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Die Drei 10 / 2002 Forum Anthroposophie
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Florian Theilmann
Die andere Bibliothek
Unter dem alarmierenden Titel »Warum die Anthroposophie nicht durchdringt« legte Wolfgang Müller-El Abd einen spannenden Essay1 vor, der unter anderem vertritt, Steiners Geisteswissenschaft sei eben doch keine Wissenschaft. Die Redakteure der Drei fragen zwar noch im Vorwort, ob die Diskussion nicht vielleicht ein »Scheingefecht« sei und veröffentlichen eine Reihe ebenfalls spannender Erwiderungen und Ergänzungen. Allein, die Sache scheint nicht so leicht vom Tisch zu bekommen zu sein und W. Müller-El Abd bekräftigt drei Hefte später:2 »Ich kritisiere nicht Steiners wissenschaftlichen Anspruch, sondern ich behaupte, dass er diesen Anspruch nicht einzulösen vermag.« Als Physiker, der einiges an akademischer Forschung betrieben hat und heute Wege für eine anthroposophische Forschung sucht, möchte ich hier eine gegenteilige These vertreten: Die einseitige Orientierung – die auch W. Müller-El Abd einfordert – an einem mainstream-Wissenschaftsideal ist problematisch; wenn Anthroposophie nicht durchdringt, dann vielleicht gerade deshalb, weil wir Anthroposophen zu naiv versuchen, aus ihr eine Wissenschaft zu machen, die diesem Ideal entspricht. Dass die moderne Physik ein anderes Verständnis von Wissenschaft nahe legt und dass Anthroposophie in natürlicher Weise in diesem Sinn Wissenschaft ist, soll hier zur Sprache kommen.
Komplementarität: Wirklichkeit ohne Gegebenes
Seit Jahren erkundet die Arbeit der Naturwissenschaftlichen Sektion den Umgang mit der großen geistesgeschichtlichen Errungenschaft, die die Physik dem 20. Jahrhundert gebracht hat: der Formulierung des Prinzips der Komplementarität, dem Nebeneinander von einander ausschließenden Sichtweisen auf ein und denselben Erkenntnisgegenstand.3 Ein simples Beispiel, zum Sich-Eindenken: Vielleicht hält eine Familie einen Stallhasen. Die Kinder verwöhnen ihn, der Vater aber sieht in ihm den zukünftigen Braten. In diesem Sinne ist er sowohl Streichel- als auch Schlachttier. Eines Tages wird eine Entscheidung fallen müssen, dann wird er entweder weiter gehätschelt, oder aber gegessen. Die Mutter, die ihn morgens füttert, denkt nun vielleicht: Zwar pflege ich dich liebes Tier jetzt fürsorglich, aber bald will ich dich in der Pfanne sehen! Die liebevolle Zuwendung und der »Bratpfannenblick« sind beide legitim, sogar für eine einzelne Person, aber doch nicht vereinbar in ein und demselben Moment. Im »zwar ...aber« wird der Sachverhalt aussprechbar, der Konflikt ist spürbar, die Entscheidung aber noch nicht gefallen.
Von Komplementarität zu reden heißt, die Ausschließlichkeit und das Nebeneinander der Standpunkte als gleichberechtigte Eigenschaften einer Situation anzuerkennen. Dieser Blick auf eine Sache legt noch nicht fest, sondern sucht auch noch ein »Außerdem«, selbst wenn es unbequem oder widersprüchlich sein sollte. Aus der Situation erwächst kein einzuordnender Gegenstand, sondern ein Verhältnis.
Systematik oder Begegnung
Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: Die Wissenschaft, die »man« wohl gerne hätte, ist in der Sprechweise der Physik eine klassische, eine systematische Wissenschaft. Was wir üblicherweise für Wissenschaft voraussetzen, sind implizite Modalitäten wie die Gültigkeit von Kausalität oder dass sich Gesetze, Ordnungen vorfinden lassen; auch erwarten wir, dass die Erfahrungsgegenstände in einer ursprünglichen Weise existieren, das, was wir untersuchen wollen, ist eben »da« und steht für sich. Dies ist die Wissenschaft von Einstein und Hawking,4 der Gentechnik oder auch der Wirtschaftsnobelpreise. Sie schafft einen immer schneller wachsenden Korpus an vorzeigbarem Wissen, den die Bücher buchstäblich kaum mehr fassen. Sie ist Idol unserer Alltagskultur, die Verheißung für begabte junge Menschen und die Beraterin der Politiker. Sie erklärt uns die Welt, und ihre Schwester, die Technologie, macht diese wo nicht besser, so doch beherrschbar – so ist die Hoffnung.
