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Liebe Leserin, lieber
Leser,
dieses Heft ist, passend zur
Osterzeit, ein Nest voller Überraschungseier. Das beginnt schon mit der
Titelseite: Sie sollte eigentlich ganz anders werden, hätte uns da nicht
das (erbliche) Urheberrecht einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Doch mit dem jetzigen Bild sind wir nicht weniger glücklich, so
verwirrend es auf den ersten Blick auch erscheint. Grün passt ja zu
Ostern – doch ein angefressenes, von Spuren durchzogenes Blatt? Und dann
erst die Wortfetzen, die der Stuttgarter Handlungskünstler EDGAR
HARWARTH drum herum montiert hat: Frühlingsmorgen-laufkäfers –
Wurmtrocknis. – Dörferlinie-wegeplan – Wirtschaftsstreifen, – was wollen
sie uns sagen? Aus dem gewohnten, ›verstehbaren‹ Sinnzusammenhang
herausgerissen, werden sie zu einer ganz anderen Art von
Wahrnehmungsinhalt. Ich muss sie mir buchtäblich auf der Zunge zergehen
lassen, um ihnen auf die Spur zu kommen. Und dann hängt es von mir
selbst ab, ob sie bloße Reste einer Zersetzung bleiben oder sich für
neue Bewegungen öffnen. Tod und Auferstehung liegen hier ganz eng
zusammen.
– Ähnlich geht es uns mit dem unfassbaren Ereignis von Winnenden, nur
dass dort aus dem (vermeintlichen) Spiel tödlicher Ernst geworden und
ein österlicher Neuanfang zunächst nicht erkennbar ist; es bleiben die
Spuren der Zerstörung von Menschenleben. – CHRISTIAN VON ESEBECK weist
in seiner Studie über den Sprachsinn auf das hin, »Was wir nicht hören:
Die Wortwahrnehmung zwischen Klang und Bedeutung«. Auch um diesem
tragischen Ereignis auf die Spur zu kommen, helfen nicht vorschnelle
Interpretationen. Uns bleibt vorerst nur der unerträgliche Klang. Was
macht er aus uns? Werden wir einmal durch ihn hindurchhören können? –
Eine ärgerliche Überraschung war für uns die Entdeckung eines eigenen
Fehlers: einen falschen Text gesetzt zu haben, eine alte Fassung, die
längst überarbeitet und dabei stark verändert worden war. Es geht um
Stefan Weishaupts Artikel »Von der Schwierigkeit, für jemanden zu
sprechen, der nicht mehr spricht«. Sie finden nun in diesem Heft einige
Kerngedanken der ›richtigen‹ Fassung, sozusagen als ›work in progress‹;
die vollständige richtige Version steht auf unserer Internet-Seite unter
März 2009.
In der Hoffnung, dass Sie in diesem Heft für sich manche schöne
Überraschung entdecken, grüße ich Sie herzlich –
Ihr Stephan Stockmar
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