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Liebe Leserin, lieber
Leser,
nehmen Sie sich Zeit
für dieses Heft! Die Zeit läuft unentwegt – nonstop. Doch es liegt an
uns, was wir mit und aus ihr machen. Das ist die Botschaft einer
Ausstellung in der geruhsamen Schweiz über die Geschwindigkeit des
Lebens, für die sich
Urs Dietler Zeit genommen hat – offensichtlich mit Gewinn.
Die von Max Bill
gestaltete Uhr auf der Titelseite weckt vielleicht Assoziationen an
frühere Zeiten, an die eigene Kindheit. Solche Uhren waren in den 50er
und 60er Jahren Bestandteil vieler »moderner« Küchen, über denen im
Rückblick aber bereits ein gewisser Grauschleier liegt, so zeitlos sie
auch daher kommen. Sie ist zugleich Ausdruck von »Living Bauhaus«, über
dessen kulturelle Bedeutung sich
Matthias Mochner
Gedanken macht.
Gerade bin ich aus
Sibirien zurückgekommen: Dort ist man uns nicht nur stets sieben Stunden
voraus, sondern es herrscht auch eine andere Zeit – angemessen den
Weiten von Wald und Steppe. Wenn es stürmt, muss man zwei Tage warten,
um über den Baikalsee zu kommen – und das Beste aus der so gewonnen Zeit
machen. Mit Improvisationstalent kommt man hier weiter als mit
zielgenauen Planungen. Nicht abstrakte Vorstellungen sind gefragt,
sondern das Eintauchen in den natürlichen Lebensstrom, der sich vom
Menschen nicht ohne weiteres seine Gesetze aufzwingen lässt. Gelingt
dies, so wandelt sich etwas in mir; ich öffne mich für die Welt als
Ganze und »die große in ihr wohnende Kraft« (Galsan Tschinag).
Zurück in Deutschland,
erfasst mich wieder der hiesige Takt der Zeit. In wenigen Tagen muss das
Septemberheft zur Druckerei. Wir finden nicht alles so vor wie geplant
– und müssen improvisieren. Da war am letzten Tag vor den Ferien doch
noch ein Artikel über die neuesten Spekulationen der EZB-Bank gekommen.
Was auf den ersten Blick viel zu speziell aussah, entpuppte sich beim
Lesen als ein hoch interessanter Beitrag, in dem
Johannes Mosmann
nicht nur die andauernde Finanzkrise hintergründig beleuchtet, sondern
auch Grundfragen des Wirtschaftslebens durchschaubar macht und
Perspektiven im Umgang mit Geld und Eigentum an Grund und Boden bietet –
ein echter Glücksfall!
Auch das Oktober-Heft
wirft nun schon seine Schatten voraus. Es wird unter der Frage: »Stammt
der Mensch doch vom Affen ab?« die gemeinsame Entwicklung von Mensch und
Tier zum Thema haben. Halten Sie sich offen für neue Gedanken – und
nehmen sich dafür ein wenig Zeit!
Ihr Stephan Stockmar
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