Komplementarität, ernst genommen, heißt aber: das Bloß-Gegebene findet sich so gar nicht, es wird zum Gewordenen, ja zum Gemachten oder Geformten. In einem Moment ist die ganze Realität nun nicht mehr zu haben, denn der Versuch, sie festzulegen, prägt die Wirklichkeit auch. So bleiben notwendig Fragen offen, sie lassen sich weder durch Probieren noch durch Nachdenken entscheiden. Der Beobachter stellt nicht nur die Fragen, er ist unverzichtbarer Teil der Antworten ebenso wie der Ordnung, die sich ergibt. Die Erfahrungsgegenstände werden unlösbar Teil eines Ganzen, eines Umfeldes. Zwar lassen sich an der Welt durchaus eindeutige Erfahrungen machen, dahinter steht aber nicht als eindeutige Ursache ein Art »Ding« (insbesondere nicht ein »Ding an sich«), sondern auch noch der, der fragt. Die Erfahrungsgegenstände sind also vielleicht nicht mehr eindeutig bestimmbar, aber wir können sie dennoch immer besser kennen lernen. Das Verstehen-Wollen ist gleichsam aktiver und beteiligter geworden, Wissenschaft redet nicht mehr über das So-Sein von Dingen, sie wird zu einem erfahrungs- oder begegnungsorientierten Zugang zur Welt.5
Man merkt ein wenig: Die Sicherheit eines Konsenses darüber, wie die Welt ist, droht wegzufallen. Ohne die Möglichkeit zur eindeutigen Lokalisierung in der Erkenntnis wird es zum Beispiel schwieriger, für das Handeln Ziele festzulegen oder zu begründen. Wenn das Richtige aus anderer, ebenfalls berechtigter Sicht das Falsche sein kann, fällt die Verantwortung dafür, es doch zu tun, auf uns selbst. Man merkt auch: Wenn wir das ernster nähmen, müsste unser Umgang mit Technologie an vielen Stellen anders aussehen als er es tut. Autofahren ist bequem und oft genug nötig oder unvermeidlich, aber hat massive Folgen für die Umgebung. Muss man es (»eigentlich«) lassen? Ist car-sharing oder ein Drei-Liter-Auto eine Lösung? Windenergie vermeidet Treibhausgase, aber die Windräder prägen ganze Landschaften – was ist höher einzuschätzen? Solche Diskussionen sind weit entfernt vom gradlinigen »Fortschritt« etwa der 50-er Jahre. Konkurrierende Gesichtspunkte lassen sich typischerweise nicht mehr auflösen, sondern fordern ein Aufeinander-Eingehen der Betroffenen.
Das Drama und seine Mitwirkende
Die Suche nach Systematik und die Suche nach Begegnung sind selbst komplementär. Einmal beziehe ich die Welt auf eine wie dahinter stehende Ordnung; die Dinge und Vorgänge sind dann Verweise auf eine Art Struktur, eine Weltgesetzlichkeit, die sich in der einzelnen Begebenheit zeigt. Wissenschaft wäre die Auffindung und Formulierung dieser Struktur. Zu den oben erwähnten Modalitäten des Erkenntnisstrebens gehört dann auch der tiefe Optimismus, dass sich die ganze Welt so durch die Wissenschaft ordnen lässt. Wissenschaft ist wie eine große Bibliothek, in der jedes Buch seinen Platz hat und die umgekehrt für jede Eventualität ein Buch bereithält. In dieser Sicht ist Wissenschaft wie eine Welt neben der Welt,6 sie erscheint vielleicht sogar klarer, zuwendungswürdiger als ihr immer unvollkommenes Abbild, die Realität,7 und »Wahrheit« oder »Erkenntnis« machen eigentlich nur in ihrem Rahmen Sinn.
