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»O Mensch, du
selbst bist Erd ...«
Stephan
Stockmar
»O Mensch, du selbst bist Erd und sollst zu Erde werden ...«
Ist dieser Vers aus einem Gedicht des 17. Jahrhunderts (Daniel Czepko von
Reigersfeld, 1605-1660) bloßer Ausdruck pietistischer Resignation gegenüber dem
Tod: Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub ..? Dann stünden die modernen
Wissenschaftsideologen vom Schlage eines Richard Dawkins oder Wolf Singers -
trotz ihres dezidiert antireligiösen Gewandes - nahezu ungebrochen in der
Tradition dieser Auffassung, nur dass sie diese auch auf den lebenden Menschen
anwenden. In ihrem Weltbild ist für nichts anderes Platz als für eine abstrakte
Materie, die um ihr Überleben kämpft (»Das egoistische Gen«) und merkwürdige
Emergenzen hervorbringt, aufgrund derer sich der Mensch einbildet, Intuitionen
und einen freien Willen zu haben. Ihre Mission, solche Illusionen endlich zu
beseitigen, gleicht dem Versuch, die eigene Existenz zu verleugnen, sich selbst
zu einem staubigen Nichts zu machen. Hans Blumenberg charakterisiert diese
Methode treffend: »In der Vollstreckung der Idee von Wissenschaft vollstreckt
der Mensch an sich selbst [...] das Gesetz der Entropie. Er verliert sich als
unwahrscheinliches Ereignis im physischen Universum.«1 Nur dass dieses
»unwahrscheinliche Ereignis«, dieses Nichts, auf die unbedingte Wahrheit seiner
Erkenntnisse pocht... Umweltschutz, Klimaschutz und Schutz der Erde als Ganze
haben unter diesen Prämissen keine wirkliche Bedeutung. Indianer, Eskimos,
sibirische Völker, Buschmänner, Aborigines und andere »primitive« Naturvölker
fühlten sich immer sehr konkret als Glied einer lebendigen Erde, die, befruchtet
durch das Licht und die Wärme der Sonne und in Verbindung mit Luft und Wasser,
alles weitere Leben bis hin zum Menschen aus sich gebiert. Und so lebten sie
auch mit der Erde, mit den Elementen und Jahreszeiten, mit Pflanzen und Tieren
wie mit etwas Geheiligtem, dem sie mit Ehr-Furcht und Dankbarkeit begegneten.
- Spürt man einer solchen Haltung innerlich nach, so zeigt sich schnell, dass es
hier keineswegs nur um Angst vor den übermächtigen Naturgewalten geht. Angst
lähmt. Aus Angst allein entstehen gerade keine schöpferischen Impulse, wie man
sie überall in der Lebensbewältigung dieser Menschen erkennen kann. Man denke
nur an die wunderbaren Höhlenmalereien des eiszeitlichen Menschen, die alles
andere als primitiv erscheinen. Je früher man ihre Entstehung ansetzen muss,
desto mehr werden sie für die Wissenschaft zum Rätsel.
»Das wird ein regelrechtes Technologiefestival...«
Wie unproduktiv bloße Angst ist, lässt sich heute überall beobachten. Z.B. wenn
die global wirtschaftende Menschheit aus (kaum zugegebener) Angst vor einer
»zurückschlagenden« Natur nun die verschiedenen Klimaszenarien
- umgerechnet in Heller und Pfennig - gegeneinander ausspielt. Wenn sie
durchrechnet, was billiger kommt: Weitere rücksichtslose Ausbeutung und
nachfolgende technische Bewältigung ihrer Konsequenzen - unter Inkaufnahme
mancher »Kollateralschäden«, wie sie vor allem für andere Erdgegenden als der
eigenen angenommen werden? Oder »nachhaltiges« Wirtschaften unter starken
Einschränkungen und Auflagen, gepaart mit technischer Schadensbegrenzung? »Das
wird ein regelrechtes Technologiefestival, befeuert von immer strengeren
Grenzwerten«, schwärmt der englische Ökonom und Politikberater Sir Nicholas
Stern.2 Besonders originell sind solche Zukunftsentwürfe nicht, und schon gar
nicht Ausdruck eines schöpferischen Weltverhältnisses. Neues, vergleichbar mit
der Entwicklung früherer Kulturleistungen, ist so kaum zu erwarten. Es bleibt
alles ein abstraktes Spiel ohne Bezug zur Wirklichkeit von Erde und Mensch.
