Die Drei 11 / 2002

 

 

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Liebe Leserin, lieber Leser

 

»Die Natur kehrt zurück« wenn wir mit ihr nicht einen adäquaten und produktiven Dialog pflegen (Reinhard Falter). Dies haben die Hochwasserkatastrophen des nun zu Ende gegangenen Sommers schmerzlich gezeigt. Wird sich daran unter der neu-alten Bundesregierung mit den erstarkten Grünen etwas ändern? Wird diese Bundesregierung gegenüber dem »neuen Imperium« Amerika (Lorenzo Ravagli) standhaft bleiben (können)?

Im Zentrum dieses Heftes stehen drei prominente Zeitgenossen: Andreas Laudert fragt in seinem Porträt von Botho Strauß, ob es sich bei dessen im Frühjahr uraufgeführten Stück »Unerwartete Rückkkehr« um ein »Kammerspiel im Kamaloka«, also im Fegefeuer handelt. – Rainer Schulz unterhielt sich im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf mit Olga Tokarczuk über ihre Erfahrungen und die Motive ihres Schreibens und umging dabei auch nicht »dieses Drama, das mit Erotik und Sexualität verbunden ist« und das insbesondere in der europäischen Kultur angegangen werden müsse. So entstand eines der ersten Interviews mit der seit der Buchmesse 2000 (Gastland: Polen) auch in Deutschland bekannten polnischen Autorin. – Und schließlich wird in dem Beitrag über den im August verstorbenen Eduardo Chillida eine Geistesverwandtschaft dieses  großen Bildhauers aus dem Baskenland mit Friedrich Hölderlin aufgezeigt. Es sei Hölderlins »Vater Äther«, den Chillida in seiner kolossalen Skulptur »Elogia del horizonte« auf der Steilküste des asturischen Gijón eingefangen habe.

Das Autorenkolloquium, zu dem wir zusammen mit dem Herausgeber, Karl-Martin Dietz, auf den 13. September eingeladen hatten, war für unsere Redaktionsarbeit ein wichtiges Ereignis. Es konnte sehr offen über gemeinsame Zielrichtungen und über das doch oft sehr »intime« Verhältnis zwischen Redakteur und Autor in der Arbeit an den eingereichten Texten gesprochen werden. Eine Autorin – Ute Hallaschka – gestand: Als Leserin sei es ihr ziemlich egal, welches Thema gerade abgehandelt würde; es käme in erster Linie auf das Wie an. Wenn diese künstlerische Herausforderung durch den Autor befriedigend gelöst sei, so würde sie selbst von Themen, die sie inhaltlich kaum interessierten, neu ergriffen werden. – Wir hoffen, liebe Leserin, lieber Leser, es geht Ihnen auch so, wenn Sie die Drei zur Hand nehmen.

 

Ihr Stephan Stockmar