Gilt andererseits mein Interesse an einem Gegenstand oder einer Situation nicht dem Platz derselben in einer Ordnung, sondern bin ich auf eigene, aktuelle Begegnung mit meiner Umgebung aus, so sind die Begebenheiten nicht Verweise auf ein »eigentlicheres« Geschehen, sondern schon die ganze Welt – meine Welt. In der Sprache des Schauspiels formuliert vollzieht sich für den Betrachter ein interaktives Drama, mit einer Vielzahl von Mitwirkenden, grandiosen Kulissen und anspruchsvoller Dramaturgie. So ein Drama wäre ein komplizierter sozialer Vorgang und dafür scheint mehr gefordert als nur Zuschauer zu sein. Ich bin als Handelnder wie als Nicht-Handelnder dennoch Mitwirkender für andere.8 »Wissenschaft« ist hier ein ausgesprochen praktischer, ja pragmatischer Begriff, in zweierlei Bedeutung: Sie ist einerseits Erkenntnis-Technik, eine Trickkiste an Methoden, Konzepten und Erfahrungen für diesen Weg, und andererseits, sofern sie Werkgemeinschaft ist, die Gesamtheit der Weggenossen, die mir kritisierend und kontrollierend, helfend und anerkennend zur Seite stehen.
Gefragt ist nicht die Entscheidung für oder gegen Systematik, sondern das Miteinander von Ordnen und Zuwenden: Wir verstehen die Welt weder, indem wir sie nach Prinzipien ordnen, noch indem wir sie rein zu erfahren suchen. Es ist eine anthroposophische Binsenweisheit, dass beides zusammenkommen muss. Wir werden den Erfahrungsgegenständen (Erscheinungen) gerecht, wenn wir sie ebenso sachlich wie gründlich-aufmerksam aufnehmen und sie in ihr angemessenes gedankliches Umfeld stellen. Beides braucht Vorbereitung und Übung, beides färbt sich durch individuelle Möglichkeiten und Vorgeschichten. So schreibt W. Müller-El Abd:9 »Es gehört zu den Prinzipien neuzeitlicher Wissenschaft, dass ihre Ergebnisse unabhängig von der Person des Forschenden Geltung beanspruchen. [Es] ...wird heute mit gleicher Selbstverständlichkeit vorausgesetzt, dass etwa die Erkenntnis bestimmter astronomischer Zusammenhänge nicht dadurch bestimmt sein darf, wer die entsprechenden Berechnung anstellt bzw. durchs Fernrohr schaut.« Es ist klar, dass der Bedeutungsanspruch nicht an der Person des Forschers hängen darf, sondern durch Konformität mit der Disziplin entsteht. Aber ebenso offensichtlich ist Forschung mit dem Forscher verbunden: Meine Messungen und Berechnungen konnten so nur durch mich zustande kommen, mit gerade meinen Fähigkeiten und Schwächen, mit unseren Fragen und eben der Ausrüstung, Möglichkeiten und Hilfe, die in der Arbeitsgruppe vorhanden waren.
Durchdringen – wohin?
Der Titel von Wolfgang Müller-El Abds Ausgangstext sticht. Vermutlich hat jeder Leser zum Nicht-Durchdringen der Anthroposophie seine eigenen Beispiele, die einen so schmerzlich wie die anderen. Und doch: die Frage danach, ob immerhin oder doch nur soundsoviel Promille der deutschen Kinder auf eine Waldorfschule gehen, greift mir zu kurz. Wissenschaftlichkeit der Anthroposophie, das ist mir nicht die Voraussetzung oder das Hindernis dafür, dass (endlich) eine breite Öffentlichkeit Notiz nehmen würde von den Schätzen, die bei den Anthroposophen zu heben sind. Anthroposophie ist Wissenschaft, wenn für den, der Erkenntnisfragen hat, die Auseinandersetzung mit ihr fruchtbar und erhellend ist. Ich bin kein Fachmann für Geschichte der anthroposophischen Bewegung, aber so viel glaube ich verstanden zu haben: Ob Waldorfschule, Medizin, Heilpädagogik, Landwirtschaft – wo immer ein anthroposophischer Impuls dann doch »durchdringt«, stehen dahinter Menschen, die mit dem vorhandenen Material aus Steiners Werk dankbar und zunehmend enthusiastisch arbeiten. Nicht die Konformität mit einem vorgeblich modernen Wissenschaftsverständnis ist Schlüssel für Wirksamkeit, sondern, ob moderne Menschen Rudolf Steiners Werk so auffassen, dass sie auf ihrem Weg authentische und fruchtbare Erfahrungen damit machen können. Mit anderen Worten: durchdringen muss Anthroposophie wohl wirklich immer mehr, aber zuerst in die eigene Seele.
Damit ist auch die Schulungswegfrage gestellt, doch nicht auf eine schwer zu erreichende Erleuchtung hin – Schulungsweg ist zuerst und vor allem Teil der eigenen Biographie. Karmaerkenntnis ist nicht als eine Disziplin einer systematischen Geisteswissenschaft interessant, mit diesen und jenen Beispielen, Regeln und Ausnahmen, sondern das Studium derselben ist genau dann berechtigt, wenn sie dem, der das studiert, Gesichtspunkte und Techniken bietet, das eigene Leben besser zu verstehen und dadurch auch besser zu meistern.