Trotz fortschreitendem technischen Umweltschutz, wegen Kröten veränderter Trassenverläufe, Renaturierungen, Nachtflugverboten und Biolebensmitteln in
Discountmärkten greift die Unwirklichkeit dieses scheinbar pragmatischen Denkens
immer mehr um sich. Es schafft zwar harte Realitäten, die jedoch zu künstlichen
Parallelwelten führen, in denen der Mensch sich der von ihm geschaffenen Technik
mehr und mehr unterordnet. So wie dank der Neurowissenschaft, die das Ich
wegdiskutiert, dieses wirklich zu verschwinden droht. Ging es früher noch um den
Schutz eines einzelnen Brutplatzes z.B. des Fischadlers und damit auch um die
Verteidigung der eigenen Heimat, so begann die Leitwissenschaft der 80er Jahre,
die Ökologie, bald den ökonomischen Wert eines Rotkehlchens zu berechnen. Heute
geht es nur noch um Technikfolgeabschätzungen ... Immerhin wird durch die
konkrete wirtschaftliche Bedrohung, wie sie von Nicholas Stern und nun auch von
dem mit dem Friedensnobelpreis ausgestatteten Weltklimarat der UN (IPCC)
beschworen wird, der sich gegenwärtig vollziehende Klimawandel (dessen
anthropogene Verursachung inzwischen kaum noch zu leugnen ist) heute halbwegs
ernst genommen
- nicht nur von Müslifreaks und Bäumeumarmern, sondern zunehmend auch vom
höchsten Management in Wirtschaft und Politik. Für den Moment ist dies
vielleicht tatsächlich der einzig gangbare Weg, um noch Schlimmeres zu
verhindern.
Der tschuktschische Schriftsteller Juri Rytchëu fühlt sich allerdings durch die
Klimaprognosen nicht wirklich beunruhigt. »Möglicherweise ist auch an den
heutigen Befürchtungen über das Klima ein Übermaß an Informationen Schuld«
- so wie »die Schamanen in den Fiebermessern, die den Leuten von zugereisten
russischen Ärzten unter den Arm geklemmt wurden, die Ursache von Krankheiten«
erblickten. Er und sein Volk im äußersten Nordosten Sibiriens scheren sich nicht
um solche Abstraktionen. Sie interessiert vor allem das gegenwärtige Wetter und
wie der kommende Winter wird. In diesem konkreten Weltbezug nehmen sie
allerdings sehr genau die Umweltzerstörung wahr, die die Förderung von Gas und
Öl in der Arktis mit sich bringt. Und dass das Eis im nördlichen Eismehr dünner
geworden ist. Die »Eisbären können nicht mehr auf zusammenhängendem Eis nach
Norden wandern. Stattdessen dringen sie auf Nahrungssuche in die Dörfer und
Städte vor, wühlen in den Müllbergen, greifen Haustiere, Hunde und nicht selten
auch Menschen an«. Abschließend heißt es in seinem Votum: »Natürlich begrüße ich
persönlich, dass sich die Weltgemeinschaft endlich um die Klimaveränderung
Sorgen macht und die Bedrohung erkannt hat, die vom Menschen, der Krone der
Schöpfung, ausgeht. Die Frage lautet allerdings, ob wir die Kraft haben, unser
unbedachtes, destruktives Tun anzuhalten, und ob wir aufhören können, an dem Ast
zu sägen, auf dem wir sitzen.«3
Begegnungen in Sibirien
Mit der Globalisierung breitet sich das Bewusstsein durchaus über die ganze
Erde aus: Nie waren andere Weltgegenden für unser Denken und Handeln so präsent
wie heute, und nie waren sie auch so selbstverständlich für (fast) jeden
erreichbar - bis hin zu Kreuzfahrten zu den Pinguinen in der Antarktis oder zu
touristischen Weltraumflügen. Noch nie hatten so viele Menschen so grandiose
Naturerlebnisse, vom Sonnenaufgang über dem Eismeer bis zum Sonnenuntergang auf
dem Ayers Rock im Zentrum Australiens, vom tauchenden Erkunden der farbigen
Lebenswelt eines Korallenriffs über Pirschgänge im von Menschenaffen bewohnten
Regenwald bis hin zum Treck auf einen Himalaya-Gipfel. Doch was machen wir mit
diesen Erlebnissen? Wie gehen wir mit ihnen um? Geben sie uns die Kraft, nach
der Juri Rytchëu fragt? Was können wir aus ihnen Neues entstehen lassen?
