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Die Drei 3 / 2002
Buchbesprechung
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Für Menschen von Morgen
Mensch. Beiträge für Morgen. Sanfte Medizin, Nr. 12/2001. 70 Seiten, 6,50 EUR. Verlag Info 3, Frankfurt a.M.
Vierteljährig soll sie erscheinen und an Zeitungskiosken zu haben sein. Leser werden gesucht, die dann »Anregungen für ein kulturell kreatives Leben«, so das verheißungsvolle Vorwort, bekommen. In der ersten Nummer der Zeitschrift geht es um das weite Feld der alternativen Medizin, das Thema für März heißt: »Die Zukunft der Erziehung«.
Wir waren zu viert, als wir uns das Themenheft »Sanfte Medizin« zu Gemüte führten, es durchstöberten und diskutierten. Beim Artikel von Roland Possin über: »Das Wissen vom langen Leben: Ayurveda und konstitutionelle Ernährung« blieben wir hängen. Eine Medizin, die in ihren spirituellen-heilerischen Grundlagen bis zu den alten Veden Indiens zurückgeht und doch den heutigen Menschen betrifft, bestens geeignet für intensive Diskussionen und grundlegende Erkenntnisse. Da es hier um Menschenkunde, um Konstitutionsforschung bis hin zu den daraus resultierenden Ernährungsempfehlungen geht, ist es reizvoll sich selbst und seine Mitdiskutanten ayurvedisch zu betrachten … Ein ähnlicher Glanzpunkt ist der Artikel über »Tibetische Medizin« (Frank Meyer), die aus heutiger Sicht den Grundlagen der Anthroposophischen Medizin am nächsten kommt, denn Steiner forderte 1923: »Die Mysterienmedizin soll wieder aufleben!« Wie und ob? Hier schlägt der Autor leider keine Brücken und gibt keine Antworten, sondern begnügt sich mit knappen Verweisen. Schade, gerade das wäre höchst spannend gewesen.
Was ich schon immer über alternative Medizin wissen wollte, aber nie beantwortet bekam, dies scheint das heimliche Motto des Themenheftes zu sein, denn ein weiter Bogen wird mit – allerdings gut lesbaren – Fachartikeln über die verschiedenen »sanften« Medizinrichtungen einschließlich der Osteopathie, der Akupunktur und der Anthro-Medizin gespannt. Soviel Fachwissen wie nötig, soviel Information wie möglich, könnte man als Konzept vermuten, denn jeder Artikel schließt mit einem Glossar weiterführender Literatur bzw. Adressen und Recherchiermöglichkeiten über das Thema ab. Der Information dient auch eine beiliegende CD-ROM und der Rezensionsteil über aktuelle Bücher zum Thema. Zwei Interviews, eines mit einem anthroposophischen Therapeuten (Hendrik Vögler) und ein weiteres mit dem ehemaligen Präsidenten der Berliner Ärztekammer Ellis Huber. Kämpferisch und wortgewaltig ist Ellis Huber immer noch, er geißelt das deutsche Gesundheitswesen (»durch und durch kaputt«) und die Gentechnologie: »Die Gentechnologie feiert verlogene Hochämter, verspricht Heilung obwohl alle Beteiligten heute schon wissen, dass sie irrational handeln. Es geht dabei vornehmlich um Macht- und Geldinteressen. Das profitable, aber unehrliche Heilsversprechen der Gentechnologie deckt sich mit einem ideologischen Grundverständnis der Menschen, die sich selbst als Maschinenwesen verstehen und nicht als Lebewesen.« Fazit: Eine Zeitschrift, die sich in der Tendenz einseitig auf fachorientierte Artikel stützt, dennoch spannend und informativ zu lesen ist. Ein Novum auf dem Zeitungsmarkt. »Beiträge für Morgen« zu publizieren, verspricht ein Zukunftsdenken, von dem das »Heute« angeschaut wird, gibt vor, antizipatorisch Themen, die sozusagen aus der Zukunft in die Gegenwart reichen, zu erkennen. Oder geht es um Visionen und Ideen einer zu prognostizierenden Gesellschaftsentwicklung?
Die alternative Medizin hat sicher diesen Zukunftscharakter. Ob die nächsten Themen langfristig jedoch das einlösen, was der Herausgeber anvisiert, ist eine Frage, deren Beantwortung der Zukunft obliegt. Daran wird sich entscheiden, ob sich die Zeitschrift im Kampf um genügend Leser halten kann. Denn die anthroposophischen LeserInnen als Zielgruppe dürften nicht ausreichen, zusätzliche Leserkreise müssten im Verteilungskampf auf dem Zeitungsmarkt gewonnen werden. Qualität, Aktualität und Originalität wären notwendige Voraussetzungen für diesen Erfolg. Die ersten beiden Kriterien sind mit der Startausgabe überzeugend eingelöst, Originalität und Unterhaltungswert der Zeitschrift könnten noch verstärkt werden. Insgesamt ein mutiges Projekt, dem gerade in der Zeit des verflachenden Infotainements eine große Leserschaft zu wünschen wäre.
Achim Hellmich