Die Drei 3/2010

 

Editorial

 

 

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Barack Obama ist im Wahlkampf 2008 als Mensch mit Ideen und Idealen gegen das etablierte politische System angetreten. Damit gewann er – und verkörpert nun selbst seit einem Jahr als Präsident der USA gerade dieses System. An diesem »Seitenwechsel« droht Obama zu scheitern, so die These unseres Beobachters in Amerika, Roland Benedikter. Doch er sei »eine Person, die mit aller Kraft eine balanciertere und gerechtere Welt will« und deshalb auch in schwierigen Zeiten unser Vertrauen verdiene. – In seiner Rede anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises im Dezember 2009 ist sich Obama seiner Rolle als Oberbefehlshaber der Armee einer Nation, die in zwei Kriegen steckt, bewusst und stellt fest: »Ich bringe heute keine Lösung für die Probleme des Krieges mit. … Ich sehe die Welt wie sie ist, und ich kann die Augen nicht vor den Bedrohungen für das amerikanische Volk verschließen. Es steht fest: Das Böse existiert in der Welt.«
»Die Überwindung des Bösen kann beginnen, wenn zwischen einzelnen Menschen sich eine neue spirituelle Substanz bildet, die Menschheit.« Was Johannes W. Schneider hier im Hinblick auf Leben und Werk der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf – sie erhielt 1909 als erste Frau den Nobelpreis für Literatur – schreibt, könnte vielleicht der spezifisch europäische Beitrag zum Weltfrieden werden: als Zeitgenossen und Glieder der Menschheit füreinander einzustehen, um so den »Fluch aus den Taten der Diktatoren und ihrer Mitläufer« aufzuheben. Eine gewaltige Aufgabe, die nicht im Kampf gegen etwas zu bewältigen ist.
Das vorliegende Heft enthält darüber hinaus eine große Vielfalt an Anregungen und Betrachtungen – von den Konsequenzen des neuen Gesetzes zur Patientenverfügung über den Aufstieg der Geld- und Machteliten bis hin zur produktiven Auseinandersetzung mit zwei neuen Veröffentlichungen zu Reinkarnation und Auferstehung. Nicht zu vergessen die sich fortsetzenden Beiträge über das Ruhrgebiet und Rilke.
Ganz herzlich gratulieren wir unserem Herausgeber Karl-Martin Dietz zu seinem 65. Geburtstag am 9. März! Er nimmt dieses Wächteramt seit 1997 für die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland wahr – im Sinne einer freilassend-konstruktiven Begleitung. Wir freuen uns auf eine Fortsetzung dieser vertrauensvollen Zusammenarbeit auch in der Zukunft.


Ihr Stephan Stockmar