitigen, gleicht dem Versuch, die eigene Existenz zu verleugnen, sich selbst zu einem staubigen Nichts zu machen. Hans Blumenberg charakterisiert diese Methode treffend: »In der Vollstreckung der Idee von Wissenschaft vollstreckt der Mensch an sich selbst [...] das Gesetz der Entropie. Er verliert sich als unwahrscheinliches Ereignis im physischen Universum.«1 Nur dass dieses »unwahrscheinliche Ereignis«, dieses Nichts, auf die unbedingte Wahrheit seiner Erkenntnisse pocht... Umweltschutz, Klimaschutz und Schutz der Erde als Ganze haben unter diesen Prämissen keine wirkliche Bedeutung. Indianer, Eskimos, sibirische Völker, Buschmänner, Aborigines und andere »primitive« Naturvölker fühlten sich immer sehr konkret als Glied einer lebendigen Erde, die, befruchtet durch das Licht und die Wärme der Sonne und in Verbindung mit Luft und Wasser, alles weitere Leben bis hin zum Menschen aus sich gebiert. Und so lebten sie auch mit der Erde, mit den Elementen und Jahreszeiten, mit Pflanzen und Tieren wie mit etwas Geheiligtem, dem sie mit Ehr-Furcht und Dankbarkeit begegneten.
- Spürt man einer solchen Haltung innerlich nach, so zeigt sich schnell, dass es hier keineswegs nur um Angst vor den übermächtigen Naturgewalten geht. Angst lähmt. Aus Angst allein entstehen gerade keine schöpferischen Impulse, wie man sie überall in der Lebensbewältigung dieser Menschen erkennen kann. Man denke nur an die wunderbaren Höhlenmalereien des eiszeitlichen Menschen, die alles andere als primitiv erscheinen. Je früher man ihre Entstehung ansetzen muss, desto mehr werden sie für die Wissenschaft zum Rätsel.

