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Die Drei 11 / 2003
Editorial
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Liebe Leserin, lieber Leser,
»Ach, Kinderchen, meine lieben Freunde, fürchten Sie sich nicht vor dem Leben! Wie schön ist das Leben, wenn man etwas Gutes und Rechtes getan hat!« – ruft Aljoscha Karamasow angesichts des Todes des jungen Iljuschetschka aus. »Unbedingt werden wir auferstehen, unbedingt werden wir uns wiedersehen und heiter, freudig einander alles erzählen, was war.« Und dann gehen sie begeistert und lachend zum Totenmal. – So endet Dostojewskij seinen großen Roman »Die Brüder Karamasow«, aus dem uns gestern Abend (am 23. Oktober) die wunderbare Swetlana Geier in der Frankfurter Amselhofbuchhandlung vorgelesen hat. Als Motto hat er ihm das Johannes-Wort vorangestellt: »Wahrlich, ich sage euch: Es sei denn, dass das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viel Früchte.« (12,24)
Es war sehr bewegend zu erleben, mit welch großer Lebendigkeit und Wärme die 80-jährige Übersetzerin über Dostojewskijs Lebensmotive sprach. Wir lernten Dostojewskij als einen bis in Sprache und Form sehr modernen Autor kennen, der konsequent die Freiheit des Lesers wahrt, und zwar dadurch, dass er ihn zum Mitgestalter macht. Es ist nicht Dostojewskij, der uns irgend etwas erzählt, sondern das Leben selbst, an dem der Leser Teil hat. – Gerne hätte man Frau Geier die ganzen 1240 Seiten lang des soeben in ihrer Übersetzung im Züricher Ammann-Verlag erschienenen Romans gelauscht!
Das Lesen ist heutzutage mühsam geworden. Man erstickt einerseits in einer Flut von Informationen. Andererseits muss man sich vieler subjektiver Ergüsse erwehren; die Event-»Kultur« macht vor nichts mehr Halt. Und belehren lassen möchte man sich – zu Recht – auch nicht. Wir versuchen es mit der Drei etwas anders zu machen – und bitten Sie als Leser, uns dabei zu helfen: Machen Sie in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis Werbung für uns! Für jedes Abonnement, das Sie uns vermitteln, bedanken wir uns mit einer Gutschrift im Wert von 10 Euro. Das Angebot gilt auch, wenn Sie ein Jahresabonnement verschenken. Näheres hierzu finden Sie auf der Rückseite des Umschlages. – Sie als Leser wissen es ja am Besten: Das Lesen der Drei lohnt sich!
Ihr Stephan Stockmar