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Die Drei 5 / 2003
Editorial
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Liebe Leserin, lieber Leser
die Ideen von Schicksal und Wiederverkörperung (Karma und Reinkarnation) sind heute fester Bestandteil unserer Kultur, könnte man meinen. Fast jeder kennt diese Begriffe. Es liegen zahlreiche Erfahrungsberichte vor; Karmaberatungen oder Reinkarnationstherapien sind nichts Ungewöhnliches mehr. Auch in Romanen und Filmen wird diesen Themen – oft unausgesprochener Maßen – nachgegangen. Vieles knüpft dabei an Erfahrungen an, die in den Ghettos und Lagern des Dritten Reiches und anderer Diktaturen gemacht wurden. So unterschiedlich die Herangehensweisen auch immer sind, so steht doch in der Regel die Erfahrungsebene im Vordergrund, weniger die Ebene der Erkenntnis. Dies war in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts noch ganz anders, als entsprechende »Theoriediskussionen« selbst im Fernsehen stattfanden. Insofern geht es heute auch darum, neue Ansätze im Umgang mit solchen Fragen auszubilden, die beide Ebenen miteinander verbinden. Wir werden in der kommenden Zeit in loser Folge solche Ansätze vorstellen, zum einen in Form von mehr grundsätzlichen Betrachtungen, zum anderen dadurch, das einzelne Menschen konkret schildern, wie sie persönlich mit den Ideen von Schicksal und Wiederverkörperung umgehen, welche Erfahrungen sie damit gemacht haben und welche Bedeutung sie für ihr Leben haben. In dieser Ausgabe machen Wolf-Ulrich Klünker und Andreas Laudert den Anfang. Man beachte hierzu aber auch die Darstellung von Reinhardt Habel zu Christian Morgenstern oder die Besprechung des Filmes »Femme Fatale« durch Helmut Kohlhepp. –
Der Krieg gegen das irakische Regime ist nun »gelaufen« – in erstaunlich kurzer Zeit (jedenfalls aus der Sicht der Kriegsgegner, zu denen sich auch die Redakteure zählen) und, gemessen an den Befürchtungen, relativ glimpflich. Dies ist für uns Anlass, die Fragen nach Notwendigkeit, Rechtfertigung und möglichen Folgen dieses Krieges noch einmal neu zu stellen. Durch verschiedene Positionen von Exilirakern und Roland Benedikters Einlassungen auf die von uns gestellten Fragen entsteht ein recht differenziertes Bild als Grundlage für die Urteilsbildung eines Jeden.
Ihr Stephan Stockmar