»Das wird ein regelrechtes Technologiefestival...«

Wie unproduktiv bloße Angst ist, lässt sich heute überall beobachten. Z.B. wenn die global wirtschaftende Menschheit aus (kaum zugegebener) Angst vor einer »zurückschlagenden« Natur nun die verschiedenen Klimaszenarien
- umgerechnet in Heller und Pfennig - gegeneinander ausspielt. Wenn sie durchrechnet, was billiger kommt: Weitere rücksichtslose Ausbeutung und nachfolgende technische Bewältigung ihrer Konsequenzen - unter Inkaufnahme mancher »Kollateralschäden«, wie sie vor allem für andere Erdgegenden als der eigenen angenommen werden? Oder »nachhaltiges« Wirtschaften unter starken Einschränkungen und Auflagen, gepaart mit technischer Schadensbegrenzung? »Das wird ein regelrechtes Technologiefestival, befeuert von immer strengeren Grenzwerten«, schwärmt der englische Ökonom und Politikberater Sir Nicholas Stern.2 Besonders originell sind solche Zukunftsentwürfe nicht, und schon gar nicht Ausdruck eines schöpferischen Weltverhältnisses. Neues, vergleichbar mit der Entwicklung früherer Kulturleistungen, ist so kaum zu erwarten. Es bleibt alles ein abstraktes Spiel ohne Bezug zur Wirklichkeit von Erde und Mensch. Trotz fortschreitendem technischen Umweltschutz, wegen Kröten veränderter Trassenverläufe, Renaturierungen, Nachtflugverboten und Biolebensmitteln in Discountmärkten greift die Unwirklichkeit dieses scheinbar pragmatischen Denkens immer mehr um sich. Es schafft zwar harte Realitäten, die jedoch zu künstlichen Parallelwelten führen, in denen der Mensch sich der von ihm geschaffenen Technik mehr und mehr unterordnet. So wie dank der Neurowissenschaft, die das Ich wegdiskutiert, dieses wirklich zu verschwinden droht. Ging es früher noch um den Schutz eines einzelnen Brutplatzes z.B. des Fischadlers und damit auch um die Verteidigung der eigenen Heimat, so begann die Leitwissenschaft der 80er Jahre, die Ökologie, bald den ökonomischen Wert eines Rotkehlchens zu berechnen. Heute geht es nur noch um Technikfolgeabschätzungen ... Immerhin wird durch die konkrete wirtschaftliche Bedrohung, wie sie von Nicholas Stern und nun auch von dem mit dem Friedensnobelpreis ausgestatteten Weltklimarat der UN (IPCC) beschworen wird, der sich gegenwärtig vollziehende Klimawandel (dessen anthropogene Verursachung inzwischen kaum noch zu leugnen ist) heute halbwegs ernst genommen
- nicht nur von Müslifreaks und Bäumeumarmern, sondern zunehmend auch vom höchsten Management in Wirtschaft und Politik. Für den Moment ist dies vielleicht tatsächlich der einzig gangbare Weg, um noch Schlimmeres zu verhindern.
Der tschuktschische Schriftsteller Juri Rytchëu fühlt sich allerdings durch die Klimaprognosen nicht wirklich beunruhigt. »Möglicherweise ist auch an den heutigen Befürchtungen über das Klima ein Übermaß an Informationen Schuld«
- so wie »die Schamanen in den Fiebermessern, die den Leuten von zugereisten russischen Ärzten unter den Arm geklemmt wurden, die Ursache von Krankheiten« erblickten. Er und sein Volk im äußersten Nordosten Sibiriens scheren sich nicht um solche Abstraktionen. Sie interessiert vor allem das gegenwärtige Wetter und wie der kommende Winter wird. In diesem konkreten Weltbezug nehmen sie allerdings sehr genau die Umweltzerstörung wahr, die die Förderung von Gas und Öl in der Arktis mit sich bringt. Und dass das Eis im nördlichen Eismehr dünner geworden ist. Die »Eisbären können nicht mehr auf zusammenhängendem Eis nach Norden wandern. Stattdessen dringen sie auf Nahrungssuche in die Dörfer und Städte vor, wühlen in den Müllbergen, greifen Haustiere, Hunde und nicht selten auch Menschen an«. Abschließend heißt es in seinem Votum: »Natürlich begrüße ich persönlich, dass sich die Weltgemeinschaft endlich um die Klimaveränderung Sorgen macht und die Bedrohung erkannt hat, die vom Menschen, der Krone der Schöpfung, ausgeht. Die Frage lautet allerdings, ob wir die Kraft haben, unser unbedachtes, destruktives Tun anzuhalten, und ob wir aufhören können, an dem Ast zu sägen, auf dem wir sitzen.«3

