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Die Drei 07 / 2005
Editorial
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Liebe Leserin, lieber Leser,
»Der auf den Klang der Stille lauschen konnte«, Dag Hammarsjöld, sitzt weltmännisch-sympathisch auf einem Bauzaun vor dem in nüchternen Formen errichteten Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York. Er, der am 29. Juli 100 Jahre alt geworden wäre, hat die Stille in der Einsamkeit der schwedischen Berge erlebt. Und er kann in jeder Situation, auch in Zeiten gefährlicher Krisen, die innere Stille zum Kraftquell seiner Arbeit machen. In ihr wird ihm die Welt zum Du, liegt die Kraft der Begegnung, aus der heraus er bis zu seinem Tod am 17. September 1961 mitzuhelfen versuchte, aus den »Vereinten Nationen« Wirklichkeit werden zu lassen.
»Nicht ›dem Frieden zuliebe‹ ablassen von der eigenen Erfahrung und Haltung« – dieser Gedanke Hammarskjölds scheint auch ein Motto des »deutschen« Papstes Benedikt XVI. zu sein. Wie weit diese Haltung bei ihm aus der eigenen Geisterfahrung gespeist wird, wie weit aus der Dogmatik der Lehre, die er vertritt, ist Thema von zwei sehr unterschiedlichen Beiträgen: Wilhelm Maas erkennt in dem Theologen und Philosophen Joseph Ratzinger den »Anwalt des Logos«, Ute Hallaschka sieht bei Ratzinger »lichtvolle Gedanken, die hier vor einem gefährlich dunklen Hintergrund aufscheinen«. Beiden Autoren geht es darum, eine innere Konsequenz aufzuzeigen: Maas in dem Gedankenweg Ratzingers, Hallaschka in dem, was ihrer Ansicht nach heute notwendig wäre. So zeigt sich in diesen Voten, wie das Papsttum im 21. Jahrhundert in jedem Falle als Stachel im Fleisch wirkt: Ist es ein beständiger Fels in der »Diktatur des Relativismus« (Ratzinger) oder ein Anachronismus, der zur Lüge wird?
Vergleichbare Probleme finden sich auch in anderen geistigen Bewegungen. Bezogen auf die Anthroposophische Gesellschaft sagt Elmar Lampson im Gespräch: »Spiritualität gibt es da, wo es einen starken Wirklichkeitsbezug auch gegenüber dem Scheitern gibt. Schaut man von einer bestimmten Perspektive aus in diese Anthroposophische Gesellschaft hinein, so ist sie etwas Altes, Absterbendes. Von einer anderen Richtung aus gesehen durchdringt sie unsere heutige Kultur. Und zwar in einer ganz fraglosen Art. … Man sollte sie [die Formen] da, wo sie sich nicht erneuern und weiterentwickeln wollen, in Ruhe – ja, in Ruhe sterben lassen.«
Ihr Stephan Stockmar