| |
Liebe Leserin, lieber
Leser,
Barack Obama ist im
Wahlkampf 2008 als Mensch mit Ideen und Idealen gegen das etablierte
politische System angetreten. Damit gewann er – und verkörpert nun
selbst seit einem Jahr als Präsident der USA gerade dieses System. An
diesem »Seitenwechsel« droht Obama zu scheitern, so die These unseres
Beobachters in Amerika, Roland Benedikter. Doch er sei »eine Person, die
mit aller Kraft eine balanciertere und gerechtere Welt will« und deshalb
auch in schwierigen Zeiten unser Vertrauen verdiene. – In seiner Rede
anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises im Dezember 2009 ist
sich Obama seiner Rolle als Oberbefehlshaber der Armee einer Nation, die
in zwei Kriegen steckt, bewusst und stellt fest: »Ich bringe heute keine
Lösung für die Probleme des Krieges mit. … Ich sehe die Welt wie sie
ist, und ich kann die Augen nicht vor den Bedrohungen für das
amerikanische Volk verschließen. Es steht fest: Das Böse existiert in
der Welt.«
»Die Überwindung des Bösen kann beginnen, wenn zwischen einzelnen
Menschen sich eine neue spirituelle Substanz bildet, die Menschheit.«
Was Johannes W. Schneider hier im Hinblick auf Leben und Werk der
schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf – sie erhielt 1909 als
erste Frau den Nobelpreis für Literatur – schreibt, könnte vielleicht
der spezifisch europäische Beitrag zum Weltfrieden werden: als
Zeitgenossen und Glieder der Menschheit füreinander einzustehen, um so
den »Fluch aus den Taten der Diktatoren und ihrer Mitläufer« aufzuheben.
Eine gewaltige Aufgabe, die nicht im Kampf gegen etwas zu bewältigen
ist.
Das vorliegende Heft enthält darüber hinaus eine große Vielfalt an
Anregungen und Betrachtungen – von den Konsequenzen des neuen Gesetzes
zur Patientenverfügung über den Aufstieg der Geld- und Machteliten bis
hin zur produktiven Auseinandersetzung mit zwei neuen Veröffentlichungen
zu Reinkarnation und Auferstehung. Nicht zu vergessen die sich
fortsetzenden Beiträge über das Ruhrgebiet und Rilke.
Ganz herzlich gratulieren wir unserem Herausgeber Karl-Martin Dietz zu
seinem 65. Geburtstag am 9. März! Er nimmt dieses Wächteramt seit 1997
für die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland wahr – im Sinne
einer freilassend-konstruktiven Begleitung. Wir freuen uns auf eine
Fortsetzung dieser vertrauensvollen Zusammenarbeit auch in der Zukunft.
Ihr Stephan Stockmar
|
|