Begegnungen in Sibirien

Mit der Globalisierung breitet sich das Bewusstsein durchaus über die ganze Erde aus: Nie waren andere Weltgegenden für unser Denken und Handeln so präsent wie heute, und nie waren sie auch so selbstverständlich für (fast) jeden erreichbar - bis hin zu Kreuzfahrten zu den Pinguinen in der Antarktis oder zu touristischen Weltraumflügen. Noch nie hatten so viele Menschen so grandiose Naturerlebnisse, vom Sonnenaufgang über dem Eismeer bis zum Sonnenuntergang auf dem Ayers Rock im Zentrum Australiens, vom tauchenden Erkunden der farbigen Lebenswelt eines Korallenriffs über Pirschgänge im von Menschenaffen bewohnten Regenwald bis hin zum Treck auf einen Himalaya-Gipfel. Doch was machen wir mit diesen Erlebnissen? Wie gehen wir mit ihnen um? Geben sie uns die Kraft, nach der Juri Rytchëu fragt? Was können wir aus ihnen Neues entstehen lassen?
Ich war in diesem Sommer in Sibirien, am Baikalsee und in der südöstlich von diesem gelegenen Steppe im Bereich des Flusses Selenga, nahe an der Grenze zur Mongolei. Zugegebener Maßen mit dem Flugzeug und ohne Klimaabgaben zu zahlen. - Licht, Luft, Wasser und Erde sprechen hier anders als zuhause in Deutschland, viel intensiver und dichter - im Sinne von anwesender -, und sind zugleich von Leichtigkeit durchdrungen. Das macht sie »jungfräulich«, trotz ihres hohen Alters. Vielleicht ist genau dies der Unterschied zum Mittelmeer und anderen südlichen Landschaften. Obwohl es im Sommer auch hier in Sibirien heiß ist; kurz vor unserer Reise waren die Temperaturen auf fast 40 Grad geklettert.
Das sicherlich größte Erlebnis dort ist der See, der mitten in der riesigen sibirischen Landmasse liegt, sich wie ein schräg liegender Halbmond von Nordost nach Südwest erstreckend. Eigentlich kommt er wie ein Meer daher, so groß ist er. Nur fehlt der typische Salzgeruch, und wegen der geringen Breite (durchschnittlich 48 km) bleibt der Eindruck einer Meeresstraße. Doch die - so nicht wahrnehmbare - Länge (636 km Luftlinie) und Tiefe (bis zu 1637 m) sind überwältigend. Bei 455 m Meereshöhe ragt er 1200 m unter den Meeresspiegel, und er wird Jahr für Jahr knapp 2 cm tiefer und breiter. Die Erde, der riesige asiatische Kontinent, bricht hier buchstäblich auseinander. Der See liegt in einem 1600 km langen und 6 km tiefen Grabenbruch, der weitgehend mit Sedimenten aufgefüllt ist. Die Verbindung zum heißen Inneren der Erde zeigt sich in Thermalquellen im nördlichen Seebereich sowie in sich als Erdbeben äußernden seismischen Aktivitäten. Es ist die Situation eines Riftvalleys, wie man sie auch aus Ostafrika kennt. - Der Baikalsee enthält gegenwärtig rund ein Fünftel des nicht gefrorenen Süßwassers der Erde. Es ist unglaublich, wie das klare Wasser die Farben des Himmels, der Atmosphäre und des angrenzenden Ufers aufnimmt, ja sogar intensiviert. Gegen das Blau des Sees verblasst das des Himmels. Und bei windstillem nebligtrübem Wetter verschwindet die Horizontlinie beinahe; Wasser und Wolken verschmelzen in einem lichten Grau. Wenn die Sonne hinter der Bergwand des Westufers verschwindet und diese in tiefstes Indigo versinkt, wird der See zu einem Chamäleon, das in grauen, blauen, türkisen, orangeroten, pfirsichblütenen und lila Farben schillert, bis schließlich auch diese verlöschen und die unzähligen Sterne am klar werdenden Himmel zu leuchten beginnen: Die Zahl der Sterne dort ist sicherlich tausend Mal größer als die über Frankfurt, und sie glänzen viel heller. Wenn dann noch die August-Sternschnuppen niedergehen, ist das Glück vollkommen. Ich habe es noch nirgendwo so stark erlebt wie hier, dass sich die Natur selbst in Licht und Farbe transzendiert; dass selbst die dinglich bleibenden