Ich war in diesem Sommer in Sibirien, am Baikalsee und in der südöstlich von
diesem gelegenen Steppe im Bereich des Flusses Selenga, nahe an der Grenze zur
Mongolei. Zugegebener Maßen mit dem Flugzeug und ohne Klimaabgaben zu zahlen. -
Licht, Luft, Wasser und Erde sprechen hier anders als zuhause in Deutschland,
viel intensiver und dichter - im Sinne von anwesender -, und sind zugleich von
Leichtigkeit durchdrungen. Das macht sie »jungfräulich«, trotz ihres hohen
Alters. Vielleicht ist genau dies der Unterschied zum Mittelmeer und anderen
südlichen Landschaften. Obwohl es im Sommer auch hier in Sibirien heiß ist; kurz
vor unserer Reise waren die Temperaturen auf fast 40 Grad geklettert.
Das sicherlich größte Erlebnis dort ist der See, der mitten in der riesigen
sibirischen Landmasse liegt, sich wie ein schräg liegender Halbmond von Nordost
nach Südwest erstreckend. Eigentlich kommt er wie ein Meer daher, so groß ist
er. Nur fehlt der typische Salzgeruch, und wegen der geringen Breite
(durchschnittlich 48 km) bleibt der Eindruck einer Meeresstraße. Doch die - so
nicht wahrnehmbare - Länge (636 km Luftlinie) und Tiefe (bis zu 1637 m) sind
überwältigend. Bei 455 m Meereshöhe ragt er 1200 m unter den Meeresspiegel, und
er wird Jahr für Jahr knapp 2 cm tiefer und breiter. Die Erde, der riesige
asiatische Kontinent, bricht hier buchstäblich auseinander. Der See liegt in
einem 1600 km langen und 6 km tiefen Grabenbruch, der weitgehend mit Sedimenten
aufgefüllt ist. Die Verbindung zum heißen Inneren der Erde zeigt sich in
Thermalquellen im nördlichen Seebereich sowie in sich als Erdbeben äußernden
seismischen Aktivitäten. Es ist die Situation eines Riftvalleys, wie man sie
auch aus Ostafrika kennt. - Der Baikalsee enthält gegenwärtig rund ein Fünftel
des nicht gefrorenen Süßwassers der Erde. Es ist unglaublich, wie das klare
Wasser die Farben des Himmels, der Atmosphäre und des angrenzenden Ufers
aufnimmt, ja sogar intensiviert. Gegen das Blau des Sees verblasst das des
Himmels. Und bei windstillem nebligtrübem Wetter verschwindet die Horizontlinie
beinahe; Wasser und Wolken verschmelzen in einem lichten Grau. Wenn die Sonne
hinter der Bergwand des Westufers verschwindet und diese in tiefstes Indigo
versinkt, wird der See zu einem Chamäleon, das in grauen, blauen, türkisen,
orangeroten, pfirsichblütenen und lila Farben schillert, bis schließlich auch
diese verlöschen und die unzähligen Sterne am klar werdenden Himmel zu leuchten
beginnen: Die Zahl der Sterne dort ist sicherlich tausend Mal größer als die
über Frankfurt, und sie glänzen viel heller. Wenn dann noch die
August-Sternschnuppen niedergehen, ist das Glück vollkommen. Ich habe es noch
nirgendwo so stark erlebt wie hier, dass sich die Natur selbst in Licht und
Farbe transzendiert; dass selbst die dinglich bleibenden Felsen in der Nähe wie
von einer in sich ruhenden Kraft getragen erscheinen oder, wenn ich auf einem
solchen Felsen stehe, mir diese Kraft wie von unten, mich tragend,
entgegenkommt. Besonders eindrucksvoll ist der berühmte Schamanenstein auf der
Westseite der Baikal-Insel Olchon. Von Norden her gesehen bilden die Felsen
einen markanten, fast organisch wirkenden aufsteigenden Schwung. Es zeigt sich