Die geistige Welt finden wir überall bei Steiner geschildert als höchst beteiligt an allem sinnlich-physischen Geschehen. In diesem Geschehen kann die Begegnung mit dem Geistigen also jedenfalls stattfinden. Damit das sachgemäss geschehen kann, braucht es die Pflege jener seelischen Voraussetzungen, die Müller-El Abd weniger streng gefordert sehen möchte.10 Man lese einmal das Kapitel zur Einweihung aus »Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?« (GA 10) nicht als mehr oder weniger abstrakte Schilderung eines Vorgangs, der jemand anderem zustößt, sondern auf die eigenen, sogenannten alltäglichen Krisen hin: »Einweihung durch das Leben« ist hier nicht nur nahe liegende Assoziation des Lesers, sondern explizite Wendung! Oder das Nachwort (von 1918) zum selben Buch: Dort wird der Geistesforscher, der man zu werden strebt, nicht als mir letztlich völlig Fremder, sondern explizit als eine erwachende Instanz des eigenen Seelenlebens geschildert. In vielen seiner Texte sehen wir dasselbe Bild: Der Schulungsweg ist nicht etwas Ungangbares oder ein Weg mit allzu fernem Ziel, sondern Anleitung für eine Praxis, durch Arbeit an sich selbst hier und jetzt Erfahrungen zu machen und Erkenntnisse zu haben, die uns und die Welt weiterbringen können, ja sollen.11
Biographie und Kartographie
Vielleicht lässt sich mein Anliegen noch einmal konziser so fassen: Man möge Anthroposophie nicht als systematische Wissenschaft, als »Bibliothek« (und damit als »Bücherwissen«) auffasssen und beurteilen, sondern als Gelegenheit für eigene Erlebnisse, für eigene aktuelle Erkenntnis. Man denke nur an Goethes ersten Blick durchs Prisma und wieviel wir dem verdanken, dass er das Gesehene höher gehalten hat als das systematisch Erwartete! Wenn es einen Handlungsbedarf im Verhältnis von Anthroposophie und Wissenschaft gibt, dann nicht den, die Anthroposophie zu ent-wissenschaftlichen oder als systematische Wissenschaft zu verteidigen. Für einen erkenntnisorientierten Zeitgenossen bietet sich in Rudolf Steiners Werk Wissenschaft und Anregung für mehr als ein Leben.12
Vielleicht ist die Aufgabe also viel eher, sich selber mehr für das, was einem zustößt, zu öffnen und die sich mit öffnenden Möglichkeiten besser zu schätzen und zu ergreifen. Die Wissenschaftsgeschichte kennt viele Einsichten, die zustande gekommen sind, indem jemand das Besondere einer Situation wahrnahm – von Goethes Farbenlehre über Darwins Weltreise und Röntgens Entdeckung bis hin zum Penicilin. Auch die Biographie erfährt ihre Wenden hochgradig durch solche Anregungen von außen, und zwar gerade da, wo man den ureigenen Impulsen am nächsten kommt – ich denke an biographische Figuren wie »die große Liebe« und »den Lehrer« oder an Dissidenten wie Sacharow, die ihre bürgerliche Existenz aufgeben, weil irgendetwas den Blick auf die Welt radikal verändert hat. Für das schwierige Geschäft des Sich-Entschließens bräuchte es eine Kultur, nicht Regeln. Vielleicht liegt die Sache ähnlich wie mit einem »Talent zum Glücklich-Sein«, vielleicht ist das sogar dasselbe. Anthroposophie bietet offenbar die Möglichkeit, an so einer Kultur bewusst zu arbeiten, sei es durch Anleitung zur Selbsterziehung oder mit unendlich vielfältigen Gesichtspunkten auch dazu. Das Ganze scheint eine Art Emanzipationsprozess, ein Weg vom So-Sein zum So-Werden. Bewusstsein braucht dabei nicht nur das eigene Bemühen, sondern auch das Verhältnis zu den eigenen Voraussetzungen und zum eigenen Umfeld.