Felsen in der Nähe wie von einer in sich ruhenden Kraft getragen erscheinen oder, wenn ich auf einem solchen Felsen stehe, mir diese Kraft wie von unten, mich tragend, entgegenkommt. Besonders eindrucksvoll ist der berühmte Schamanenstein auf der Westseite der Baikal-Insel Olchon. Von Norden her gesehen bilden die Felsen einen markanten, fast organisch wirkenden aufsteigenden Schwung. Es zeigt sich ein großes Gesicht im Halbprofil, etwas zerquetscht und lakonisch blickend. Und im Hinschauen weitet es sich auf einmal zu einem mir voll zugewandten Gesicht, das mich direkt anschaut. Der ganze Fels scheint sich darin zu öffnen und durchlässig zu werden. Ist dies alles bloße Phantasie, angeregt durch die skurrilen Formen, oder Realität? Das Gefühl des Angeschaut-Werdens und des Erlebens von Anwesenheit ist sehr real. Die Naturformen verdichten sich in mir zu einem Bild, das mir außen erscheint, doch das ich zugleich auch selbst hervorbringe. Liegt darin nicht gerade das Wesen einer Begegnung, die, wenn sie sich wirklich vollzieht, immer auch ein schöpferischer Akt ist? Mit Angst hat das, was ich zu beschreiben versuche, jedenfalls nichts zu tun. Ich fühle mich angeschaut und kann zurückschauen. Dazu muss ich allerdings »jemand« sein - und nicht nur ein Staubkorn im Weltenall; mich selbst als ein innerlich tätiges Wesen wahrnehmen, das sich selbst Subjekt und Objekt zugleich ist.
An den felsigen Steilufern der Nordspitze der Insel Olchon (Kap Choboi) ist die große Weite des Landes und Wassers und die Höhe des sich wölbenden Himmels besonders stark zu erleben. Nicht weit von hier, auf der Ostseite der Insel, fällt das Ufer unterhalb der Wasserlinie zur besagten größten Tiefe des Sees ab. Diese Situation wahrnehmend bzw. vorstellend, entsteht in mir das Bild eines riesigen Auges, das sich hier inmitten des Kontinents gegenüber dem Himmel öffnet - ein Organ der ganzen Erde, in dessen Zentrum ich mich nun auf dieser Insel befinde.
So weitet sich der Blick nicht nur nach außen, sondern auch nach innen, und dies lässt das Erleben existentiell werden. Doch was mache ich nun mit der erlebten Schönheit, Größe und Kraft? Bleibe ich im Staunen stehen und zehre von dem erfahrenen Glück? Träume ich etwas Altem nach, einem vergangenen Bewusstsein, aus dem die schamanische Kultur hervorgegangen ist, deren allerletzten Ausläufer ich noch zu erleben meine? Das sind für mich nicht abstrakte, nachträglich gestellte Fragen. Für Momente wurde mir in der Seele so etwas wie eine Verpflichtung oder Aufgabe spürbar, eine Verantwortung für den Erdort, an dem ich das alles erleben durfte. Das macht mich zunächst etwas hilflos. Was kann ich diesem Ort bieten, was bringe ich mit als Gabe? So wie die Burjaten regelmäßig ihre Gaben - kleine Münzen, Zigaretten, ein paar Spritzer Wodka - den Geistern und Ahnen an besonderen, oft durch beschnitzte Pfähle oder kleine Steinhaufen (Ovos) gekennzeichneten Orten in der Landschaft darbringen. Das meine ich nicht im Sinne einer Gegenleistung, eines Bezahlenwollens oder irgend eines äußerlichen Aktionismus. Es geht mir auch nicht (nur) um die Rettung oder Wiederbelebung von etwas heute höchst Gefährdetem und Unwiederbringlichem. Es ist eher die Frage nach der Haltung, aus der heraus ich diese Begegnung vollziehe, so dass aus ihr vielleicht der Keim für etwas Neues wachsen kann. Also etwas ganz Zartes - und doch auch Gewaltiges; denn es geht tatsächlich um Tod und Auferstehung. - Etwas in mir hat sich jedenfalls verändert. Kann ich dies richtig wahrnehmen und dann auch hegen und pflegen? Kann ich es sich zu der wirksamen Kraft, nach der Juri Rytchëu fragt, entfalten lassen, so dass diese Veränderung nicht nur in mir bleibt?