ein großes Gesicht im Halbprofil, etwas zerquetscht und lakonisch blickend. Und
im Hinschauen weitet es sich auf einmal zu einem mir voll zugewandten Gesicht,
das mich direkt anschaut. Der ganze Fels scheint sich darin zu öffnen und
durchlässig zu werden. Ist dies alles bloße Phantasie, angeregt durch die
skurrilen Formen, oder Realität? Das Gefühl des Angeschaut-Werdens und des
Erlebens von Anwesenheit ist sehr real. Die Naturformen verdichten sich in mir
zu einem Bild, das mir außen erscheint, doch das ich zugleich auch selbst
hervorbringe. Liegt darin nicht gerade das Wesen einer Begegnung, die, wenn sie
sich wirklich vollzieht, immer auch ein schöpferischer Akt ist? Mit Angst hat
das, was ich zu beschreiben versuche, jedenfalls nichts zu tun. Ich fühle mich
angeschaut und kann zurückschauen. Dazu muss ich allerdings »jemand« sein - und
nicht nur ein Staubkorn im Weltenall; mich selbst als ein innerlich tätiges
Wesen wahrnehmen, das sich selbst Subjekt und Objekt zugleich ist.
An den felsigen Steilufern der Nordspitze der Insel Olchon (Kap Choboi) ist die
große Weite des Landes und Wassers und die Höhe des sich wölbenden Himmels
besonders stark zu erleben. Nicht weit von hier, auf der Ostseite der Insel,
fällt das Ufer unterhalb der Wasserlinie zur besagten größten Tiefe des Sees ab.
Diese Situation wahrnehmend bzw. vorstellend, entsteht in mir das Bild eines
riesigen Auges, das sich hier inmitten des Kontinents gegenüber dem Himmel
öffnet - ein Organ der ganzen Erde, in dessen Zentrum ich mich nun auf dieser
Insel befinde.
So weitet sich der Blick nicht nur nach außen, sondern auch nach innen, und dies
lässt das Erleben existentiell werden. Doch was mache ich nun mit der erlebten
Schönheit, Größe und Kraft? Bleibe ich im Staunen stehen und zehre von dem
erfahrenen Glück? Träume ich etwas Altem nach, einem vergangenen Bewusstsein,
aus dem die schamanische Kultur hervorgegangen ist, deren allerletzten Ausläufer
ich noch zu erleben meine? Das sind für mich nicht abstrakte, nachträglich
gestellte Fragen. Für Momente wurde mir in der Seele so etwas wie eine
Verpflichtung oder Aufgabe spürbar, eine Verantwortung für den Erdort, an dem
ich das alles erleben durfte. Das macht mich zunächst etwas hilflos. Was kann
ich diesem Ort bieten, was bringe ich mit als Gabe? So wie die Burjaten
regelmäßig ihre Gaben - kleine Münzen, Zigaretten, ein paar Spritzer Wodka - den
Geistern und Ahnen an besonderen, oft durch beschnitzte Pfähle oder kleine
Steinhaufen (Ovos) gekennzeichneten Orten in der Landschaft darbringen. Das
meine ich nicht im Sinne einer Gegenleistung, eines Bezahlenwollens oder irgend
eines äußerlichen Aktionismus. Es geht mir auch nicht (nur) um die Rettung oder
Wiederbelebung von etwas heute höchst Gefährdetem und Unwiederbringlichem. Es
ist eher die Frage nach der Haltung, aus der heraus ich diese Begegnung
vollziehe, so dass aus ihr vielleicht der Keim für etwas Neues wachsen kann.
Also etwas ganz Zartes - und doch auch Gewaltiges; denn es geht tatsächlich um
Tod und Auferstehung. - Etwas in mir hat sich jedenfalls verändert. Kann ich
dies richtig wahrnehmen und dann auch hegen und pflegen? Kann ich es sich zu der
wirksamen Kraft, nach der Juri Rytchëu fragt, entfalten lassen, so dass diese
Veränderung nicht nur in mir bleibt?
