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Die Drei 11 / 2005
Editorial
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Liebe Leserin, lieber Leser,
dieses Heft vereinigt schier Unvereinbares. Nicht nur, dass Max Beckmanns Kampf mit den »geilen Lockmitteln« des Lebens zunächst wenig mit der ätherischen Eurythmie gemein hat, über die Gioia Falk in einer Weise spricht, wie ich sie schöner noch kaum gefunden habe: nicht erklärend, sondern ganz von der Innenseite her; ihre Ausführungen selbst sind wie Eurythmie. Oder dass es um so Gegensätzliches wie Kunst und Computertechnik geht. Der Informatik-Professor und Anthroposoph Horst F. Wedde vertritt hier auch aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen und Beobachtungen die provokante These, im Umgang mit der Computer-Software und ihrer Programmierung würden sich bei den auf diesem Gebiet zusammenarbeitenden Menschengruppen besondere Herzenskräfte entwickeln, die zu einer »überpersönlichen Sozialität« führen. Diese bildeten ein Gegengewicht zu den ahrimanischen und luziferischen Impulsen, wie sie gemeinhin mit dem Medium Computer in Verbindung gebracht werden. – Auch Michael Eggert schreibt in seinem Beitrag zur Serie »Geist – Gehirn – Bewusstsein« über ein brisantes Grenzgebiet: Hirnforschung und elektronische Netzwerke. Wie ja überhaupt diese ganze Serie einer für das Selbstverständnis des Menschen entscheidenden Grenze gewidmet ist.
Gemeinsam ist all diesen Beiträgen, dass es um innere Grenzerfahrungen geht, wie sie nur ganz individuell und unter hohem Risiko gemacht werden können. Welterkenntnis wird hier zur Selbsterkenntnis, zur »Suche nach dem Mysterium des Ich«, wie Gerd Weidenhausen seinen Beckmann-Artikel überschreibt. Diese Suche spielt sich auf durchaus ungesicherten Pfaden ab. Insofern muss man sich auf die entsprechenden Darstellungen auch sehr weit einlassen, um sie wirklich beurteilen zu können. – Wir werden in Zukunft den Umgang mit Grenzerfahrungen der verschiedensten Art weiterhin immer wieder zum Thema machen, sei es in Form eines Gespräches mit Reinhold Messner über seine Wanderung durch die Wüste Gobi, in der literarischen Verarbeitung biographischer Erlebnisse (Stefan Weishaupt) oder in der direkten Beschreibung von »Grenzorten des Erkennens« durch Christiane Haid (voraussichtlich Januar 2006).
Ihr Stephan Stockmar