»... zur Bildung der Erde sind wir berufen«

»O Mensch, du selbst bist Erd und sollst zu Erde werden ...« Vielleicht lässt sich dieser eingangs zitierte Vers auch im Sinne einer Wesensbegegnung mit der Erde lesen, wie ich sie eben zu beschreiben versucht habe. Das Gedicht, dem er entnommen ist, handelt von einer tiefen und innigen Dankbarkeit gegenüber der Erde, die durch den sie bewirtschaftenden Menschen verwundet wird und ihn doch ernährt:
 

Je inniger, je fruchtbarer An die Erde

O Erde, welcher Mensch, der dich mit Füßen tritt, Der dich besät und pflügt, der, was du hast vergraben, Sucht, und dich stark verwundt, um Geld und Gut zu haben,
Nimmt dieser Guttat wahr, damit er wird beschütt.
Daß Gras und Kraut entsteht, daß Gold und mancher Stein Voll Tugend ist und Kraft, daß alles wird erhalten, Daß alles wird ernährt, daß wir selbst sind und alten,
Daß unser Geist sich regt, o Erd, ist dein allein.
Aus dir entspringt die Luft, aus der das Leben geht, O Mensch, du selbst bist Erd und sollst zur Erde werden, Erd ist dein Unterhalt! O Wunder! Aus der Erden
Wird Salz gemacht, drauf selbst des Himmels Feste steht.


Daniel Czepko von Reigersfeld4

Der Schluss dieses Barock-Gedichtes liest sich wie eine Verheißung, für deren Eintreten der handelnde Mensch mit verantwortlich ist: Der Mensch soll sich selbst zur Gabe machen - als Dank an die Erde, die allein ihm sein Leben ermöglicht. Dann kann das Wunder geschehen, dass die Erde den Himmel trägt. Der Romantiker Novalis (1772-1801) drückt dies anders und uns vielleicht schon etwas näher aus: »Wir sind auf einer Mission: zur Bildung der Erde sind wir berufen.«
Was bleibt uns angesichts der Wucht, mit der sich der Klimawandel bemerkbar macht, in Form von abschmelzenden Gletschern und Polkappen, Überschwemmungen hier und extremen Trockenheiten dort; durch vernichtende Stürme, zunehmende UV-Strahlung durch Ozon-Abbau, die uns die Sonne fliehen lässt, und Zeckenplagen? Dies alles sind ja nur die Vorboten von dem, was uns bzw. unseren unmittelbaren Nachkommen zu drohen scheint: steigender Meeresspiegel, andauernde Verschiebung der Klimazonen, aus dem Rhythmus geratene Jahreszeiten, und als Folge davon groß-räumige Vertreibungen bzw. Umsiedlungen, Hungersnöte und massive politische Unruhen. Insofern ist es sicherlich zu begrüßen, wenn der Klimaschutz mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt wird.

Wir wollen mit dem vorliegenden Heft keine neuen Szenarien der gegenwärtigen Diskussion hinzufügen, sondern - im wörtlichen Sinne - zu deren Erdung beitragen. Wie können wir ein konkretes Verhältnis zur Erde und ihrem atmosphärischen Umfeld, aus dem heraus das Klima sich bildet und wandelt, gewinnen? Dabei geht es um die bewusste erlebnismäßige Durchdringung des Wahrzunehmenden und zu Wissenden - wie oben angedeutet.
 

1 Hans Blumenberg: Beschreibung des Menschen. Aus dem Nachlass herausgegeben von Manfred Sommer, Frankfurt/M. 2006; zitiert nach: Uwe Justus Wenzel: Die Vernunft ist nur einen Steinwurf entfernt. Hans Blumenbergs nachgelassene »Beschreibung des Menschen«, NZZ vom 17./18. 3.2007.
2 FAZ vom 25.11.2006, S. 39: Vor uns die Sintflut. Klimakatastrophe: Sir Nicholas Stern sagt, was zu tun ist.
3 Juri Rytchëu: Meteorologen contra Schamanen, in: NZZ vom 8.6.2007
4 Daniel Czepko von Reigersfeld, ausgewählt von Dorothea Oehme. Poesiealbum 260, Berlin 1989.