»... zur Bildung der Erde sind wir berufen«
»O Mensch, du selbst bist Erd und sollst zu Erde werden ...« Vielleicht lässt
sich dieser eingangs zitierte Vers auch im Sinne einer Wesensbegegnung mit der
Erde lesen, wie ich sie eben zu beschreiben versucht habe. Das Gedicht, dem er
entnommen ist, handelt von einer tiefen und innigen Dankbarkeit gegenüber der
Erde, die durch den sie bewirtschaftenden Menschen verwundet wird und ihn doch
ernährt:
Je inniger, je fruchtbarer An
die Erde
O Erde, welcher Mensch, der dich mit Füßen tritt, Der dich besät
und pflügt, der, was du hast vergraben, Sucht, und dich stark verwundt, um Geld
und Gut zu haben,
Nimmt dieser Guttat wahr, damit er wird beschütt.
Daß Gras und Kraut entsteht, daß Gold und mancher Stein Voll Tugend ist und
Kraft, daß alles wird erhalten, Daß alles wird ernährt, daß wir selbst sind und
alten,
Daß unser Geist sich regt, o Erd, ist dein allein.
Aus dir entspringt die Luft, aus der das Leben geht, O Mensch, du selbst bist
Erd und sollst zur Erde werden, Erd ist dein Unterhalt! O Wunder! Aus der Erden
Wird Salz gemacht, drauf selbst des Himmels Feste steht.
Daniel Czepko von Reigersfeld4
Der Schluss dieses Barock-Gedichtes liest sich wie eine
Verheißung, für deren Eintreten der handelnde Mensch mit verantwortlich ist: Der
Mensch soll sich selbst zur Gabe machen - als Dank an die Erde, die allein ihm
sein Leben ermöglicht. Dann kann das Wunder geschehen, dass die Erde den Himmel
trägt. Der Romantiker Novalis (1772-1801) drückt dies anders und uns vielleicht
schon etwas näher aus: »Wir sind auf einer Mission: zur Bildung der Erde sind
wir berufen.«
Was bleibt uns angesichts der Wucht, mit der sich der Klimawandel bemerkbar
macht, in Form von abschmelzenden Gletschern und Polkappen, Überschwemmungen
hier und extremen Trockenheiten dort; durch vernichtende Stürme, zunehmende
UV-Strahlung durch Ozon-Abbau, die uns die Sonne fliehen lässt, und
Zeckenplagen? Dies alles sind ja nur die Vorboten von dem, was uns bzw. unseren
unmittelbaren Nachkommen zu drohen scheint: steigender Meeresspiegel, andauernde
Verschiebung der Klimazonen, aus dem Rhythmus geratene Jahreszeiten, und als
Folge davon groß-räumige Vertreibungen bzw. Umsiedlungen, Hungersnöte und
massive politische Unruhen. Insofern ist es sicherlich zu begrüßen, wenn der
Klimaschutz mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt wird.
Wir wollen mit dem vorliegenden Heft keine neuen Szenarien
der gegenwärtigen Diskussion hinzufügen, sondern - im wörtlichen Sinne - zu
deren Erdung beitragen. Wie können wir ein konkretes Verhältnis zur Erde und
ihrem atmosphärischen Umfeld, aus dem heraus das Klima sich bildet und wandelt,
gewinnen? Dabei geht es um die bewusste erlebnismäßige Durchdringung des
Wahrzunehmenden und zu Wissenden - wie oben angedeutet.
1 Hans Blumenberg: Beschreibung des Menschen.
Aus dem Nachlass herausgegeben von Manfred Sommer, Frankfurt/M. 2006; zitiert
nach: Uwe Justus Wenzel: Die Vernunft ist nur einen Steinwurf entfernt. Hans
Blumenbergs nachgelassene »Beschreibung des Menschen«, NZZ vom 17./18. 3.2007.
2 FAZ vom 25.11.2006, S. 39: Vor uns die Sintflut.
Klimakatastrophe: Sir Nicholas Stern sagt, was zu tun ist.
3 Juri Rytchëu: Meteorologen contra Schamanen, in: NZZ vom
8.6.2007
4 Daniel Czepko von Reigersfeld, ausgewählt von Dorothea Oehme.
Poesiealbum 260, Berlin 1989.
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