Wiederum bringt Müller-El Abd selbst die Sache mit dem Wort »Kartographie« sehr schön ins Bild: Bemühe ich die Karte, um festzustellen, was (»eigentlich!«) alles zu sehen wäre, wenn ich nur besser sehen könnte, oder zur Orientierung, in meiner Umgebung und konkreten Situationen? Ist die Landkarte, die uns Steiner an die Hand gibt, ein Liegenschaftsverzeichnis oder eine Schatzkarte? Ich verstehe Steiners Projekt eindeutig in letzterem Sinn. Es ist ihm nicht vorzuwerfen, wenn die Karte anders verwendet wird und dafür irgendwelchen Ansprüchen nicht genügt;13 die Karte ist gut und richtig, wenn ihre Angaben mir helfen, meinen Weg zu finden, einen Weg, der so wenig festliegt wie er für jemanden anderen gangbar ist. Und es mag Gebiete geben, die ich ohne Karte nie erreichen werde, ja von denen ich nichts geahnt hätte.
Der in diesem Sommer dritte Besuch desselben Gebirgstales zeigte mir übrigens mehr und ganz anderes als der erste, nicht nur wegen der anderen Jahreszeit. Etwas botanisches und geologisches Wissen ist dazu gekommen, auch simples Sich-Auskennen mit Wegen, Leuten und Geschichten. Berge sind da, weil ich sie gesehen habe, nicht weil sie die Postkartenansicht zeigt. Auf manchen bin ich auch schon gewesen. Die Berge als bloßes Inventar sind, verglichen mit den Erlebnissen bei einer Wanderung, blass, noch immer eine Herausforderung, aber ungefährlich.
Anmerkungen
1 Die Drei 2/2002
2 W. Müller-El Abd: Zwischen Wissenschaft und Offenbarung, die Drei 5/2002
3 Eine Auswahl: Georg Maier: Gedanken zur Komplementarität. Elemente der Naturwissenschaft 58 (1/1993). Johannes Wirz: Schritte zur Komplementarität in der Genetik. Elemente der Naturwissenschaft 64 (1/1996). Thomas Schmidt: Die Photonen der Physik, die Potenzlehre des Aristoteles und das »Imponderabele« nach Rudolf Steiner. Elemente der Naturwissenschaft 65 (2/1996). Siehe Auch Jos Verhulst: Der Glanz von Kopenhagen. Stuttgart 1994.
4 Vgl. Stephen W. Hawking: Eine kurze Geschichte der Zeit. Reinbek bei Hamburg 1991. Derselbe: Ist alles vorherbestimmt? in »Einsteins Traum«, Reinbek bei Hamburg 1993
5 Komplementarität ist nicht konstituierend für diese Art Wissenschaft, aber sie ist typisch für das dort zu habende Weltverhältnis.
6 Eine konsequente literarische Umsetzung dieser Vision findet sich in der Erzählung von J. L. Borges »Die Bibliothek von Babel«.
7 Vgl. Georg Maier: Der Mensch und die Welt der Sinne. Das Goetheanum 4/2001.
8 Während für eine systematische Wissenschaft Objektivität durch korrekten Bezug auf die Systematik entsteht, konstituiert sich das Nicht-nur-Subjektive im zweiten Ansatz durch den Bezug auf einen gemeinsamen Erfahrungsschatz. Also etwa: Ein Experiment ist objektiv, wenn bestimmte Arbeitsformen eingehalten sind und darüber in bestimmten Sprechweisen gesprochen wird. Oder aber: eine Erfahrung ist nicht mehr nur subjektiv, wenn sie zu Erfahrungen passt, die andere gemacht haben. Diese Lesarten des Nicht-Subjektiven sind wiederum nicht etwa gegensätzlich, sondern komplementär!
9 die Drei 5/2002
10 Ich finde es spannend, wie nah zusammen Schulungsweg und Erkenntnishaltung im Werk Steiners an vielen Stellen stehen. Vgl. etwa Vortrag vom 19.1.1923 (GA 220). In GA 10 (»Wie erlangt man...«) ist der Anfang des Schulungswegs die seelische Grundstimmung des »Pfades der Verehrung«, der Devotion gegenüber Wahrheit und Erkenntnis.
11 Vgl. den Vortrag »Was tut der Engel in unserem Astralleib?« vom 9.10.1918 (GA 182).
12 Dass auch Systematiker dort sehr viel Material finden, ist ein anderes Thema.
13 Wolfgang Müller-El Abds Liste der schlechten Erfahrungen mit Anthroposophen ist mit all dem übrigens weder entschuldigt noch bestritten. Hermetische Mentalität ist nicht nur menschlich, sondern auch sachlich nicht zu rechtfertigen.