Die Drei 12 / 2002

Buchbesprechung

 

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Rätsel der Externsteine

 Rolf Speckner/ Christian Stamm: Das Geheimnis der Externsteine. Bilder einer Mysterienstätte. Verlag Urachhaus, Stuttgart 2002. 196 Seiten, 35 EUR.

 »Das Geheimnis der Externsteine« hätte man gerne enthüllt! Seit langem geht die Diskussion darum, ob sich dort, wo in der Natur an auffälliger Stelle das herrliche Kreuzabnahmerelief angebracht ist, in vorgeschichtlicher Zeit ein bedeutendes Heiligtum befunden habe, welches durch das Relief »christianisiert« worden sei.. Ausgrabungen haben deswegen stattgefunden, Theorien wurden aufgestellt und heftige Streitereien angezettelt, doch immer mit dem selben Ergebnis: Es könnte so sein oder auch nicht.

Wenn jetzt Rolf Speckner, der langjährige Helfer von Prof. Walther Matthes, sich über die Externsteine äußert, dann kann man erwarten, dass da jemand am Werk ist, der sich auskennt. Diese Kenntnis zeigt sich auch auf jeder Seite des Buches: Er kennt den Ort, hat ihn vielmals besucht, er kennt die Felsen und jedes Detail an ihnen, er kennt die germanische Mythologie, kennt die Ausgrabungen und deren Ergebnisse und kennt auch die neuesten Untersuchungen. Doch trotz dieses Wissens bewahrt der Ort sein Geheimnis.

Rolf Speckner hat sich mit dem Fotografen Christian Stamm zusammengetan, der auf alle Wünsche eingehend 54 großformatige Schwarz-Weiß-Abbildungen beisteuerte, die auch noch im Duoton-Verfahren gedruckt wurden. Zu jeder Tafel hat Speckner einen Text verfertigt, der zu den Bildern gehört und der auch erlaubt, jede beschriebene Einzelheit in den Abbildungen zu verfolgen. Es entstand (wenn man davon absieht, dass man das Buch manchmal um 90° drehen muss) eine ästhetisch schöne Gestaltung. Jeder Felsen wird so vorgestellt, ausführlich beschrieben, in den Kontext des benötigten Wissens gestellt und dann gedeutet. Speckner scheut sich nicht, in die Felsen Gestalten hineinzusehen (was die Aufnahmen auch nahe legen), diese dann ernst zu nehmen (Odin, die Himmelsziege Heidrun, der alte Mann, die große Hand, ein Schiff, verschiedene Köpfe) und mit Texten aus der germanischen Mythologie zu vergleichen. Allerdings gibt es für solche Zusammenhänge keinerlei Bestätigungen, weder durch Ausgrabungen noch durch alte Texte, so dass man mit diesen Deutungen gewissermaßen frei in der Luft hängt und es annehmen kann, wenn man will –  oder eben auch nicht. Selbst Rolf Speckner stellt am Ende die meisten seiner Deutungen wieder in Frage.

So ähnlich geht es jedem, der neolithische Fundstätten untersucht; es bleibt immer eine Unsicherheit der Ergebnisse zurück. Gäbe es nicht noch andere Hinweise wie zum Beispiel astronomische Bezüge, dann hätte man gar kein Kriterium vor Augen, welches für ein vorgeschichtliches Heiligtum spricht.

Ein Schwerpunkt des Buches ist die ausführliche Beschreibung und Deutung des Kreuzabnahmereliefs. Dieses Kapitel gehört zu dem  überzeugendsten Teil des ganzen Werkes. Gegen Schluss wird die geschichtliche Entwicklung der germanischen Stämme hinzugefügt, um die Wende, die mit der Christianisierung der Sachsen verbunden ist und die zur Gestaltung des Kreuzabnahmereliefs an dieser Stelle geführt hat, ins Bewusstsein zu rücken.

Das Geheimnis der Externsteine bleibt jedoch noch immer verschlossen. Zwar ist Speckner persönlich davon überzeugt, dass die Externsteine eine bedeutende vorgeschichtliche Kultstätte darstellen, aber er fragt sich noch immer, ob es wirklich die von Rudolf Steiner gemeinte Mysterienstätte gewesen ist, und so lautet sein letzter Satz:

»Haben wir es in der Mysterienstätte an den Externsteinen mit einem zentralen Heiligtum für den keltischen Westen und den ganzen germanischen Norden zu tun, mit der Stätte, von der aus Asgard zugänglich war?«

                                           Frank Teichmann